Langeweile hat ein schlechtes Image, vor allem im Job. Da macht sie Arbeitnehmer destruktiv und sorgt für so viel Frust, dass der Job zur Qual wird. Fachleute sprechen dann auch von Boreout – krankmachender Unterforderung durch Langeweile im Job. Das lustlose Durchhängen hat aber offenbar auch ein paar gute Seiten: Glaubt man einer aktuellen Studie, macht es Arbeitnehmer kreativer.

Zu dem Ergebnis kommen die britischen Wissenschaftlerinnen Sandi Mann und Rebekah Cadman von der Universität von Central Lancashire. Sie ließen 40 Probanden 15 Minuten lang zunächst sehr langweilige Aufgaben erledigen (Telefonnummern aus einem Telefonbuch kopieren), dann baten sie diese, Fragen zu beantworten, die deren ganze Kreativität verlangten – etwa neue Verwendungszwecke für Plastikbecher zu erfinden. Resultat: Wer zuvor einen drögen Job machen musste, hatte hernach die besseren und kreativeren Einfälle, als etwa die 40 weiteren Teilnehmer aus der Kontrollgruppe.

Den Grund hierfür glauben die Psychologinnen auch schon gefunden zu haben: Tagträume. Denn bei den langweiligen Aufgaben schweiften ihre Probanden regelmäßig in Gedanken ab – und das brachte sie hinterher auf gute Ideen.

Um das Ergebnis zu verifizieren, stellten die beiden ein weiteres Experiment an, jedoch mit noch mehr Zeit zum Tagträumen. Jetzt mussten einige Teilnehmer statt Telefonnummern zu kopieren, Namen aus einer Liste abschreiben. Eine neue Gruppe indes sollte diese nur durchlesen (noch langweiliger, weil sinnlos). Und siehe da: Wieder schlugen die Gelangweilten in Sachen Kreativität die Kontrollgruppe. Mehr noch: Wer einfach nur passiv und stupide Namen gelesen hatte, war sogar noch kreativer – insbesondere, weil dabei eben noch mehr Zeit zum Tagträumen blieb.

Gelangweilte greifen zu Schokolade (und Alkohol)

Tja, falls Sie sich nun fragen, ob Sie schon gelangweilt genug sind, um auf eine richtig zündende Idee zu kommen: Es gibt da Indizien! Schokolade etwa – oder Alkohol.

Auch dazu gibt es eine bemerkenswerte Untersuchung aus dem vergangenen Jahr: Danach greifen gelangweilte Mitarbeiter besonders häufig auf der Arbeit zu Süßem oder beginnen (nach Feierabend) zu trinken, vornehmlich Hochprozentiges. Mehr als 80 Prozent der Gelangweilten berichteten, dass sie sich (aufgrund der Langeweile) zunehmend schlechter konzentrieren könnten, 50 Prozent beobachteten sich dabei, wie sie mehr Fehler machten. Die Schokolade aber würde gefühlt dagegen helfen – der Alkohol gegen den Frust am Abend.