Ab wann wird das Studium zum Langzeitstudium? Eine genaue Festlegung oder Definition gibt es nicht. Als Langzeitstudenten, Dinosaurier oder Bummler werden jene Studierenden bezeichnet, die überdurchschnittlich lange für das Studium brauchen - so die übliche Meinung. Gehören sie aber deswegen zu den schwarzen Schafen unter den Studenten? Statistiken belegen, dass das Langzeitstudium heute eher die Regel als die Ausnahme ist. Personaler verbinden aber weiterhin die lange Studiendauer mit Faulheit und Ziellosigkeit. Wie Sie trotz des Langzeitstudiums die größten Zweifler und skeptische Personaler überzeugen...

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Langzeitstudent: Ab wann gilt man als einer?

Die Umstellung der Studienabschlüsse vor einigen Jahren hatte hehre Ziele. Mit Einführung des Bachelors und des Masters sollten Langzeitstudenten der Vergangenheit angehören. Bezeichnet werden damit solche Studierenden, die deutlich über das von den Hochschulen festgelegte Maß der Studiendauer studieren - oder zumindest eingeschrieben sind.

Insofern sind sie rein äußerlich nicht immer vom Scheinstudenten zu unterscheiden, auch wenn deren Motivation hauptsächlich darin liegt, die Vergünstigungen durch den Status als Studierenden mitzunehmen.

Mit den "neuen Studienabschlüssen" sind Langzeitstudenten keine Ausnahme. Denn obwohl seit dem Bachelor der erste Studienabschluss deutlich früher als zuvor erworben wird, hat die mittlere Gesamtstudiendauer seit 2010 um 0,7 Semester zugenommen. Laut Bildungsbericht 2016 (PDF) beträgt sie somit 7,2 Semester.

Es gibt keine allgemeingültige Definition von Langzeitstudenten, denn das Regelstudium zu überschreiten, ist kein Kunststück: Von persönlichen Umständen abgesehen, können Sprachnachweise ebenso wie Auslandssemester die Studiendauer ungeplant verlängern.

Es sind daher die Universitäten, die ganz unterschiedlich auf Studierende reagieren, die die Regelstudienzeit überschreiten. Oftmals ist es so: Wer mehr als vier Semester über der Regelstudienzeit liegt und keinen Abschluss erlangt hat, wird als Langzeitstudierender gesehen und muss entsprechende Langzeitstudiengebühren entrichten.

Diese Bestimmung schwankt von Bundesland zu Bundesland: Manche Universitäten nehmen erst ab dem sechsten Semester über der Regelstudienzeit Langzeitstudiengebühren, andere wie beispielsweise Hessen nehmen gar keine.

Langzeitstudenten Rekord: Eher die Ausnahme

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wer nun den Rekord im Langzeitstudium hält. 2011 machte die Nachricht der medizinischen Fakultät der Universität Kiel die Runde, einen Langzeitstudenten nicht zwangsexmatrikulieren zu können geschweige denn zu wollen.

Dieser hatte das Motto des lebenslangen Lernens offenbar wörtlich genommen: Bereits seit 108 Semestern, also 54 Jahren, war dieser über 70-jährige Herr eingeschrieben.

Wie auch immer man im Einzelnen "Langzeitstudenten" definieren mag - solche Extreme gehören zur Ausnahme. Laut dem Statistischen Bundesamt (PDF) haben im Jahr 2014 rund 46 Prozent der Studenten einen Bachelor-Abschluss und 34 Prozent einen Master-Abschluss in der Regelstudienzeit erlangt - noch nicht mal die Hälfte beim Bachelorstudium, gerade mal jeder Dritte bei den Masterstudiengängen.

Was zunächst alarmierend klingt, relativiert sich aber schnell. Legt man zwei Semester auf die Regelstudienzeit drauf, sieht das Bild schon anders aus: 85 Prozent beziehungsweise 87 Prozent der Studierenden schaffen in diesem Zeitraum den Bachelor- beziehungsweise den Master-Abschluss.

Im Umkehrschluss bedeuten diese Zahlen, dass mindestens 13 Prozent der Studierenden zu Langzeitstudenten gehören. Der Druck auf die Betroffenen ist unglaublich hoch, sie müssen häufig mit den Depressionen und der Lustlosigkeit kämpfen. Ihnen werden fehlender Biss und mangelndes Talent vorgeworfen - sie würden mit den Anforderungen eines Studiums nicht zurechtkommen und hätten kein Durchhaltevermögen.

