Passion-Leidenschaft-Erfolg
Wir Menschen werden von Euphorie und Hingabe enorm angezogen, wir bewundern sie regelrecht. Mag der Held im Epos am Ende auch untergehen - er stand für seine Sache ein und brannte dafür. Leider manchmal sogar buchstäblich. Doch wofür wir ihm Respekt zollen, ist eine Eigenschaft, die alle Erfolgreichen eint: Leidenschaft für die eine Sache. Leidenschaft lässt uns durchhalten, wenn Rückschläge oder Kritiker kommen; Leidenschaft überdauert kurzfristige Begeisterung; sie lässt unsere Augen funkeln, wenn wir von unseren Ideen oder Erfolgen erzählen und die Passion steckt Menschen an, die es sehen und hören. Oft gibt Leidenschaft den entscheidenden Ausschlag, ob wir auf Fortune oder Fiasko zusteuern...

Leidenschaft: Der Wille zum Erfolg

Andrii IURLOV/123rfVince Lombardi war ein strenger Mann. Seinen ersten Job als Football-Coach bekam er ausgerechnet an der US-Militär-Akademie in West Point. Lombardi galt als autoritär, perfektionistisch aber enorm anpassungsfähig. Zu seinen Stärken gehörte es, die Taktiken und Strategien der gegnerischen Mannschaften zu erkennen und diese den Fähigkeiten seiner Spieler anzupassen und so gut ausbalancierte Teams zusammenzustellen.

Entsprechend steil verlief seine Karriere: Er wechselte bald in die National Football League (NFL) und gewann mit den Green Bay Packers 1961, 1962 und 1965 überlegen die NFL-Meisterschaft, 1966 und 1967 folgten zwei weitere NFL-Titel, gefolgt von mehreren Super-Bowl-Siegen.

Lombardi, der an Rot-Grün-Blindheit litt, gilt seitdem als Trainerlegende. Anspruchsvoll und streng zwar aber auch als einer, der von seinen Spielern stets Selbstständigkeit forderte. Von ihm stammt auch das bemerkenswerte Bonmot:

Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und all den anderen ist nicht der Mangel an Stärke, Talent oder Wissen. Es ist der fehlende Wille.

Man könnte dies auch mit Leidenschaft übersetzen. Im Fußball würde man wohl sagen: So jemand hat den Zug zum Tor. Solche Spieler wollen Tore schießen, die Bude knipsen. Unbedingt. Komme was wolle. Koste es, was es wolle.

Auch Lombardi hatte im Lauf seiner Karriere festgestellt, dass seine besten und erfolgreichsten Athleten diese Eigenschaft besaßen. Diese Leidenschaft taucht aber nicht nur im Sport auf, sondern überall. Und wenn man sich ein paar Erfolgstypen der Geschichte genauer ansieht, stellt man bald fest, dass sie gar nicht mal so sehr zu den Überfliegern ihres Jahrgangs in Schulen oder Universitäten zählten, dass sie besonders talentiert gewesen wären oder mehr wussten als andere. Gar nicht. Aber sie wollten ihre Ziele erreichen. Unbedingt. Aus ganzem Herzen...

Beispiele? Bitteschön:

  • Bill Gates

    Ein College-Abbrecher, der unbedingt seine Idee von Microsoft verwirklichen wollte. Klar, sein Computerwissen war enorm, aber von Betriebswirtschaft hatte er keine Ahnung. Trotzdem hat er sich durchgesetzt und es zwischenzeitlich zum reichsten Mann der Welt gebracht.

  • Richard Branson

    In der Mittelschule hatte er große Probleme wegen seiner Legasthenie. Seine Schülerzeitung setzte er glorreich in den Sand - trotz prominenter Unterstützer wie John le Carré oder Jean-Paul Sartre. Und die Schule verließ er ohne Abschluss. Dennoch gründete er ein Jahr danach schon sein Unternehmen Virgin und gilt heute als unternehmerisches Multitalent mit einem geschätzten Vermögen von vier Milliarden US-Dollar.

