Der Arbeitsmarkt hat sich kräftig entspannt und wird sich perspektivisch weiter entspannen. Die Möglichkeit, den Job seinen Eignungen und Neigungen zu wählen, rückt in greifbare Nähe. Außerdem die Möglichkeit, von Unternehmen Möglichkeiten zur Gestaltung von Arbeitsplatz und -inhalten zu fordern.

Doch diese neue Freiheit ist Segen und Fluch zugleich: Schließlich sind Wahlmöglichkeiten nicht nur eine Chance, sondern verlangen Entscheidungen. Und die müssen gründlich vorbereitet sein. Wer den passenden Job sucht, muss erst Mal seine Stärken und Erwartungen kennen. Sonst scheitert er an der schieren Fülle der Möglichkeiten – und verkümmert in einem Job, der ihn weder fordert noch seine Stärken nutzt.

Nabelschau

Konsequenterweise fängt die Bestandsaufnahme bei Ihnen an: Erst, wenn Sie wissen, WAS genau Sie wollen, können Sie sich umsehen, WO Sie es finden. Klingt logisch, oder? Schließlich Sind es Ihre Potenziale, Ihre Fähigkeiten und Eigenschaften, die Sie einzigartig machen. Gleichzeitig sind sie das Angebot, das Sie einem Arbeitgeber in spe machen – damit werden Sie für ihn attraktiv.

Was bringen Sie mit?

Dabei geht es zunächst natürlich um jene Skills, die Sie in Ihrem Studium erworben haben. Und zwar allgemeine, die jeder Student Ihrer Disziplin erwirbt, und spezielle, die aus Ihrer Schwerpunktsetzung resultieren. Schreiben Sie also genau auf, welche Fähigkeiten Sie wodurch erworben haben – und welche Eigenschaften Sie benötigten, um dies leisten zu können.

Hinzu kommen Ihre außergewöhnlichen Stärken. Die finden Sie beispielsweise, wenn Sie einen Blick auf Ihre Hobbys werfen: Schließlich tun Menschen das besonders gern, was ihnen ganz einfach von der Hand geht. Aber Achtung: Meist zeigt erst der tiefere Blick, worauf es ankommt. Spielen Sie gern Fußball, ist nicht das Spiel Ihre Stärke, sondern eher strategisches Denken und Teamführung oder Disziplin und Biss.

Oben drauf kommt Ihre Persönlichkeit. Ob Sie sich in der Regel gründlich in Aufgaben einarbeiten oder lieber schnell einen Überblick verschaffen, um Entscheidungen treffen zu können, nüchtern oder begeisterungsfähig, offen oder zurückhaltend sind: Ihre Eigenschaften zeigen, wie Sie Dinge Tun – und sind Teil Ihrer Einzigartigkeit.

Diese Talente und Eigenschaften beschreiben Sie nicht nur. Sie bilden gleichzeitig den Anforderungskatalog für Ihren idealen Job: Der sollte Ihre Talente nutzen und befördern. Am besten erstellen Sie also eine Tabelle mit Ihren Stärken – und stellen sie dann dem Anforderungsprofil einer Stellenausschreibung gegenüber. Check!

Was erwarten Sie?

Ebenso wichtig wie Ihre Mitbringsel sind Ihre Erwartungen. Die werden zunächst von Ihren Werten bestimmt. Etwa davon,

  • ob es Ihnen reicht, wenn die künftige Arbeitsstelle Ihre materiellen Erwartungen befriedigt – oder ob Sie dort auch andere Werte wie Selbstverwirklichung, Zugehörigkeit und Wertschätzung verwirklicht sehen wollen.
  • ob Sie gern im Team mit flachen Hierarchien arbeiten und Ihre Ideen in die Diskussion einbringen – oder ob Sie lieber Verantwortung übernehmen und möglichst viele Mitarbeiter unter sich haben möchten.

Weil diese Faktoren bestimmen, ob Sie in Ihrem Job glücklich werden, sollten Sie diesen Punkten viel Aufmerksamkeit widmen. Am Besten, Sie fertigen auch hier eine kleine Liste an. Check!

Genauso wichtig sind die Arbeitsinhalte: Am besten stellen Sie sich auch hier wieder einigen Fragen:

  • Welche Tätigkeiten motivieren Sie so, dass Sie stundenlang dabei bleiben können, ohne müde zu werden?
  • Welche Themen faszinieren Sie derart, dass Sie freiwillig alles dazu lesen und gern darüber sprechen?
  • Unter welchen Bedingungen arbeitest Sie am Besten: allein im stillen Kämmerlein – oder im regen Austausch mit Anderen?

