SchreiDas menschliche Gehirn verarbeitet das gesprochene Wort bereits nach 140 Millisekunden. Nur viel zu oft konzentrieren wir uns dabei auf den Einfluss der Inhalte und die Wirkung der Worte – und vergessen dabei die Kraft des Klangs. Selbst ein mittelmäßiger Inhalt „unter der Gewalt eines vollendeten Vortrags macht mehr Eindruck als der vollendetste Gedanke, bei dem der Vortrag mangelt“, erkannte schon der römische Sprechlehrer Quintilian. Tatsächlich klingt gar nicht so sehr was wir sagen im Ohr, sondern vielmehr wie wir es sagen.

Jedes Stimmmuster wirkt dabei anders. Mit stockender, unrhythmischer Stimme wirkt das Gesagte bruchstückhaft, der Zuhörer wird zweifeln oder zumindest irritiert bleiben. Wer dagegen näselt, wirkt arrogant, empfindlich. Eine pathetische Sprechweise wiederum verursacht das Gefühl, der Redner sei unehrlich. Und wer mit scharfer Stimme spricht, erntet zwar Aufmerksamkeit, wird von seinem Publikum aber auch als kalt und aggressiv eingestuft.

Manche haben Glück und von Natur aus eine sympathische Stimme. Alle anderen müssen sie erst erlernen. Denn wie man heute auf Manieren und Kleidung achtet, kann man auch die eigene Stimme als Teil des Erscheinungsbildes verstehen und pflegen – sie ist eine Art Visitenkarte.

Bereits einfache Übungen helfen, die eigene Wirkung zu verbessern:

  • Summen. Atmen Sie durch die Nase langsam aus und wieder ein. Während die Luft ausströmt, summen Sie kräftig und laut ein „Mmmmh“. Die Lippen berühren sich dabei kaum. Effekt: Die Stimme bekommt mehr Volumen und Resonanz im Mund. Gleichzeitig bekommen Sie mehr Klanggefühl.
  • Gähnen. Durch Gähnen senkt sich der Kehlkopf. Effekt: Der Resonanzraum wird größer, zugleich entspannt sich die Stimmmuskulatur. Die Stimme wird klarer, befreiter und teilweise tiefer.
  • Aufrichten. Entscheidend für unsere Stimme ist die Luftversorgung – und dabei nicht etwa die Brust-, sondern die Bauchatmung. Wer verkrampft sitzt oder steht, lässt dem Zwerchfell kaum Freiraum.
  • Entspannen. Stimmvolumen ist keine Frage von Anstrengung. Das Gegenteil ist richtig. Wenn Sie überzeugen wollen, pressen Sie Ihre Stimme nie raus, sondern lassen Sie sie aus dem Bauch strömen.
  • Abwechseln. Wer mitreißen will, muss variieren: laut/leise, schnell/langsam, Pausen und verschiedene Sprachmelodien – all das sollte in einer Ansprache vorkommen.
  • Trinken. Die sprichwörtlich geölte Stimme ist keine Binsenweisheit. Wer viel trinkt, hält seine Stimme geschmeidig. Wasser neutralisiert zudem das hässliche Schmatzgeräusch beim Öffnen des Mundes.

Wem das nicht hilft, der kann Profis hinzuziehen. Die sind allerdings nicht billig: Zwei- bis dreitägige Seminare kosten rund 1500 Euro, eine Stunde Sprecherziehung bei einem Logopäden um die 70 Euro. Und bis man mit dem Training hörbare Erfolge erzielt, rechnen Experten mit 20 Stunden.