Leere Versprechungen beim Job
Wie versprochen, so gebrochen: Leere Versprechungen im Job sind die Pest. Ob nun ein Arbeitgeber nicht hält, was er im Vorstellungsgespräch noch euphorisch angepriesen hat oder uns ein Kollege die versprochene Hilfe versagt - übrig bleiben (menschliche) Enttäuschung und viel Frust. Leere Versprechungen machen erst Hoffnungen, die sich kurz darauf in Luft auflösen und den bitteren Beigeschmack hinterlassen, dass man belogen oder ausgenutzt wurde und selbst auch noch naiv genug war, darauf hereinzufallen. Zugegeben, nicht hinter jedem leeren Versprechen steckt bewusste Bosheit. In manchen Fällen werden gegebene Versprechen auch einfach vergessen oder können aufgrund der Umstände nicht eingehalten werden. So oder so: Ignorieren sollten Sie das trotzdem nicht...

Wer macht leere Versprechungen?

Versprich nichts, was du nicht halten kannst lautet ein wahres Sprichwort. Leider halten sich daran nur wenige. Der Grund: Versprechen sind ein wichtiges Instrument zur Vertrauensbildung. Wer hält, was er oder sie zusagt, wird sofort glaubwürdiger. Ein Mann, ein Wort - Sprüche wie dieser sind nicht zufällig Ausdruck und Zeugnis von Verlässlichkeit, Gewissenhaftigkeit und eben Vertrauenswürdigkeit.

Das Ganze funktioniert aber auch in der Gegenrichtung: Falsche Zusagen, übertriebene Ankündigungen, gebrochene Versprechen verspielen Vertrauen unmittelbar. Wer so handelt, sinkt nicht nur in unserem Ansehen - er oder sie besitzt auch keine Ehre.

Allerdings - und das ist die schlechte Nachricht - hat dies kaum abschreckende Wirkung. Überall und immer wieder wird im Job beschönigt, übertrieben, gelogen und betrogen.

  • Bewerber geloben, dass sie die besten Kandidaten sind und die beste Leistung und größte Motivation mitbringen. Doch kaum haben sie den Job sicher, schieben sie allenfalls Dienst nach Vorschrift und mogeln sich irgendwie durch.
  • Umgekehrt versprechen Personaler das Blaue vom Himmel herunter, locken talentierte Nachwuchskräfte mit großen Worten von Aufstiegsmöglichkeiten, überdurchschnittlicher Bezahlung, einem modernen Arbeitsumfeld und gleichermaßen freundlichen und engagierten Kollegen. Doch in der Praxis entpuppt sich der Wortschwall als heiße Luft: Was der Chef sagt, ist Gesetz; Querdenker bekommen Maulkörbe und die Bezahlung hält mit den Anforderungen nicht mal theoretisch mit.
  • Überdies denken die Führungskräfte nicht mal im Traum daran, Mitarbeiter zu entwickeln und zu fördern. Dafür sind sie im Fordern tatsächlich Spitzenkräfte.

Klar, für die eigene Motivation ist das Gift pur.

Typische leere Versprechungen im Job

Typische leere Versprechungen im JobVermutlich jeder hat schon einmal die eine oder andere leere Versprechung im Job zu hören bekommen und sich anschließend über die Dreistigkeit aber auch die eigene Leichtgläubigkeit geärgert. Im Nachhinein sind wir alle bekanntlich klüger.

Allerdings gibt es auch einige typische leeren Versprechungen, die sich bereits frühzeitig erkennen und entlarven lassen. Bei den folgenden Sätzen sollten Sie aufmerksam werden und in jedem Fall nachhaken - kann stimmen, ist aber (leider) oft nur Blabla:

  • Mitarbeiter genießen bei uns viele Freiheiten, und wir schätzen die selbstständige Umsetzung neuer Ideen.
  • Unser Unternehmen bietet viele Aufstiegschancen, und wir sind sehr an der internen Weiterbildung unserer Mitarbeiter interessiert.
  • Sollten Sie Probleme haben, können Sie gerne zu mir kommen, damit ich mich darum kümmern kann.
  • Wenn du auch mal die Schicht wechseln musst, mache ich es wieder gut.
  • Flexible Urlaubsplanung ist kein Problem, das geht eigentlich immer.
  • Wir arbeiten schon länger an einer Möglichkeit, flexiblere Arbeitszeiten umzusetzen.
  • Ein spannendes Aufgabenfeld, das Herausforderungen bietet...

Leerstück: Versprechen Sie nie mehr, als Sie halten können

Natürlich gilt das Gesagte zuerst und vor allem für einen selbst. In einem meiner Lieblingsfilme – Falling down (siehe Video unten) – geht Michael Douglas in die Filiale einer amerikanischen Boulettenbraterkette und bestellt ein Frühstück. Leider ist es gerade ein paar Minuten nach Halbzwölf und Frühstück gibt es nur bis 11.30 Uhr. Die Strategie des Filialleiters ist Nulltoleranz: Frühstück gibt's nicht mehr, Douglas muss ein normales Menü bestellen. Darüber klinkt der nur leider ziemlich aus und nimmt die gesamte Fast-Food-Filiale samt Gästen mithilfe seiner Maschinenpistole als Geisel.

