Aus der Serie Tweets, die die Karriere kosten können hier einige weitere Beispiele. Nebenbei bemerkt: Es herrscht offenbar große Langeweile in Deutschland…
Zum Schutz der Betroffenen wurden die Autorennamen weggelassen.
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Niels Warnecke
Herr Mai, überrascht Sie diese Tatsache wirklich? Die jährliche Gallupstudie zur Mitarbeiterzufriedenheit zeigt doch immer wieder, dass die breite Masse der angestellten Bevölkerung nur Dienst nach Vorschrift macht bzw. innerlich gekündigt hat. Dass sich solche Befindlichkeiten dann auch in den Social Media den Weg bahnen, ist zwar in Bezug auf das Individuum und seiner Zukunft ziemlich unklug, aber nichts desto trotz vorhersagbar.
Jochen Mai
@Niels Warnecke: Es geht doch nicht darum, dass mich die Aussagen überraschen. Es geht darum, dass die Leute sowas noch immer Twitter & Co anvertrauen.
Martin
So ist es. Kann ich gar nicht verstehen wie man sowas auf twitter schreiben kann.
Wenn einem langweilig wird, einfach Job wechseln und nicht auf twitter schreiben.
gruß
martin
Roland
Dieser Eintrag zeigt mir, wie unreflektiert in Firmenleitungen und bei Beratern gelebt wird: Wenn einem Mitarbeiter langweilig ist, raus kicken!
Ich würde, als Chef/Personaler erstmal in mich gehen, wenn mir solche Aussagen zu Ohren kommen: WARUM langweilt sich der Mitarbeiter? Unterfordert? Überlastet? Aber so ein Ansatz erfordert NACHDENKEN und SELBSTKRITIK. Und das ist ja leider in diesen Kreisen, hmm, ja, verpönt.
In diesem Sinne!
Jochen Mai
@Roland: Hm, vielleicht etwas zu schnell geschossen. Dieser Kommentar wiederum zeigt mir, wie oft Mitarbeiter meinen, für ihre Motivation und Bespaßung seien vor allem andere verantwortlich, Führungskräfte insbesondere.
Mit Verlaub: Im Gegensatz zu Überforderten können Unterforderte und Gelangweilte an ihrer Misere jederzeit etwas ändern. Dazu müssen sie nur aktiv werden. Wer sich langweilt, kann jederzeit neue Projekte anschieben, die seinem Unternehmen (und ihm selbst) Vorteile bringen. Per Definition hat so jemand ja genug Zeit dafür. Langeweile ist kein Schicksal. Nur was dagegen sicher nicht hilft: phlegmatisches Jammern.
Knut O.E. Pankrath
Komisch. Mir als Freiberufler / Untermehmer ist NIE langweilig. Vielleicht sollte der eine oder die andere mal über selbstbestimmte statt abhängige Arbeit nachdenken. Oder ist es gar nicht Langeweile sondern Trägheit im Kopf und an der Gliedern?
Roland
@Jochen: Danke! Also: Überforderte können nichts ändern? Aha!
Weiter: Projekte anschieben, aktiv werden, meinst Du das jetzt ernst oder sehe ich die Komik darin nicht? Oder bist Du, mit Verlaub gesagt, soweit weg von der Basis, als zu wissen wie es zu geht, in den Betrieben? Scheint so!
Jochen Mai
@Roland: Sorry, Roland, aber dein Kommentar ist pure Polemik ohne Substanz. Auf dem Niveau nicht.
Niels Warnecke
@Herr Mai: Ihr Vorschlag (Projekte anschieben und Co.) beinhaltet meines Erachtens einen Denkfehler: Wenn die Unternehmen eine entsprechende Kultur hätten, würde die jährliche Gallupstudie ja nicht solche desaströsen Ergebnisse zu Tage fördern – und die Mitarbeiter sich nicht langweilen (kurz gesagt). Hinsichtlich der Motivation ist es, denke ich, genauso: Warum erwarten denn viele Beschäftigte, dass sie motiviert und bespaßt werden? Weil es die meisten Unternehmen in der Praxis genau das praktizieren – sie versuchen zu bespaßen und zu motivieren. Warum sonst gibt es immer noch Unmengen dieser “Tschaka”-Jungs, Incentives, LOB und all dieses Zeugs? Weil die meisten Manager nach wie vor glauben, mit Zuckerbrot und Peitsche die Leute “motivieren” zu können. Dass das in den meisten modernen Berufsbildern nicht funktionieren kann, hat Reinhard Spengler hinreichend beschrieben. Und auf ww.ted.com gibt es zwei unterhaltsame Beiträge von Dan Pink und Barry Schwartz zu diesem Thema… Aus meiner Sicht liegt die Schuld ergo nicht nur beim Beschäftigten (der ist insofern mitschuldig, weil er sich ja auch einen neuen Job suchen könnte), sondern auch bei den Unternehmen…
In einem Punkt gebe ich Ihnen aber uneingeschränkt Recht: Bei twitter oder anderen sozialen Web-Applications seinen Unmut rauszulassen, ist schlicht und ergreifend dumm.