  • Joachim Schoss

    Als Mitbegründer des Internet-Portals Scout24 und CEO und Miteigner der Beisheim Holding Schweiz war der damals 39-Jährige extrem erfolgreich. Doch dann kam das Jahr 2002 - und mit ihm ein schwerer Motorradunfall in Südafrika bei dem Schoss ein Bein und einen Arm verlor. Bald darauf ging auch noch seine Ehe in die Brüche, und unternehmerisch wurde er ebenfalls entmachtet. Obwohl er körperlich beschädigt war, gab er nicht auf, im Gegenteil: Er gründete wieder - diesmal die Stiftung My Handicap. Eine Online-Plattform, auf der sich Menschen mit Behinderung informieren, austauschen und Kontakte knüpfen können und in die er einen Großteil seines Vermögens steckte - jedes Jahr mehr als eine Million Euro. Inzwischen sagt er: "Viele haben einfach nicht die Willenskraft, um die jeweilige Katastrophe zu verarbeiten. Der Sinn des Lebens kann nicht sein, dass es uns 80 Jahre am Stück gut geht, sondern dass wir uns weiterentwickeln. Und man entwickelt sich eben am schnellsten, wenn es am meisten wehtut."

Auch Ihnen fallen sicher noch zahlreiche weitere Beispiele ein: Sportler, Gründer, Manager, Kollegen. Das Wesentliche an ihnen aber ist, dass sie sich allesamt ein (langfristiges) Ziel setzten und setzen, dem sie sich mit Haut und Haaren verschreiben. Kurz: Sie arbeiten leidenschaftlich und sind dabei enorm fokussiert.

Der Begriff Volition wird dabei oft synonym gebraucht. So jemand verbeißt sich regelrecht in sein Projekt, seine Aufgabe, sein Ziel und lässt erst wieder locker, wenn eben dieses Ziel erreicht ist und sich der gewünschte Erfolg einstellt. Terrier-Qualitäten eben.

"Ich wette, dass es keinen einzigen Erfolgsmenschen gibt, der diese Eigenschaft nicht besitzt", sagt etwa die Psychologin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania, die eine der Koryphäen auf diesem Gebiet ist. "Niemand ist so talentiert, dass er nicht für seinen Erfolg kämpfen muss – und Leidenschaft hilft enorm dabei."

Passion impossible? Das Leben ist kein Ponyhof

JWM/MorguefileDas Gegenteil davon lässt sich allerdings auch häufig beobachten. Eigentlich sogar häufiger, was den Erfolg selbst ja auch zu einem so begehrten (weil seltenen) Ziel macht: Menschen schmieden große Pläne, beginnen etwas, führen es aber dann doch nicht zu Ende und geben auf...

  • Weil sie sich von anderen, vermeintlich leichteren Zielen ablenken lassen.
  • Weil es Widerstände gibt. Zweifel. Oder schlicht...
  • Weil es ihnen zu lange dauert und zu anstrengend ist.

Kann sein. Doch auf halbem Weg findet man das nie heraus. Davon abgesehen ist schon die Frage falsch gestellt. Viel besser ist, herausfinden zu wollen, ob man es eben doch schafft.

Mein Onkel schrieb mir in den Siebzigerjahren einst eine Karte, die ich bis heute besitze, weil ich die Worte nie vergessen habe. Auf der stand das Gedicht von R. Halm, das damals vermutlich auch in vielen Poesiealben zu finden war:

Ich will! Dies Wort ist mächtig,
spricht`s einer ernst und still.
Die Sterne reisst vom Himmel,
das kleine Wort: Ich will!

33 Fragen, mit denen Sie Ihre Leidenschaft erkennen

Bevor Sie Ihren Leidenschaften folgen, müssen Sie diese natürlich erst einmal kennen. Und das ist leichter geschrieben als getan. Zwar spüren viele Menschen, dass sie mit ihrem aktuellen Weg nicht glücklich sind, können jedoch keine Alternativen benennen. Sie kennen ihre wahre Leidenschaft nicht und haben sich vermutlich auch nie ernsthaft damit beschäftigt.

Die folgenden Fragen sollen dabei helfen, verborgene Leidenschaften zu erkennen und den individuell passenden Weg zu finden. Natürlich benötigen Sie dafür ein gesundes Maß an Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich auch von eingefahrenen Denkmustern zu lösen:

