Immer nur reden, reden, reden! Von fast jedem vielversprechenden Mitarbeiter wird heute Kommunikationsstärke erwartet. Er oder sie soll präsentieren, argumentieren, überzeugen können – und das alles dank mitreißender Eloquenz und geschliffener Rhetorik. Alles nicht falsch. Doch wird dabei oft jene Eigenschaft vergessen, die weitaus weniger kräftezehrend wirkt und obendrein häufig viel schneller ans Ziel führt: zuhören. Mir ist kein Fall bekannt, dass sich jemand um Kopf und Kragen zugehört hätte. Was das Reden anbelangt, fallen mir umso mehr Beispiele ein.

Verwechseln Sie Zuhören aber bitte nicht mit dem großen Lauschangriff, mit Hinhören und schon gar nicht mit Schweigen. Gute Zuhörer sind immer auch gute Fragensteller: Sie erkundigen sich, wenn sie etwas nicht verstanden haben und wiederholen mit eigenen Worten, was sie verstanden haben. Dabei geht nicht darum, Gesagtes wiederzukauen, sondern den anderen wirklich zu verstehen, seine Emotionen, seine Motive zu erfassen. Zudem vermittelt das gegenseitige Wertschätzung. Zuhören ist so letztlich auch eine Form von Empathie und damit von emotionale Intelligenz. Sie werden feststellen: Die meisten brillanten Köpfe sind zugleich gute Zuhörer.

Zum Zuhören gehört auch, alle Sinne auf Empfang zu stellen. Gute Zuhörer beobachten die Körpersprache ihres Gegenübers, registrieren das Flattern in seiner Stimme oder spüren den aggressiven Unterton. Und sie gehen darauf ein – direkt oder über die Metaebene. So wirken sie stets voll konzentriert und genießen im Gegenzug viel Vertrauen.

Weil sie mehr denken, als sprechen, produzieren Zuhörer auch weniger Blödsinn. Blöde B-Promis blubbern zu allen Themen etwas, sobald jemand eine Kamera auf sie richtet und ihnen ein Mikro vor den Mund hält. Auch wenn sie davon überhaupt keine Ahnung haben. Das ist peinlich und selbstentlarvend. Gute Zuhörer dagegen sagen seltener etwas, dafür hat das Gesagte Gewicht. Und weil das jeden beeindruckt, haben sie automatisch die volle Aufmerksamkeit. B-Promis genießen im Grunde nur ihre eigene Aufmerksamkeit.

Zuhörer unterbrechen zudem nicht und vervollständigen auch nicht die Sätze des anderen. Mehr noch: Sie sind in der Lage, Stille auszuhalten und ihr zu lauschen, während der andere noch um Worte oder Fassung ringt. Dadurch führen sie das Gespräch, selbst wenn sie nichts sagen. Zuhörer entwickeln auch nie das Bedürfnis, ihre Weisheit oder ihren Rat weiterzugeben. Das wäre ihnen viel zu aufdringlich. Weil sie das nur dann tun, wenn sie danach gefragt oder dafür bezahlt werden, ecken sie weniger an und stoßen andere seltener vor den Kopf.

So, jetzt aber genug der Rede (und mit Lesen). Hören Sie lieber noch anderen zu!