Langzeitstudenten Jobaussichten: Durchstarten nach dem 20. Semester?

Einige Studenten lassen sich durch diese Vorurteile beeinflussen und müssen sogar das Studium abbrechen. Andere kämpfen sich wacker durch und erlangen den begehrten Abschluss.

Egal, für welchen Weg Sie sich entscheiden, es ist wichtig, dass Sie diesen bewusst und nicht impulsiv wählen. Wir werden Sie nicht anlügen: Langzeitstudenten mit oder ohne Abschluss haben es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt.

Wahr ist aber auch, dass der Berufseinstieg sich für Hochschulabgänger häufiger schwierig gestaltet, sofern sie nicht gerade aus heiß begehrten Studiengängen stammen. Wie gut oder schlecht Ihr Einstieg gelingt, hängt letztlich von persönlichen Faktoren wie Flexibilität (Ortswechsel) und gegenseitiger Sympathie ab.

Mit der richtigen Strategie können Sie sich Langzeitstudenten erfolgreich bewerben. Im Folgenden erfahren Sie, wie das geht.

Langzeitstudenten: Bewusst lange studieren?

Langzeitstudent ab wann Jobaussichten Rekord Jobchancen Bachelor DepressionDie Ursachen für die längere Studiendauer sind vielfältig und individuell. Untersuchungen zufolge studieren Kinder aus Elternhaus ohne akademischen Hintergrund fast schon automatisch länger.

Nicht, weil sie weniger begabt wären: Aber ihnen fehlen die entsprechenden Netzwerke, auch können sie nicht auf das Wissen der Eltern zurückgreifen - das fängt bereits beim Prozedere der Immatrikulation an und zieht sich durch den gesamten Studienverlauf. Aber es gibt noch andere Gründe:

  • Geistesbildung: Manche Studierenden legen viel Wert auf Erfahrung, die sie bei Praktika und bei Auslandsaufenthalten sammeln.
  • Finanzierung: Viele Langzeitstudenten müssen trotz des BAföGs und des Studienkredites Nebenjobs annehmen, um sich über Wasser zu halten. Kommen dann noch Langzeitstudiengebühren von circa 500 Euro hinzu, müssen auch die erwirtschaftet werden. Ebenso die Krankenversicherung: die günstige studentische Versicherung entfällt mit dem 30. Lebensjahr oder Erreichen des 14. Fachsemesters. Die Beiträge können dann bis um das Doppelte steigen.
  • Orientierung: Einige merken erst im Laufe des Studiums, dass das gewählte Fach doch nicht den Erwartungen und Anforderungen entspricht und wechseln das Studienfach. Fängt das neue Studienfach beispielsweise erst zum nächsten Winter- oder Sommersemester an, wird bereits durch den Wechsel ein Halbjahr verschenkt.
  • Familie: Familienzuwachs stellt große Herausforderungen an die Organisation. Wenn das Selbstmanagement bereits nicht funktioniert, verzögert ein Kind das Studium zusätzlich. Neben einem eigenen Kind können familiäre Probleme ein Grund für ein deutlich ausgedehntes Studium sein, beispielsweise, wenn ein Familienmitglied erkrankt ist und gepflegt werden muss.
  • Studienfach: Es sind vor allem die Studenten der geisteswissenschaftlichen Fächer, die im Durchschnitt hinterherhinken. Einerseits liegt es an der Strukturierung der Studiengänge, andererseits haben viele Studienanfänger gar nicht das Ziel, den Abschluss so schnell wie möglich zu machen. Was die Betroffenen im Anschluss machen wollen, ist ihnen häufig nicht klar, da geisteswissenschaftliche Fächer meist nicht berufsqualifizierend sind. Entsprechend fehlt der eigene Druck.

Langzeitstudenten Jobchancen: Tipps zur Bewerbung

Ob die lange Studienzeit bei der Bewerbung von Personalentscheidern positiv oder negativ aufgenommen wird, hängt meist davon ab, wie Sie die Länge des Studiums darstellen. Dazu gehört natürlich, sich im Vorfeld Gedanken über die eigenen Stärken und Schwächen gemacht und mit den Gründen für das lange Studium auseinander gesetzt zu haben.

