Lachanfall-lachen-ansteckendEs begann an einem Dienstag. Genauer: am 30. Januar 1962. Die drei Mädchen waren wie an jedem Tag in der Schule in Kashasha am Westufer des Victoriasees. Dann fingen sie plötzlich an zu lachen. Erst eine, dann zwei, dann alle drei. Sie konnten gar nicht mehr damit aufhören. Erst fand die Lehrerin das noch lustig, dann wurde sie böse, das Lachen störte den Unterricht. Sie schickte die Drei vor die Tür. Doch es half nichts, sie lachten weiter. Mehr noch: Sie steckten nun noch andere damit an. Binnen kurzer Zeit lachten 95 der insgesamt 159 Schüler – und hörten damit nicht mehr auf, weshalb die Schule am 18. März geschlossen werden musste. Riesenfehler!

Denn die lachenden Schüler steckten nun noch mehr Menschen an: Zehn Tage später fingen 200 Menschen im rund 90 Kilometer entfernten Nshamba an zu lachen, Schüler überwiegend. In der Regionshauptstadt Bukoba wiederum lachten bereits 48 von 154 Schülern. Auch dort wurde die Schule deshalb geschlossen – und die Lachepidemie breitete sich ins 35 Kilometer entfernte Kanyangereka aus, wo daraufhin ebenfalls zwei Schulen geschlossen werden mussten. Die ganze Lachepidemie dauerte mehrere Monate und bescherte mehr als 1000 Menschen immer wieder Lachanfälle bis das Lachen langsam wieder abklang.

Das Phänomen ging als Tanganjika-Lachepidemie in die Geschichte ein. Die Ursache hierfür konnte nie wirklich geklärt werden.

Viel erschreckender aber ist: Britische Forscher haben ermittelt, dass Kinder etwa 400 Mal am Tag lächeln und bis 150 Mal lachen; Erwachsene dagegen lächeln im Schnitt nur 15 Mal und bis zum herzlichen Lachen bringen sie es nur 6 Mal täglich.

„Nichts in der Welt ist so ansteckend wie Gelächter und gute Laune“, wusste zwar schon der Schriftsteller Charles Dickens. Unlängst aber haben britische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass Lachen wirklich ansteckend ist. Der Grund: Sobald positive Emotionen ins Spiel kommen, neigt unser Gehirn dazu, diese nachzuahmen. Allein das Geräusch eines Gelächters löst in einem Teil der Großhirnrinde (der die Gesichtsmuskulatur steuert) den Reflex aus, uns mindestens aufs Mitlachen vorzubereiten, so Sophie Scott vom University College London.

Bestätigt wird das durch Untersuchungen der Neurowissenschaftlerin Jane Warren vom Hammersmith Hospital in London. Sie hatte ihren Probanden verschiedene emotionale Laute vorgespielt und dabei ihre Hirnaktivitäten beobachtet. Ergebnis: Lachen oder Jubeln lösten besonders starke Reaktionen aus, stärker als etwa Angst oder Ekel – woraus die Forscher ableiten, dass positive Emotion ansteckender sind als negative.

Eine Erkenntnis, die sich übrigens Sitcom-Produzenten regelmäßig zu Nutze manchen, indem sie vorproduzierte Lachsalven (Branchenjargon: canned laughter) in ihre Sendungen einblenden.

Scherzartikel

    1. Du bist im Internet.
    2. Du bist auf Karrierebibel.de
    3. Du liest gerade.
    5. Und du hast nicht bemerkt, dass Punkt 4 fehlt.
    6. Du kontrollierst das gerade.
    7. Jetzt schmunzelst darüber.
    8. Genauso wie über die Tatsache, dass du nicht alle deine Zähne gleichzeitig mit der Zunge berühren kannst.
    9. Und du bist ein Depp, weil du das gerade auch noch testen musstest.
    10. Aber ein liebenswerter. Weil du auch darüber lachen kannst.