Jochen Mai
@Niels Warnecke: Wenn Sie Reinhard Sprenger (nicht SprengLer) gelesen haben, wissen Sie aber, dass genau das sein Argument ist: Man kann Menschen nicht motivieren. Und wer es vom Vorgesetzten verlangt, gesteht nur, dass er ein Esel ist, der nach seiner Möhre vor der Nase verlangt. Der Schluss daraus ist aber eben nur der: Für die Motivation (und damit indirekt auch für die Langeweile) ist der Mitarbeiter selbst verantwortlich. Ich kann da beim besten Willen keinen Denkfehler erkennen.
Ich sehe aber, dass Sie hier einige Dinge unzulässig vermischen: Auf der einen Seite sagen Sie – völlig zurecht -, dass es teils eine fehlgeleitete Kultur aus Zuckerbrot und Peitsche gibt. Nun, das adressiert aber an die Manager und hat zunächst nichts mit der Langeweile im Job zu tun – denn sowohl Zuckerbrot wie auch Peitsche sorgen nicht gerade für Leerlauf.
Dann führen Sie die Gallup-Studie an, die – übriigens seit Jahren – einen hohen Unzufriedenheitsgrad misst und vielen Mitarbeitern die innere Kündigung bescheinigt. Woran das im Einzelnen liegt, geht daraus aber nicht hervor. Und mit Langeweile hat das sicher nichts zu tun, denn laut anderer Studien (die ich auch hier immer wieder zitiert habe) ist es meist das unfaire, intransparente und eng kontrollierende Verhalten des Vorgesetzten, das dazu führt. All das spricht aber eher für Chefs, die ihre Mitarbeiter am zu engen Zügel führen, statt ihnen jemals so viel Freiraum zu lassen, dass daraus Langeweile erwachsen könnte. Insofern stellt sich auch bei diesem Beispiel die Frage: Was hat das mit Langeweile im Job zu tun? Und warum sollte es ein Argument für jammernde Mitarbeiter sein, die bedauern, nichts zu tun zu haben?
Zumal: Leerlauf muss nicht immer in Langeweile münden. Er kann auch eine entspannende Pause beinhalten, um alte Gedanken zu sortieren oder neue zu verknüpfen. Wer sich dagegen langweilt und das auch noch bedauert, statt es zu ändern (mit was auch immer), der outet sich letztlich doch nur nur wieder als eben jener unselbstständige Esel, der nach irgendeiner Möhre (dem tierischen Zuckerbot) verlangt, die ihn wieder antreibt. Und manchmal gibts auch nur die Peitsche. Dabei hätte man beides vermeiden können, wenn man einfach mal selbstständig ein paar Schritte gelaufen wäre.
Niels Warnecke
Werter Herr Mai, ich denke ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt, insofern nur eine Klarstellung:
1. Die Eselei, wie sie es nennen, bestreite ich ja gar nicht.
2. Die Eselei der Manager auch nicht.
3. Das Problem, was ich mit Ihrer Aussage habe ist: Wie kann ich in einer Unternehmenskultur vom Mitarbeiter Selbstmotivation verlangen, wenn die Unternehmens-Struktur auf Demotivation im Sprengerschen Sinne aufbaut und gezielt Selbst-Motivation torpediert?
Intrinsische Motivation ist nicht Aufgabe des Vorgesetzten. Richtig. Nicht umsonst schreibt Herr Sprenger (das L ist mir wohl beim Schnelltippen dazwischen gehuscht) sinngemäß: Ein Manager kann nicht für Motivation sorgen, wohl aber Demotivation vermeiden. Sprenger unterscheidet ja auch zu recht Motivation und Motivierung. Zuckerbrot und Peitsche führen nicht zu Leerlauf – richtig. Zuckerbrot und Peitsche führt aber auch nicht zu motivierten Mitarbeitern. Langeweile muss nicht zwingend was mit “Nichts zu tun” zu tun haben, oder? Ich denke da an das zunehmende Phänomen des Boreout-Syndroms.
Zu der Thematik “Unzulässigkeit” noch zwei Anmerkungen: Erstens unterstellen Sie, so verstehe ich das jedenfalls, die Gleichartigkeit der menschlichen Charaktere. Dieses ist aber nunmal nicht so insofern kann man nicht von jedem Menschen in seiner charakterlichen Komplexität einheitliches Verhalten hinsichtlich des Umgangs mit “langweiligen” Jobs erwarten. Zweitens haben Sie natürlich recht, dass die Gallup-Studien keine Analyse der Ursachen der erhobenen Daten anführen (jedenfalls ist mir das nicht bekannt). Aber wenn ich jetzt die Tatsache der empirisch ermittelten Mitarbeiterzufriedenheit mit dem Thema “Selbst-Motivation vs. Langeweile” kopple, dann kommt meines Erachtens heraus, dass in den demotivierenden Unternehmen eher die Leistungsträger gehen werden als diejenigen Mitarbeiter, die aus den unterschiedlichsten Gründen heraus eben nicht in der Lage sind, sich selbst entsprechend zu motivieren. Was ergo in den Unternehmen verbleibt sind die vom Job gelangweilten Mitarbeiter. Die Gründe, warum diese 80% Mitarbeiter sich nicht motivieren können, liegen aber eben nicht nur bei den Vorgesetzten (deswegen auf beiden Seiten Eselei), sondern in der Regel etwas vielschichtiger. Es würde sich lohnen, dieses Aspekt auch einmal näher zu beleuchten.