  • Welche Themen und Fragen faszinieren und interessieren Sie seit Jahren?
  • In welche Themen können Sie sich stundenlang vertiefen?
  • Gibt es Fragen, die Sie sich immer wieder mit Begeisterung stellen?
  • Bei welchen Aufgaben scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen?
  • Welche Aufgaben wünschen Sie sich herbei, wenn Ihnen langweilig ist?
  • Gibt es Jobs und Aufgaben, von denen Sie immer wieder träumen?
  • Welche Arbeiten gelingen Ihnen besonders gut?
  • Gibt es Aufgaben, die Ihnen wie von selbst von der Hand gehen?
  • Über welche Themen können Sie voller Begeisterung sprechen?
  • Gibt es Themen, die Ihre Freunde und Familie schon nicht mehr hören können, weil Sie ständig davon sprechen?
  • Wie sieht Ihr idealer Job und Arbeitsplatz aus?
  • Auf welche Ihrer Fähigkeiten - nicht nur im Arbeitskontext - sind Sie stolz?
  • Welche Arbeiten und Themen erfüllen Sie mit Freude?
  • Welche beruflichen Alternativen haben Sie sich immer wieder überlegt?
  • Welche Tätigkeiten und Aufgaben üben Sie zwar aktuell nicht aus, können Sie sich jedoch hervorragend und plastisch vorstellen?
  • Was würden Sie tun, wenn Ihre finanzielle Grundlage gesichert wäre?
  • Welcher Aufgabe würden Sie nachgehen, wenn Sie nicht davon leben müssten?
  • Welche Werte und Themen sind Ihnen in Ihrem Leben besonders wichtig?
  • Welche Eigenschaften und Fähigkeiten schätzen Ihre Freunde an Ihnen?
  • Gibt es Arbeiten, die Sie gerne auch noch in 20 oder 30 Jahren ausüben würden?
  • Mit welchen Themen befassen Sie sich in Ihrem Urlaub und in Ihrer Freizeit?
  • Bei welchen Aufgaben fühlen Sie sich so richtig wohl?
  • Welche Arbeiten vermitteln Ihnen das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun?
  • Für welche Projekte investieren Sie gerne Überstunden und Mehrarbeit?
  • Gibt es Aufgaben, die Sie gerne und freiwillig übernehmen?
  • Können Sie spontan Lieblingsthemen und Interessensgebiete nennen?
  • Mit welchen Aktivitäten sorgen Sie für Ausgleich zu Ihrem Job?
  • Welche Dienstleistungen würden Sie als Freiberufler anbieten?
  • Wie sieht oder sähe Ihr idealer Kunde aus?
  • Wie sieht oder sähe Ihr ideales Projekt aus?
  • Für welche Themen wollen Sie andere Menschen begeistern?
  • Für welche Themen stehen Sie voller Überzeugung ein?
  • Bei welchen Themen werden Sie emotional und enthusiastisch?

Wie Sie Leidenschaft in anderen wecken

Leidenschaft in anderen Menschen (neu) zu entfachen, ist nicht nur eine edle Aufgabe – es ist die Managementaufgabe schlechthin. Ebenso wollen das alle, die einen sogenannten Impulsvortrag halten. Denn andere anszupornen, das Beste aus sich herauszuholen, gibt nicht nur tiefe Befriedigung und macht Spaß – es spornt auch selber an. Leichter wird es deshalb zwar nicht. Aber es gibt ein paar gute Anhaltspunkte, was Menschen im Job nachhaltig begeistert und ihre Leidenschaft weckt:

  1. Sinn. Das Gefühl, nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe zu sein, lähmt auf Dauer jeden Arbeitseifer. Jeder Mensch will wissen, dass seine Arbeit Mehrwert schafft, dass sie wichtig und unverzichtbar ist. Wer seinen Mitarbeitern genau das vermittelt, weckt ihren Elan aufs Neue.
  2. Teamarbeit Das ist zwar ein inzwischen überstrapazierter und leider viel zu oft missbrauchter Begriff. Aber er trifft die Sache auf den Kopf: Menschen sind soziale Wesen, und Unternehmen sind soziale Organisationen. Auch wenn man eine zeitlang für sich wurschtelt – Kooperation, Zusammenarbeit sowie Anerkennung und Ermutigung durch andere, kurz Teamgeist ist das, was wir im Job neben einer sinnvollen Arbeit vor allem suchen. Wer es findet, leistet gerne mehr.
  3. Fairness. Apropos Teamgeist: Das schließt mit ein, dass sämtliche Gratifikationen – Gehalt, Prämien, Lob – transparent, nachvollziehbar und gerecht erfolgen. Nichts ist der Motivation für den Job abträglicher als Vetternwirtschaft oder ungerechte Bezahlung.
  4. Beachtung. Der Punkt hängt stark mit dem ersten zusammen, verdient aber eine besondere Erwähnung (oder besser gesagt: Beachtung). Geld ist der Mühe Lohn, aber es kompensiert niemals fehlende Anerkennung. Egal, was einer kreiert oder produziert – er möchte, dass das Kollegen und Kunden registrieren, vor allem wenn es gut war. Lob ist eine Form von Beachtung, eine besonders positive. Aber auch sachliche und faire Kritik gehört dazu. Und gerade bei Leistungsträgern kann man gar nicht genug Brimborium um ihre Verdienste machen. So werden sie gar zum Vorbild und Ansporn für andere.
  5. Wachstum. Das geflügelte Wort vom lebenslangen Lernen klingt stets appellativ, dabei ist es unser ureigenes Interesse: Wir wollen uns weiterentwickeln, im Job wachsen, uns mehr Verantwortung und Gestaltungsspielräume erarbeiten. Aber nur wo Menschen das auch können, gedeiht Leidenschaft. Gläserne Decken und fehlende Entwicklung durch Vorgesetzte oder geschulte Dienstleister sind Motivationskiller – und nicht selten ein wesentlicher Grund, den Job zu wechseln.
  6. Autonmie. Für die meisten Unternehmer war es der Hauptwunsch, sich selbstständig zu machen: Sie wollten unabhängiger werden, in ihren Entscheidungen, in ihrem Schaffen und ihrem Arbeitsalltag. Angestellte wollen das auch. Und tatsächlich sind Freiheit und Selbstbestimmung enorm große Antriebskräfte. Wo immer Sie können: Zeigen Sie Menschen, wie sie unabhängiger werden – und Sie werden ihre Leidenschaft wecken.