Mit folgenden Tipps vermarkten Sie erfolgreich Ihr Langzeitstudium bei einer Bewerbung:

  • Begründen Sie die Ursachen sinnvoll.

    Gehen Sie offensiv mit Ihrem Langzeitstudium um, denn es gibt gute Gründe dafür - Gründe, die Sie übrigens durchaus attraktiv für einen Arbeitgeber machen. Denn oftmals können Sie soziale Kompetenzen und jenseits des Studiums erworbene Kenntnisse damit unterstreichen, etwa so:

    Durch Praktika belegen Sie praktische Erfahrung, durch ehrenamtliche Tätigkeiten zeigen Sie soziales Engagement, durch Auslandsaufenthalte weisen Sie die Sprachkenntnisse nach, durch Nebenjobs zeigen Sie Belastbarkeit und Verantwortung und so weiter.

    Überlassen Sie nichts dem Zufall: Lassen Sie die Ursachen beim Anschreiben außer Acht, macht sich der Personaler eigene Gedanken dazu und Ihre Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch sinken erheblich.


  • Betonen Sie Ihre Ausdauer.

    Für manche mag vor allem die lange Studiendauer im Vordergrund stehen, sie sehen bei einem Langzeitstudenten in erster Linie Menschen, die immer mehr prokrastinieren und nicht in die Gänge kommen.

    Wer jedoch sein Studium beendet, demonstriert genau das Gegenteil: Sie haben sich berappelt, haben erkannt, dass Sie etwas verändern wollen und dementsprechend gehandelt. Hier geht es nicht darum, auf die Tränendrüse zu drücken und dem Personaler zu erklären, wie schwer Sie es aus diesen oder jenen Gründen hatten.

    Stehen Sie zu Fehlern und Krisen in der Vergangenheit, betonen Sie jedoch den Lerneffekt: Schließlich haben Sie gelernt, sich selbst zu organisieren und Ihr Selbstmanagement in den Griff zu kriegen. Genau solche Fähigkeiten sind von Interesse.

    Ebenso das Durchhaltevermögen, wenn Sie einen Nebenjob ausüben mussten. Jedem Personaler ist klar, dass ein Job neben dem Studium eine doppelte Belastung bedeutet. Trotz dieser Belastung sind Sie am Ball geblieben, haben diese überwunden und Ihren Abschluss gemacht. Das sind gerade die Punkte, die vielen Personalern imponieren und Sie als einen belastbaren Mitarbeiter darstellen.


  • Bleiben Sie bei der Wahrheit.

    Tappen Sie nicht in die Lügenfalle. Falsche Angaben in der Bewerbung fliegen früher oder später auf - Lügen haben bekanntlich kurze Beine.

    In Deutschland haben Zertifikate und Zeugnisse einen hohen Stellenwert. Wer es im Anschreiben nicht so genau nimmt oder seinen Lebenslauf entsprechend ausschmückt, bringt sich selbst nur in Schwierigkeiten, denn spätestens beim Bewerbungsgespräch fliegt das auf.

    Zeigen Sie dem Personaler stattdessen, inwieweit das Unternehmen von Ihren Erfahrungen aus dem Langzeitstudium profitieren kann. Das gelingt Ihnen, indem Sie die oben genannten Aspekte betonen und Ihre Willensstärke hervorheben.

Musteranschreiben für Langzeitstudenten

Bewerbungsmuster Anschreiben Langzeitstudent-CoverWoanders bezahlen Sie viel Geld für exklusives Design – bei uns bekommen Sie professionelle Bewerbungsvorlagen als WORD-Dokument oder PDF absolut kostenlos. Die Muster für Lebenslauf und Anschreiben enthalten zum Teil Beispieltexte, die Ihnen das Formulieren erleichtern sollen, aber natürlich nur zur Inspiration dienen. Bitte nie wortwörtlich übernehmen! Die Word-Dateien sind zudem in Farbe und Schriftart anpassbar.

Als Beispiel haben wir für Sie hier schon einmal ein Musteranschreiben für einen Langzeitstudenten für Sie vorformuliert - ebenfalls als Word-Dokument oder PDF. Einfach auf auf das Bild klicken und den Download starten...

[Bildnachweis: Konstantin Chagin by Shutterstock.com]

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