Lärm am Arbeitsplatz: Produktiv bleiben im Büro
Im Job kann es schon mal laut werden. Dafür ist es nicht einmal nötig, dass sich Kollegen lautstark die Meinung geigen oder der Chef eine Standpauke hält, die durch das gesamte Büro zu hören ist. Oft reichen bereits die täglichen Geräusche aus, um für Lärm am Arbeitsplatz zu sorgen. Laute Gespräche, klingelnde Telefone, das Klackern von Tastaturen, im Hintergrund vielleicht noch ein Radio und vor dem geöffneten Fenster eine Baustelle, die voraussichtlich noch mehrere Monate dauern wird. Mit vielen Dingen können wir uns arrangieren, Lärm am Arbeitsplatz ist hingegen für viele unerträglich. Was Sie über eine zu hohe Lautstärke am Arbeitsplatz wissen müssen und was Sie tun können, um trotzdem produktiv zu arbeiten...

Lärm am Arbeitsplatz: Beschwerdegrund Nummer Eins

Offen gestaltete Großraumbüros sollen die Produktivität der Mitarbeiter steigern, die Kommunikation verbessern und gleichzeitig die Teamarbeit erleichtern. Die Vorteile liegen auf der Hand doch wird ein Punkt gerne geflissentlich ignoriert: Offen Büroräume sind laut. Zwar kann man sich gut mit den Kollegen verständigen, im Gegenzug hört man aber auch wirklich alles - ob man will oder nicht.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass eine Studie der Cornell Universität zu dem Ergebnis kam, dass eine zu hohe Lautstärke und Lärmbelästigung der häufigste Beschwerdegrund in Großraumbüros ist.

Die Folgen des Lärms stehen dabei den angepriesenen Vorteilen der offenen Bürolandschaft direkt im Weg: Wer über einen langen Zeitraum der hohen Lautstärke ausgesetzt ist, wird weniger produktiv, leidet unter Motivationsverlust, fühlt sich gestresst und ist schneller müde als Kollegen in ruhigeren Büros.

Lärm am Arbeitsplatz: Tipps, um produktiv zu bleiben

Ollyy/shutterstock.comIst es am Arbeitsplatz zu laut, fällt es schwer, überhaupt an Aufgaben oder Projekte zu denken. Man wird immer wieder aus den Gedanken gerissen und findet überhaupt keinen Zugang. Trotzdem soll man noch irgendwie produktiv sein und versuchen, gute Leistungen abzuliefern. Aber wie? Sollten Sie nicht zu den Arbeitnehmern zählen, denen Lärm überhaupt nichts ausmacht und die auch in tiefer Konzentration versunken sind, wenn eine Marschkapelle im Raum ist, müssen Sie auf andere Wege zurückgreifen. Wir haben fünf Tipps für Sie, um trotz Lärm am Arbeitsplatz produktiv zu bleiben.

  1. Erhöhen Sie Ihre Geräuschtoleranz

    Die Geräuschkulisse am Arbeitsplatz sollte so niedrig sein, dass für alle ein angenehmes und konzentriertes Arbeiten möglich ist. Es liegt daher eigentlich nicht bei Ihnen, sich an zu viel Lärm anzupassen. Dennoch kann es helfen und Ihnen bei der Arbeit nützlich sein, wenn Sie weniger sensibel auf laute Geräusche reagieren.

    Es erfordert Übung, doch man kann lernen, Geräusche auszublenden und diese so weniger wahrzunehmen. Konzentrieren Sie sich beispielsweise bewusst auf eine Aufgabe, während im Hintergrund Musik läuft oder lassen Sie auch zu Hause das Radio laufen, um sich an die Lautstärke zu gewöhnen und diese unbewusst auszublenden.

  2. Sorgen Sie für eigene Beschallung

    Ist der Lärm am Arbeitsplatz so groß, dass Sie kaum noch klar denken können, kann es helfen, mit Lautstärke gegen Lautstärke anzukämpfen. Klingt merkwürdig, funktioniert aber tatsächlich. Sie brauchen dazu lediglich Kopfhörer - geschlossene, die äußere Geräusche nicht ans Ohr kommen lassen - und Ihre Lieblingsmusik.

