Denkblase BirneAls Ito Morabito vor elf Jahren in Marseille seine steile Laufbahn begann, kannte ihn keine Socke. Alles, was er vorweisen konnte, waren übergroßer Ehrgeiz und eine übergroße Zahnlücke. Immerhin: Das Milchgesicht aus Marseille hatte sich in den Kopf gesetzt, ein Top-Designer bei Luxusmarken, wie Gucci, Prada oder Louis Vuitton zu werden. Schon sein Vater Pascal Morabito war Designer, sein Onkel der Architekt Yves Bayard. Seine eigenen Voraussetzungen waren dennoch nicht die besten: Morabito, damals gerade 20, hatte seine Ausbildung an einer Designschule abgebrochen und auf seine Bewerbungen als Designer erhielt er nicht einmal Absagen. Kurzum: Er hatte mehr Ähnlichkeit mit einem Loser als mit einem Star-Designer.


Also erfand er sich den Erfolg. Statt weiter Bewerbungen zu schreiben, schuf für die Marken, die ihn so beharrlich ignorierten, völlig neue und coole Produkte: für Louis Vuitton schuf er 1999 einen Rucksack, für Gucci eine Villa in G-Form, ein Feuerzeug für Bic, für Apple den “Hack-Mac” mit Camouflageoptik. Zudem nannte er sich fortan Ora-Ito (was viel cooler klingt) und packte seine Entwürfe ins Internet. Sein Glück: Das französische Lifestylemagazin “Jalouse” veröffentlichte seine Entwürfe und die Luxusmarkenartikler bekamen auf einmal Anfragen von Kunden, die die hippen Sachen kaufen wollten, obwohl es sie gar nicht gab. Fast 2000 Anfragen gingen angeblich bei Louis Vuitton ein. Sein doppeltes Glück: Die Luxusartikler überzogen Morabito nicht mit Markenrechtsklagen, sondern buhlten nun ihrerseits um die Gunst des dreisten, aber offenbar begabten Plagiateurs.

Und es wird noch besser: Neben Louis Vuitton co. interessierten sich seitdem auch andere Firmen für den Franzosen und belohnten ihn mit Aufträgen. Heute ist Morabito 31 und entwirft unter anderem für Adidas, Artemide oder Swatch ganz legal Produkte und beschäftigt obendrein 15 Mitarbeiter in Paris. Mit einem frechen Bluff vollbrachte er das Kunststück, sich einen gut bezahlten und obendrein begehrten Job zu ergaunern. Chapeau!