Das es die von Ihnen benannten Alternativen zur Langeweile gibt – gar keine Frage. Ich hoffe, meine Position hierzu ist jetzt etwas deutlicher…
Jochen Mai
@Niels Warnecke: Vielen Dank, jetzt verstehe ich Sie besser. Sie haben natürlich Recht damit, dass eine Unternehmenskultur, die auf Demotivation im Sprengerschen Sinne aufbaut, jeglichen Ansporn der Mitarbeiter killt. Allerdings: So wie Sie in Anspruch nehmen, dass es kein einheitliches Verhalten gibt (was natürlich unbestreitbar ist), so nehme ich in Anspruch, dass es entsprechend auch keine einheitliche Unternehmenskultur gibt, die in ihrer Gänze das von Ihnen angeführte Extrem ausfüllt. Insofern bliebe selbst im Rahmen einer eher negativen Kultur immer noch genug Spielraum der persönlichen Langeweile entgegen zu wirken – und sei es durch Kündigung (was Sie schon ansprachen und freilich ebenfalls eine Extremlösung darstellt). Ich würde aber behaupten, dass dazwischen immer noch genug Grauzonen bleiben.
Im Übrigen war die “Unzulässigkeit” darauf bezogen, dass Sie die Gallup-Studie mit “Zuckerbrot und Peitsche” und Langeweile über einen Kamm geschehrt haben. Und ich finde nach wie vor, dass das völlig unterschiedliche Dinge sind, die sich zudem unterschiedlichen Problemen aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. Die Beispiele, um die es in diesem Beitrag ja ursprünglich geht, sind aus der Perspektive der betroffenen Mitarbeiter geschrieben. Gallup befragt ebenfalls Mitarbeiter – jedoch zu einer anderen Fragestellung. Die angesprochene Zuckerbrot-und-Peitsche-Kultur (oder Demotivationskultur) ist wiederum eine Management-Perspektive (Wie führt / motiviert man Mitarbeiter und geht das überhaupt?), die sich an eine ganz andere Zielgruppe richtet. Und ich meine, bei einer stringenten Argumentation dürfen sich Perspektivwechsel nicht mischen, weil man sonst Äpfel mit Birnen vergleicht, und am Ende kommt nur Mus heraus.
Noch eine letzte Sache: Ich glaube, wir kommen deshalb an einem Punkt nicht zusammen, weil ich nicht an das “Phänomen Boreout” glaube. Wir haben das einmal für die WirtschaftsWoche genauer recherchiert und haben keinerlei stichhaltigen Beleg für diese These gefunden. Ich halte das gleichnamige Buch noch immer für eine Marketing getriebene Idee, weil Boreout einfach ein schöner sprachlicher Kontrast zu Burnout ist. Während Burnout aber durchaus medizinische und statistische Indikationen besitzt, gibt es diese beim Boreout schlicht nicht. Wie gesagt: Der Gelangweilte hat stets die Optionen aktiv zu werden. Auf welche Weise und zu welchem Zweck ist freilich eine individuelle Entscheidung.
Niels Warnecke
Herr Mai, vielen Dank für Ihre Darstellung, die ich so nicht in Gänze teile. Aber das macht solche Diskussionen für mich so interessant – auch dafür Danke von einem Stammleser Ihres Blogs.
Zum Thema BoreOut: Ich habe zu diesem Thema noch gar kein Buch gelesen. Ich erinnere lediglich einige Blogartikel, u.a. auch aus dem medizinischen Umfeld, in denen dieses “Syndrom” ernsthaft besprochen wurde. Ehrlich gesagt kann ich mir als Nichtmediziner BoreOut nicht wirklich vorstellen – bzw. halte das für eine neumoderne Variante der Midlife-Crisis. Insofern auch ein Danke-Schön für die Informationen über Ihre Recherchen – ich kann mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass auch die Medizinier-Gilde dann und wann neue “Produkte” zum Behandeln benötigt. In Zeiten reduzierter Sätze bei Standarderkrankungen irgendwie auch kein Wunder – aber das ist dann ein anderes Thema und gehört hier nicht hin. Danke und Gruß – und ein “weiter so”!
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Jana Yngland
Super wäre, wenn die Leute twittern könnten FÜR DEN BETRIEB ODER BÜRO – ich nutze Twitter für mein Bussines – das sollen die Chefs endlich begreifen und die Mitarbeiter auffordern für den Job zu Twittern. WERBUNG MACHEN – dann macht Twittern echt SPAß und nutzt was allen und vor allem dem Chef.