    Die angenehmen Klänge der Musik sind für viele deutlich besser zu ertragen, als beispielsweise Baustellenlärm oder ständig klingelnde Telefone. Allerdings haben die Kopfhörer zwei kleine Haken: Zum einen müssen Sie trotzdem mit der Lautstärke klar kommen, Sie ersetzen lediglich die Geräusche. Zum anderen ist es nicht in jedem Job ohne weiteres möglich, während der Arbeitszeit Musik zu hören, da man erreichbar sein muss.

  3. Entfliehen Sie dem Büro

    Die beste Methode, um dem Lärm am Arbeitsplatz zu entkommen: Arbeiten Sie wenn möglich aus dem Home Office. Dies ist eine besonders gute Lösung, wenn die Lärmquelle am Arbeitsplatz nicht von Dauer ist, sondern nach absehbarer Zeit wieder verschwindet. In den eigenen vier Wänden, wo man die Lautstärke selbst bestimmen kann, arbeitet es sich gleich produktiver - und entspannter.

    Solche Pläne müssen Sie jedoch in jedem Fall mit Ihrem Chef absprechen und sich die entsprechende Erlaubnis holen, um der Arbeit nicht unentschuldigt fernzubleiben.

  4. Machen Sie häufigere Pausen

    Lärm bedeutet für die meisten Arbeitnehmer vor allem zwei Dinge: Stress und fehlende Konzentration. Beides führt dazu, dass die Arbeit keinen Spaß mehr macht und zusätzlich die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen. Dem wirken Sie entgegen, indem Sie regelmäßige Pausen machen, in denen Sie das laute Büro verlassen können.

    Was Sie genau in der Pause machen, ist dabei Ihnen überlassen. Spazieren gehen, einen Kaffee trinken gehen oder auch einfach nur vor der Tür durchatmen - Hauptsache Sie kommen auf andere Gedanken, können sich vom Dauerlärm erholen und kommen gestärkt zurück.

  5. Sprechen Sie das Problem an

    Bleibt der Lärm bestehen, ist es unausweichlich, das Problem anzusprechen. Handelt es sich um einen Kollegen, für den Krach verantwortlich ist, sollten Sie diesen direkt darauf ansprechen, jedoch ohne ihn dabei persönlich anzugreifen.

    Auch Ihren Chef sollten Sie informieren, wenn der Lärm am Arbeitsplatz zu viel wird. Dieser ist dafür verantwortlich, akzeptable Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter zu schaffen.

Grenzwerte am Arbeitsplatz: Welche Lautstärke ist erlaubt?

Um die Mitarbeiter vor den Folgen einer zu hohen Lärmbelastung zu schützen, gibt die Lärmschutzverordnung einige Richtlinien vor. So soll insbesondere verhindert werden, dass es zu gesundheitlichen Schäden kommt, wenn Arbeitnehmer zu lange sehr hohen Lautstärken ausgesetzt sind.

Entscheidend für die Maßnahmen, die in der Lärmschutzverordnung vorgesehen sind, sind zwei unterschiedliche Werte: Zum einen der sogenannte Tages-Lärmexpositionspegel und zum anderen der Spitzenschalldruckpegel.

Der Tages-Lärmexpositionspegel ist dabei nichts anderes als der Mittelwert des Lärms an einem durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden. Erreicht dieser Wert 80 Dezibel, ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Mitarbeiter über die Belastung und mögliche Folgen zu informieren und einen Gehörschutz zur Verfügung zu stellen. Ab einem Mittelwert von 85 Dezibel muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass alle Mitarbeiter einen Hörschutz tragen und der Arbeitgeber muss ein Lärmminderungsprogramm erstellen, um die Situation zu verbessern.

Hinter dem Spitzenschalldruckpegel verbirgt sich die maximale Lautstärke, die an einem Arbeitsplatz erreicht werden kann. Diese sind bereits bei kurzem Auftreten eine Gefahr für die Gesundheit. Liegt der Höchstwert bei 135 Dezibel, treten die gleichen Maßnahmen wie bei einem Mittelwert von 80 Dezibel in Kraft - auch wenn der Durchschnitt weiter unter dem Wert liegt. Ab einer maximalen Lautstärke von 137 Dezibel ist immer ein Hörschutz zu tragen und der Arbeitgeber wird auch hier verpflichtet, den Lärm zu begrenzen, unabhängig davon, ob die Lautstärke nur für einen kleinen Moment erreicht wird.