Worüber wir lachen

Lachen kann aber weitaus mehr als Quote bringen oder aufheitern. Der französische Mathematiker Blaise Pascal erkannte früh, dass Lachen meist von einer unerwarteten logischen Unstimmigkeit ausgelöst wird – also dem, was bei einem Witz die Pointe ausmacht. Es ist aber nicht so, dass Menschen nur über lustige Dinge lachen. Es gibt genauso das erleichterte, bittere oder böse Lachen, das hämische, schadenfrohe, schmutzige, verkrampfte oder gar krankhafte Lachen. Wer lacht, könnte an einem „momentanen Anfall von Tollheit“ leiden, wie der italienische Dichter Giacomo Leopardi es nannte. Oder weil er einen drohenden sozialen Konflikt abwenden will.

Denn Lachen deeskaliert. Es entkrampft, kann Kritik abschwächen und ist ein wichtiger „sozialer Klebstoff“, sagt der Lachforscher Carsten Niemitz von der freien Universität Berlin. Lachen baue Bindungen auf: Wer mitlacht oder nicht, zeigt allen anderen, wer zur Gruppe gehört.

Gelotologen wiederum, also Wissenschaftler die sich beruflich mit dem Lachen beschäftigen, haben herausgefunden, dass Lachen das berufliche Fortkommen fördern und den (unternehmerischen) Gewinn steigern kann: Heitere Belegschaften sind gesünder, seltener krankgeschrieben und daher produktiver.

Das Feel-Good-Do-Good-Phänomen

Gutgelaunte sind soziologischen Studien zufolge hilfsbereiter als normal gelaunte Kollegen. In der Wissenschaft ist dies auch als „Feel-good-do-good-Phänomen“ bekannt. „Je mehr jemand mit seinem Leben zufrieden ist, desto empathischer ist er“, sagt der Sozialwissenschaftler Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität in Rotterdam (pdf). Und desto mehr färbt das auf das Umfeld ab. Damit sind gute Laune und Lachen nicht nur das Ergebnis positiver Umstände – sie sind auch deren Ursache.

Lachen macht kreativ

LolZudem macht Lachen kreativer. Der Harvard-Psychologe Daniel Goleman schreibt dazu in seinem Bestseller „Emotionale Intelligenz“, dass Heiterkeit helfen kann, weitsichtiger und komplexer zu denken, freier zu assoziieren und neue gedankliche Verknüpfungen zu entdecken. Lachen erhöht die geistige Flexibilität und trägt so enorm zur Problemlösung bei.

Linus Torvalds, Begründer der Linux-Software, setzt den Spaß gar für gutes Programmieren voraus: „Die Leute müssen Quatsch machen dürfen“, sagte er einmal in einem Interview. Bei der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines werden Bewerber gar systematisch nach ihrem Humor befragt und müssen erklären, wie sie ihn im Job nutzen wollen.

Der Psychologe William Ruch wiederum gilt als einer der führenden Humorforscher. Er untersucht seit über 15 Jahren den Zusammenhang von Charaktereigenschaften und Witzvorlieben. Dabei kam heraus: Wer beispielsweise Nonsens-Gags bevorzugt, ist eher kreativ und abenteuerlustig, aber auch exzentrisch bis chaotisch. Logik-Witze-Liebhaber dagegen sind in der Regel gewissenhaft und zuverlässig, aber meist auch intolerant und dogmatisch.

Und natürlich ist Lachen auch gesund. Es baut Stress ab, steigert das Wohlbefinden und fördert so die körpereigenen Heilungskräfte. Den Umstand nutzen vor allem Krankenhäuser speziell auf Kinderstationen mit regelmäßigen Auftritten von Stations-Clowns.

Lachen ist übrigens ganz leicht: Augenbrauen hoch, Augen enger, Nasenlöcher weit, der Jochbeinmuskel zieht die Mundwinkel nach oben, der Atem schießt mit bis zu 100 Stundenkilometern durch die Lungen und bringt die Stimmbänder zum wackeln. Bei Männern schwingen sie rund 280 Mal pro Sekunde, bei Frauen sogar 500 Mal.

Probieren Sie es aus – und hören Sie in diesen Radiomitschnitt rein…

[Bildnachweis: Happy Girl by Shutterstock]

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