Trotz Leidenschaft: Erfolg braucht etwas Spielerisches

pio3/ShutterstockTrotz aller Leidenschaft für Ihr Ding, sollten Sie dabei nie verbissen wirken. Egal, wie viel Plackerei, egal wie viele Erfahrungen und Misserfolge letztlich dahinter stecken, wie hart Sie dafür arbeiten mussten: Es sollte ein Geheimnis bleiben.

Was einer auch macht – je schwerer es ist, desto leichter muss es aussehen. Das ist eine eherne Regel des Erfolgs.

Die Menschen sehen am Ende sowieso immer nur den Erfolg, reagieren darauf entweder mit Bewunderung oder mit Neid. Aber sie sehen nie die Arbeit, die Entbehrungen, die dahinter standen. Die blenden wir alle gerne aus.

  • Wir vergöttern das Sangestrio, das aus dem Stegreif eine mehrstimmige Motette trällert.
  • Wir lieben Magier, die uns mit Kunststücken verzaubern. Wenn sie zudem noch anmutig präsentiert werden, verzehnfacht das unsere Bewunderung.

Aber all diese Illusionisten sollen doch bitteschön dabei nicht schwitzen oder uns gar hernach erzählen, wie viele Stunden hartes Training dafür nötig waren. Instinktiv sinkt dann sofort unsere Achtung. Denn nun wissen wir: Jeder, der ebenso viel übt, übt, übt, kann dasselbe erreichen. Wie ordinär!

Jeder, wirklich jeder, der erfolgreich im Rampenlicht agiert, hat sich gründlich vorbereitet, ehe er die Bühne betritt. Vor dem Ruhm steht immer der Schweiß. Wer etwas anderes behauptet, macht es richtig – lügt aber.

Seine Mühen muss man für sich behalten, egal wie groß die Versuchung ist, egal wie sehr es der Eitelkeit schmeicheln würde, wenn andere unsere Cleverness beklatschen. Je mehr einer über zu wenig Zeit, zu viel Arbeit und über sein Opfer stöhnt, desto uninteressanter macht er sich. Er ist dann eben doch nichts weiter als ein armer Sterblicher.

Wer dagegen seine Leidenschaft zeigt, aber die Mühen, die zwangsläufig folgen, verschweigt, der erzeugt etwas, das größer ist als Menschenwerk.

Im Buch vom Hofmann, das Baldassare Castiglione 1528 veröffentlichte, beschrieb er die höchst elaborierten Manieren des perfekten Höflings. Der müsse, so Castiglione, alles mit Sprezzatura ausführen, mit Leichtigkeit und Lässigkeit.

Warum?

Weil es Ehrfurcht auslöst: Man ist scheinbar der einzige, der dieses Kunststück fertig bringt. Es macht einen einzigartig. Und das verleiht großen Einfluss. Außerdem wäre es auch schön blöd, seine Kniffe und Schliche zu enthüllen: Solche Informationen geben anderen nur Werkzeuge an die Hand, die sie später gegen einen verwenden können.

Pflegen Sie Ihre Passion, wecken Sie Ihre Leidenschaft, geben Sie sich richtig Mühe. Doch jeder Erfolg, der sich dabei einstellt, sollte stets etwas Spielerisches behalten.

[Bildnachweis: pogonici, pio3 by Shutterstock.com; Andrii Iurlov by 123rf.com]