Für Büros gibt es keine festen Grenzwerte, extreme Werte werden dort selten erreicht. Um ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen und den Stress zu senken, wird jedoch empfohlen, einen durchschnittlichen Geräuschpegel von unter 55 Dezibel anzustreben.

Lärm am Arbeitsplatz: Was sind die nervigsten Geräusche?

Jeder kennt sie: Geräusche, die einen in den Wahnsinn treiben, die so unangenehm sind, dass es in den Ohren weh tut, sich einem die Haare aufstellen und ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Wir haben neun der nervigsten Geräusche zusammengestellt, bei denen bereits der Gedanke dazu führt, dass die Augen zusammengekniffen werden.

  1. Tropfender Wasserhahn

    Ein Geräusch, das einen vor allem wegen seiner Penetranz in den Wahnsinn treibt und Aggressionen weckt. Wer das Pech hat, seinen Schreibtisch in der Nähe der Kaffeeküche zu haben, kann vermutlich ein Lied davon singen und wünschte sich jeden Tag sehnlichst den Handwerker herbei, der die unsägliche Lärmquelle repariert.

  2. Bremsender Zug

    Es gibt mehrere Möglichkeiten, um in den zweifelhaften Genuss dieses nervigen und besonders lauten Geräusch zu kommen. Entweder Sie fahren häufiger mit der Bahn, etwa weil Sie auf Geschäftsreise sind, Ihr Arbeitsplatz liegt in der Nähe eines Bahnhofs oder vielleicht sind Sie auch als Lokführer oder Schaffner tätig - auf jeden Fall kennen Sie das langgezogene, grelle Quietschen, wenn der Zug bremst und langsam zum Stillstand kommt. Sekunden, die jedes Trommelfell strapazieren.

  3. Kreisender Bohrer

    Vor allem Patienten schaudert schon im Voraus, wenn sie nur an das Summen des Bohrers denken. Für Zahnärzte dagegen ist das grässliche Geräusch des Zahnbohrers vermutlich bereits Routine. Doch nicht nur das Geräusch des Zahnarztbohrers ist unangenehm, auch ein Handwerker im Haus, der mit einem Bohrer hantiert, kann jeden Arbeitsplatz in einen Lärm hüllen, der jede Konzentration im Keim erstickt.

  4. Quietschende Schuhe

    Sportschuhe und ein glatter Untergrund sind in Kombination Gift für die Ohren. Ist der Arbeitsplatz mit Teppich ausgelegt, kann man dem Gequietsche vielleicht eingehen, doch warten dann andere lärmende Zeitgenossen.

  5. Staub saugen

    Ja, Ordnung muss sein, doch auf den ohrenbetäubende Lärm eines Staubsaugers würde man dabei gerne verzichten. Zwar gibt es inzwischen auch einige leisere Modelle, doch wirklich angenehme Laute geben diese trotzdem nicht von sich.

  6. Luftballons zuknoten

    Der Anlass für die bunten Ballons ist in der Regel positiv, doch das quieksende Geräusch, das diese erzeugen, wenn sie zusammengeknotet werden, ist alles andere als ein Grund zur Freude.

  7. Kreischende Kreide

    Der schlimmste Moment in jeder Schulstunde: Nicht etwa die Abfrage der Hausaufgaben, sondern das unbeschreiblich hohe Geräusch von Kreide, die über der Schultafel entlang rutscht. Die Reaktion sind zugehaltene Ohren und allgemeine Gänsehaut bei allen Anwesenden.

  8. Pfeifende Rückkopplung

    Wenn bei der Technik etwas schief läuft, kann die Rückkopplung des Mikrofons einen schrillen Pfeifton erzeugen, der durch Mark und Bein geht. Besonders schlimm ist dieses Geräusch, weil es meist unvorbereitet kommt durch den beteiligten Lautsprecher eine hohe Lautstärke erreicht.

  9. Summende Mücken

    Hier kommt es weniger auf die Lautstärke an. Schon das Geräusch einer summenden Mücke reicht oft aus, um Juckreiz am ganzen Körper hervorzurufen. Je mehr es in der Umgebung summt und schwirrt, desto schneller möchte man sich nach drinnen verkriechen.

Und was sind für Sie die nervigsten Geräusche?

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