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2 von Jochen Mai am 24. Februar 2010 → Artikel in Büro
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Lehrstunde – Keine Führung ohne Niederlage

Zugegeben, der Film “The Core” entstand nicht gerade in einer der Sternstunden Hollywoods, aber er enthält eine denkwürdige Szene, über die es sich nachzudenken lohnt. In der besagten Einstellung unterhalten sich der erfahrener NASA-Pilot Robert Iverson (gespielt von Bruce Greenwood, hier nicht zu sehen) und seine junge, äußerst ehrgeizige Co-Pilotin Rebecca Childs (gespielt von Hilary Swank, rechts) über die neue Mission, die Childs unbedingt befehligen will. Doch Iverson ist anderer Meinung:

RI: “Sie können üben, solange Sie wollen. Das macht Sie noch lange nicht zum Commander…”

RC: “…woran Sie mich ständig erinnern.”

RI: “Wissen Sie, ich bezweifle ja, dass Sie darauf hören werden, aber ich versuch’s trotzdem: Bei der Führung geht es nicht um Fähigkeiten, sondern vielmehr um Verantwortung.”

RC: [ironisch] “Verstanden, Sir.”

RI: “Nein, haben Sie nicht, Major! Man ist nicht nur verantwortlich für die richtigen Entscheidungen, sondern auch für die schlechten. Das gehört nun mal zum Geschäft. Man muss bereit sein, beschissene Entscheidungen zu treffen.”

RC: “Wie kommen Sie darauf, dass es bei mir anders sein könnte?”

RI: “Weil Sie so gut sind. Ihnen ist noch nichts begegnet, womit Sie nicht fertig geworden sind. [...] Es ist so, dass Sie ans Siegen gewöhnt sind. Und man kann erst dann wirklich führen, wenn man mal verloren hat.”

Ein interessanter Gedanke. Ist gute Führung tatsächlich abhängig von Niederlagen? Und wenn ja, was macht diese in dem Fall so wertvoll?

Mein These: Niederlagen sorgen dafür, dass Führungskräfte demütig werden vor dem Scheitern. Und verständnisvoller gegenüber der Imperfektion der Menschen im Allgemeinen und ihren Mitarbeitern im Besonderen. Und überdies wissen sie, dass es auch nach einer Fehlentscheidung weitergeht, was sie wiederum risikofreudiger macht. Wer dagegen (aus Gewohnheit) immer nur perfekt sein will, trifft gnadenlose oder kaum noch riskante Entscheidungen.

Aber das ist, wie gesagt, nur eine These. Jetzt würde mich interessieren: Wie sehen Sie das?

[gefunden bei Mensch&Chance]

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1. Kommentar

Christian Stottmeister
25.02.10 um 11:40 Uhr

Das sehe ich genau so. Zum Führen gehört die Erfahrung des Scheiterns. Man lernt sowohl aus erfolgreich verlaufenen als auch aus gescheiterten Projekten – aus diesen vielleicht sogar mehr.

Interessant ist dieses Filmzitat unter anderem deshalb, weil ich Piloten zu Archetypen von Projektmanagern zähle. Sie müssen ggf. riskante Entscheidungen unter Hochlastszenarien treffen können. Andererseits könnte man anmerken, dass Piloten i.d.R. keine Projekte durchführen, sondern stattdessen hochgradig vereinheitlichte und trainierte Prozesse durchlaufen. Dennoch halte ich die Entscheidungsfähigkeit dieser Berufsgruppe für außerordentlich ausgeprägt. Das gilt meines Erachtens auch für Ihren Mut zum Scheitern.

2. Kommentar

S. Bauer
26.02.10 um 12:15 Uhr

Mir fällt hier eine interessante Parallele auf. Das hier ist ein Thema, was auch immer wieder bei Fondsmanagern im Finanzinvestmentbereich auftritt.

Die besten Fondsmanager sind die, die schonmal eine ordentliche Stange Geld verloren haben. Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. (Leider haben solche Leute es in dieser Branche schwer, wieder einen Job zu kriegen, das ist aber ein anderes Thema).

Alle Jahre wieder kommt am Finanzmarkt irgendein neues, angeblich revolutionäres Konzept hoch, was angeblich den “heiligen Gral” gefunden haben soll. IOS, Hedgefonds, ITCM und wie sie noch alle heissen. Meist werden diese Dinger von Leuten geführt, die noch keine Niederlage am Finanzmarkt erlebt hatten, und die nur steigende Kurse kennen. Der Effekt ist nur, daß mit zunehmendem Erfolg immer größere, waghalsigere Risiken eingegangen werden (-> hier: “gnadenlose Entscheidungen”), solange bis mit einer ungünstigen Marktentwicklung alles zusammenkracht. Jeder der nicht die letzten Jahre als Einsiedler verbracht hat sollte das live miterlebt haben.

Das Gegenteil davon ist ein ultrakonservativer Geldmanager, der aus Angst jeden Verlust vermeiden will (-> hier “kaum noch riskante Entscheidungen”). So jemand hält natürlich das Geld zusammen, vergibt sich aber jegliche Chancen.

Der beste Fondsmanager ist der, der genau weiß wie riskant das Geschäft ist und was alles schief gehen kann, aber auch was für *realistische* Chancen es bietet. Nur sind solche Leute extrem rar, und agieren meist diskret unauffällig im Hintergrund.

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