So sieht’s aus: Auf Chefsesseln bilden Frauen noch immer die Ausnahme. Hier zu Lande sind zwar 42 Prozent der Erwerbstätigen weiblich, aber nur elf Prozent der Toppositionen von Frauen besetzt. Vor allem in so genannten Männerberufen. Und wie sich zeigt, liegt das häufig an den Frauen selbst: Schon früh entscheiden sie sich für Branchen, die bei ihren Geschlechtsgenossinnen beliebt sind – Konsumgüterhersteller, Medienunternehmen, Werbung. Hier konkurrieren dann nicht nur viele Frauen um wenige Spitzenjobs, sie konkurrieren auch mit Männern. Damit verschlechtern sich schon rein rechnerisch ihre Chancen.
Offenbar scheuen Frauen die mögliche Deklassierung. In einem Bericht der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung gaben rund 80 Prozent der Mädchen an, sie fürchteten, als Exotin in einem frauenuntypischen Beruf diskriminiert zu werden. Zudem fehlen ihnen die Vorbilder. Das ist wahr. Wahr ist aber auch: Zu oft und zu schnell fügen sich Frauen ins Rollenklischee. Einerseits wollen sie in ihren Berufen Geld verdienen, gleichzeitig rechnen sie damit, später die Kinder groß zu ziehen. Das grenzt ihre Berufsauswahl automatisch ein. Folglich achten sie mehr auf flexible Arbeitszeiten, auf Teilzeitarbeit als auf ihre Karriereaussichten. Als Ergebnis driften Männer- und Frauenberufe immer weiter auseinander, bis hin zum Gehalt. Frauen werden für gleiche Leistung nicht nur bis zu 26 Prozent schlechter bezahlt, sie ziehen sogar das Gehaltsniveau herab. Sonja Bischoff, Professorin an der Universität Hamburg, konnte nachweisen, dass das Durchschnittsgehalt der Männer sinkt, wenn mehr als zehn Prozent Frauen in Führungspositionen sitzen.
Dahinter steckt allerdings kein Vorurteil, sondern oft unstrategisches Verhalten: Männer halten Informationen zurück oder setzen sie gezielt gegen Widersacher ein, um sich Vorteile zu sichern. Frauen pflegen lieber ihr Team und setzen sich für die Kollegen ein. Kurz: Männer mögen Machtspiele, Frauen ist das zu blöd. Es gibt unzählige Artikel, die sich mit diesem Phänomen beschäftigt haben. Der Tenor ist immer derselbe: Zuviel Fairness geht immer nach hinten los! Niemand sollte sich vor der eigenen Courage fürchten. So lange Ränkekämpfe über Karrieren entscheiden, bleiben Frauen nur zwei Alternativen: aussteigen oder mitspielen. Allein Letzteres führt an die Spitze.
Umso erfreulicher folgende Entwicklung: Vorbei die Zeiten, da männliche Nachkommen in Familienunternehmen selbstverständlich bei der Nachfolge den Vorrang hatten. Immer häufiger besetzen selbstbewusste wie qualifizierte Töchter die Chefsessel. Elterliche Betriebe, die innerhalb der Familiendynastie weitergegeben werden, gehen inzwischen in jedem fünften Fall an eine Nachfolgerin. Und den Vätern ist das nur recht: Anders als Söhne zeigen die jungen Frauen mehr Respekt vor dem Lebenswerk des Seniors. So gelingt eine reibungslosere Nachfolge.
1. Kommentar
Nicola
08.01.08 um 21:51 Uhr
Obwohl ich eine Frau bin muss ich zugeben, dass das stimmt. Auch mir sind diese Machtspiele der Männer zu doof. Ich finde das ständige wetteifern, wer das schlauere sagt oder recht hat albern. Das kostet total viel Zeit in Meetings und nervt die anderen nur. Mich aber auch. Drum mache ich da meistens nicht mit. Ich merke dann hinterher aber auch, dass irgendwie “draussen” bin. Ich werde mich also künftig mehr in den Ring werfen. Danke also für den Anstoß!
2. Kommentar
Simone Janson
09.01.08 um 14:32 Uhr
Eigentlich sollte das ja ein Trackback werden. Aber das hat mal wieder nicht geklappt :-) Nur so viel: Bei den fehlenden Vorbildern stimme ich grundsätzlich zu, auch dass Frauen sich mit ihrer finanziellen Bescheidenheit eher selbst im Weg stehen, sehe ich so, wobei ich Bescheidenheit da nicht nicht negativ finde. Aber das Frauen unstrategisch und unintrigant vorgehen, sehe ich nicht so ganz. Das sieht bei Frauen nur anders aus und dementsprechend sind ihnen nicht die Machtspielchen zu Blöd sondern das damit verbundene Imponiergehabe. Und außerdem habe ich nie ganz verstanden, warum Teilzeitarbeit, die ja für eine gute Selbstorganisation spricht, schlechter für die Karriere sein soll als den halben Tag unproduktiv im Büro rumzuhocken. Mehr dazu HIER.