Und natürlich:

  • Was möchten Sie dafür haben? Wie viel Geld brauchen Sie auf jeden Fall zum Leben?
  • Was ist der Gegenwert dafür, jeden Tag Ihr Bestes zu geben?
  • Wie viel Lob und Anerkennung erwarten Sie?

Was jetzt kommt, wissen Sie bereits: Auch dazu machen Sie sich idealerweise eine Liste. Check!

Kurs bestimmen

Mit diesen Anforderungen können Sie sich auf die Suche nach Ihrem Wunschunternehmen machen. Dafür müssen Sie allerdings erst beschreiben, wie es aussehen soll.

Welches Umfeld?

Die Suche nach dem perfekten Job und Arbeitgeber beginnen Sie am besten mit der mit Zielbranche. Ihr Studienfach gibt ein Stück weit die Richtung vor, aber auch nicht mehr. Ein Entwicklungsingenieur findet im Maschinenbau sicher ganz andere Bedingungen als in der Luft- und Raumfahrttechnik – auch wenn beide zur Metallindustrie zählen. Und die Biologin findet beim Naturkosmetik-Hersteller ganz andere Voraussetzungen als beim Pharma-Multi.

Natürlich liegt das nicht nur an den Unterschieden zwischen den Branchen, sondern auch an den Betriebsgrößen: Große Unternehmen bieten größeres Ansehen, oft das höhere Gehalt und mehr innerbetriebliche Fortbildung; kleinere können indes mit flacheren Hierarchien, schnelleren Aufstiegschancen und mehr Verantwortung punkten.

Stellen Sie sich also bitte diese Fragen:

  • Welche Branchen interessieren Sie?
  • Welche Unternehmensgröße finden Sie reizvoll?
  • Wo würden Sie lieber arbeiten – in einer Großstadt oder einer überschaubaren Gemeinde?

Auch das schreiben Sie sich am besten auf. Check!

Welches Unternehmen?

Gute Frage! Die Antwort finden Sie im Internet. Soziale Netzwerke wie Twitter, Google+, LinkedIn oder XING erlauben Ihnen, gezielt nach Mitarbeitern eines Unternehmens zu suchen, mit ihnen in Kontakt treten, sich auszutauschen – und manchmal sogar auf einen Kaffee im realen Leben verabreden… Der Versuch ist es wert.

Weniger bekannt, aber umso aufschlussreicher sind Messekataloge. Die Ausstellerverzeichnisse vor allem der großen Branchenschauen zeigen, wer im Markt agiert, Rang und Namen hat und was das jeweilige Unternehmen so macht. Mit diesen Informationen verschaffen Sie sich schnell einen Branchenüberblick und können entscheiden, welche Unternehmen überhaupt in Frage kommen. Mit den Namen, Adressen und Telefonnummern, die Sie in den Katalogen finden, können Sie die Arbeitgeber Ihrer Wahl gleich kontaktieren.

Wenn Sie es persönlicher mögen, können Sie natürlich direkt auf eine solche Messe gehen. Suchen Sie die Gelegenheit zu einem Vier-Augen-Gespräch mit einem Mitarbeiter oder Personaler und sammeln Sie so viele Informationen wie möglich über das Unternehmen und dessen Kultur. Bleibt Ihr Interesse bestehen, können Sie sich auch gleich bewerben – das erste Vorstellungsgespräch haben Sie ja bereits hinter sich. Nehmen Sie für den Messebesuch genügend Bewerbungsunterlagen mit – und bereiten Sie sich gründlich vor!

Ein weiterer Anlaufpunkt sind Arbeitgeber-Bewertungsportale. Dort können aktuelle wie ehemalige Mitarbeiter, Bewerber und Praktikanten Unternehmen bewerten und (anonym) sagen, wie es dort wirklich zugeht. Je mehr Leute das tun, desto repräsentativer und damit aussagekräftiger wird das Unternehmensprofil. Dort finden Sie heraus, ob das Unternehmen hält, was es verspricht. Check!

Mit dieser Schema finden Sie nicht nur ein Berufsbild, das Ihren Potenzialen und Ihrer Persönlichkeit optimale Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Sie filtern so auch jene Arbeitgeber heraus, die perfekt zu Ihnen passen. Und nur das zählt.