Die Szene, die daran anschließt, ist inzwischen legendär: Douglas bestellt nun einen Hamburger, packt ihn aus und vergleicht die Schnellnahrung mit dem Foto über dem Tresen: Das Brötchen in seiner Hand ist gar nicht kross und groß, sondern eingefallen und labberig; der Salat ist nicht knackig, sondern welk; das Fleisch nicht üppig und saftig, sondern mickrig und trocken. Also zeigt er auf die Reklame und fragt den Manager: "Kann mir jemand sagen, was mit diesem Bild nicht stimmt?"

Falsche Versprechungen: Produktenttäuschung ist das Schlimmste

Das Gefühl kennt jeder – und nicht nur in Schnellrestaurants: Produktenttäuschung. Es ist das schlimmste, was ein Unternehmen seinen Kunden antun kann. Die meisten Kunden haben dafür ebenfalls Nulltoleranz und kaufen nicht wieder.

In der Mikropolis eines Unternehmens funktioniert der Effekt allerdings genauso und ist daher für Laufbahnen nicht weniger gefährlich:

Versprechen Sie nie mehr, als Sie halten können!

Sie schüren mit derlei falschen Versprechungen nur unrealistische und äußerst schädliche Erwartungen. Beim ersten Mal wirkt die selbstverschuldete Enttäuschung vielleicht noch nicht so schlimm. Aber mit jedem weiteren Mal unterhöhlt sie das Vertrauen in Sie, und Sie mutieren zum Blender. Und das auch noch ohne jeden äußeren Zwang.

Bei allem Verständnis für Selbstvermarktungs-Tamtam, Aufmerksamkeitsdefizite und Geltungsbedürfnisse: Stapeln Sie lieber tief.

Unterschätzt zu werden, hat mindestens ebenso viele Vorteile im Job – und sei es nur, Geschäftspartner, Kollegen und Chefs hinterher überraschen können: positiv.

Leere Versprechungen im Job: Wie können Sie reagieren?

Leere Versprechungen im Job: Wie können Sie reagieren?Stellen Sie jedoch fest, dass Versprechungen Ihnen gegenüber nicht eingehalten wurden, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren.

Natürlich könnten Sie sich nur ärgern und die Dinge anschließend auf sich beruhen lassen. In einigen Fällen ist dies vielleicht sogar die beste Alternative, etwa wenn ein Kollege einfach nur vergessen hat, dass er Ihnen etwas versprochen hat und es sich um eine einmalige Situation handelt.

Entwickeln sich die leeren Versprechungen aber zu einem regelrechten System aus Lügen und hohlen Phrasen und haben die leeren Worte größere Auswirkungen, sollten Sie etwas mehr unternehmen.

Wurden Sie zum Beispiel unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu einem Arbeitgeber gelockt, könnten sogar rechtliche Schritte eine Möglichkeit sein (Das ist allerdings eher die Ausnahme als die Regel).

Macht indes der Chef oder ein Kollege im Arbeitsalltag regelmäßig leere Versprechungen, bleiben Ihnen diese Optionen:

  1. Sprechen Sie das Thema unter vier Augen an.

    Gehen Sie zu der Person, die das leere Versprechen abgegeben hat und fragen Sie ganz direkt nach. Immer erst fragen, nie sofort beschuldigen! Sie kennen die Hintergründe ja noch nicht. Auf diese Weise können Sie vielleicht herausfinden, warum den Worten keine Taten folgten oder ob tatsächlich (böse) Absicht hinter der Aktion stand. Auch wenn Sie verärgert sind, bringt es mehr, in Ruhe das klärende Gespräch zu suchen.

  2. Halten Sie wichtige Versprechen schriftlich fest.

    Haben Sie bereits öfter mitbekommen, dass Versprechungen nicht eingehalten wurden, können Sie für die Zukunft daraus lernen und von nun an wichtige Zusagen schriftlich festhalten - zur Not auch per E-Mail. So haben Sie später tatsächlich etwas in der Hand, auf das Sie sich im Zweifelsfall berufen können. Natürlich muss dabei nicht gleich ein Vertrag geschlossen werden, eine kurze Zusammenfassung der Abmachungen kann schon ausreichen.

  3. Ziehen Sie Ihre Konsequenzen.

    Systematisch eingesetzt sind leere Versprechungen eine grobe Täuschung oder gar Betrug. Sie zeigen fehlende Aufrichtigkeit und einen Mangel an Respekt Ihnen gegenüber. Ein Verhalten, dass Sie sich nicht gefallen lassen sollten. Besteht Ihr Job nur noch aus aneinandergereihten leeren Versprechungen, sollten Sie sich selbst den Gefallen tun und über einen Jobwechsel nachdenken. Der Schritt fällt zwar vielen schwer. Je länger Sie aber in einem frustrierenden Arbeitsverhältnis bleiben, desto stärker leiden Sie selbst unter der Situation. Und das ist es nicht wert.

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