3. Kommentar
Jochen Mai
09.01.08 um 17:12 Uhr
@Nicola: Gern geschehen.
@Bewerberblog: Man muss ja nicht gleich mit derart harten Bandagen spielen. Aber sonst: ja, Karriere ist auch mal Kampf, kein reiner Spaziergang.
@Simone Janson: Wie ich schon in Ihrem Blog schrieb: Ich finde Ihre Replik bestätigt eher die Thesen als dass sie ihnen widerspricht:
Sich organisieren zu können und anwesend zu sein, sind zunächst einmal zwei Paar Schuhe. Ich bin sehr gut organisiert (da können sie meine leidgeprüften Mitarbeiter fragen) und häufig lange anwesend. Allerdings ist Letzteres Voraussetzung, um ein internes Netzwerk zu knüpfen und vom Chef regelmäßig in Konferenzen gesehen und gehört zu werden. Beides nachweislich wichtige Beförderungshelfer. Sie sagen, Sie haben das nie verstanden… et voilà, was soll noch dazu sagen?!
Punkt 2: Frauen seien bei Gehaltsforderungen realistischer. Wunderbar – meine Gratulation zu soviel Realismus. Aber was haben Sie davon? 26 Prozent weniger Gehalt. Bravo! Männer setzen sich da lieber mehr in Szene und bekommen prompt Geld. Was kaufen Sie sich von der Moral???
Und zum Schluss: Frauen spielen subtiler. Ja, das höre ich immer wieder – auch bei Witzen, die nicht zünden (”Der war eben subtil…”). Der Witz beim Machtspiel ist nicht, dass es keiner mitbekommt, sondern das Gegenteil. Und das schließt mit ein, dass man auch mal nicht so gut ankommt und einen nicht alle lieben. Wie war das: Nette Mädchen kommen in den Himmel…?!
4. Kommentar
Simone Janson
09.01.08 um 17:55 Uhr
Herr Mai,
es war ja auch nicht meine Absicht, Ihre Thesen zu wiederlegen, wie gesagt, teilweise stimme ich Ihnen voll und ganz zu (das war jetzt subtil… :-) ) Allerdings wollte ich zum Weiterdenken einzelner Aspekte anregen… Klar ist es für die Frau eher nachteilig, bei Gehaltsforderungen bescheiden zu sein – aber ist deshalb das männliche Verhalten (falls man das so pauschal sagen kann, ich kenne da auch Gegenbeispiele) das Maß aller Dinge oder gibt es noch andere Wege?
Bei der Sache mit den Machtspielchen habe ich mich unklar ausgedrückt: Das weibliche Vorgehen dabei finde ich keinesfalls positiv. Ich finde nur dieses Klischee von der armen Frau, die keine Macht mag, langsam langweilig.
Nun aber zu meinem Lieblingsthema:-) Klar besteht der Witz bei der Anwesenheit im Büro darin, einfach da zu sein, sich mit dem Chef gutzustellen, Networking zu betreiben und so funktioniert dann auch Karriere. Nur: Ist es sinnvoll, dass es so ist? Wenn ich mir Studien angucke, die hervorbringen, dass die Deutsch pro Jahr 32,2 Arbeitstage unproduktiv verschwenden, bin ich mir da nicht so sicher. Oder muss ich im Umkehrschluss aus Ihrer Argumentation ableiten, dass, um es betont platt zu sagen, ins Büro gegangen wird um Kaffee zu trinken und Schwätzchen zu halten? :-)
5. Kommentar
Jochen Mai
09.01.08 um 18:02 Uhr
Liebe Frau Janson. Sie haben natürlich Recht, dass die Uhr ein schlechtes Indiz für Leistung und Anwesenheit kein Zeichen von Produktivität ist. Darüber kann man lange diskutieren, besser aber seinen Chef überzeugen, dass der das anders sieht… NUR: Solange es nicht anders gesehen wird, mag man (oder frau) das zwar alles dumm und unsinnig finden – mitmachen ist trotzdem Pflicht will man sich nicht schaden. Leider ist das so. Genauso wie Spielverderber selten beliebt sind.
6. Kommentar
Simone Janson
09.01.08 um 19:09 Uhr
Ja, es ist wohl so. Nur manchmal sind es gerade die Spielverderber, die einen weiterbringen :-)
7. Kommentar
Nicola
09.01.08 um 20:01 Uhr
Stimmt. Am Ende sind es immer die Frauen, die die Welt weiterbringen. :-D
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