Schon immer waren Menschen nicht mit dem zufrieden, was ihnen die Natur an Talenten in die Wiege legte. Das ging bei der körperlichen Attraktivität los und bei den geistigen Fähigkeiten weiter. Friedrich Schiller zum Beispiel nutzte gerne nasales Doping und stellte sich einen fauligen Apfel auf sein Schreibpult, weil er glaubte, besser schreiben zu können, wenn es nach Apfel roch. Von Honoré de Balzac geht die Legende, dass er seine bis zu 17 Stunden währenden Arbeitstage nur mithilfe ernormer Kaffee-Mengen überstehen konnte. Und vom Schriftsteller Robert Menasse ist, wie ich heute der ZEIT entnahm, wiederum bekannt, dass er beim Schreiben Unmengen Petersilie knabbert, weshalb seine Erzeugnisse eigentlich nichts weiter seien, als “Stoffwechselprodukte von exzessivem Petersilienkonsum”. Soweit, so harmlos.
Es gibt da aber noch eine andere Seite: Rund 800.000 Erwerbstätige nehmen regelmäßig Dopingmittel, um den steigenden Leistungsdruck und Stress im Büro zu bewältigen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Krankenversicherung DAK (pdf), die dafür rund 3000 Arbeitnehmer im Alter von 20 bis 50 Jahren befragte. Danach nehmen 40 Prozent der Doper die Medikamente sogar täglich, zumindest aber mehrmals wöchentlich ein. Jeder Fünfte bezieht die Pillen über Kollegen, Freunde und die Familie. Über zehn Prozent bekommen den Stoff aber auch aus dem Versandhandel und dem Internet. Jeder 20. Arbeitnehmer bestätigte, sich schon einmal mit den Treibstoffen vom Typ Ritalin oder Modafinil aufgeputscht oder Konzentrationsmängel ausgeglichen zu haben. Ein ähnliches Bild ergab sich kürzlich hier im Blog als ich eine Umfrage machte, ob sich die Leser hier schon einmal im Büro gedopt haben: Auch wenn das Ergebnis nicht repräsentativ ist – 18 Prozent gaben zu, schon einmal zu Stimmungsaufhellern gegriffen zu haben.
Ich will das an dieser Stelle weder moralisch noch gesellschaftlich bewerten, was man natürlich könnte, weil derartiges Pillendoping irgendwie unfair und unehrlich ist und andererseits viel über den herrschenden Leistungsdruck aussagt und die Unmenschlichkeit des Systems, das Menschen dazu bringt, Drogen zu nehmen, um wenigstens die Illusion zu erschaffen, noch mithalten zu können. Mach ich aber nicht. Stattdessen würde ich mich gerne auf den ersten Absatz dieses Artikels konzentrieren und Sie fragen, wie Sie sich – mit natürlichen Mitteln! – über gelegentliche Stimmungs- und Leistungstiefs hinweg helfen. Aber bitte nur Legales. Die Kommentare sollen inspirieren, nicht kriminialisieren.



Christian
Wir haben einen Italiener um die Ecke, bei dem gibt es super Kaffee und Kekse. Zwar kann ich den Kaffee und die Kekse auch im Büro haben, aber der kurze Weg, die frische Luft, der belanglose Plausch mit den Bedienungen, dass macht meinen Kopf frei und danach geht es wieder.
Privat hilft mir Sport, Schokolade oder einfach gut essen gehen.
Mone
Also mir reicht ab und zu mal ein toller Latte Macchiato oder ein heißer Schokopudding gegen das Stimmungstief, alternativ auch die Lieblingsmusik. Um das Leistungstief zu bekämpfen, schalte ich mal für 5-10 Minuten ganz ab. Augen zu und Entspannungsmusik in die Ohren. Oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft. Das hilft meistens.
Lichtmalerin
Allein die Vorstellung banalsten Alltags, beispielsweise solchen gedopten Menschen im Straßenverkehr zu begegnen (mit allen Risiken), Auseinandersetzungen mit ihnen zu führen (Diskussionsfähigkeit versus Selbstüberschätzung), sie wichtige Dinge entscheiden zu lassen (Banken …) ist Gruselszenario genug.
“Doping” geht auch anders und weitaus verträglicher: Mit kleinen Glücksmomenten im Alltag. Mit inneren und äußeren Bildern im Kopf. Mit schönen Augenblicken, mit Liebe, mit Lächeln … und da könnte ich noch ganz vieles aufzählen. Die “Verbalblumen” in meinem Blog gehören dazu, die so unverhofft verschenkt (und angenommen und anschließend weitergeschenkt in Form eines gutgelaunten Lächelns für den restlichen Tag) wurden.
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calceola
Da ich das Glück habe Homeoffice zu machen, schaue ich dann einfach kurz nach meinen Kindern. Zu sehen wie die im vollkommenen Zen ihrer Arbeit (spielen) nachgehen bringt mich wieder auf den rechten Pfad.
Im Büro gehen wir dann gemeinsam raus und gehen ins nahegelegene Schokomuseum – allein der Anblick der Kuchentheke hilft.
Daniela
Bei mir ist das Leistungsstief vor allem nach dem Mittag – dann hilft tatsächlich der obligatorische Kaffee und ein kleines Schoko Brioche von unserem französischen Bäcker um die Ecke… mhm lecker :-)
bigfoot
Ich “dope” mich eig. nur mit einem: Frischluft. Also einfach draußen eine Kurze Pause machen, das kann Wunder bewirken!
Kaffe macht mich eher müde als wach…
Jochen Mai
Also bei mir sind es Bewegung, Frischluft, Espresso. Oder eine Muse… Nein, nicht das. Ich meine ein amüsantes Telefonat, eine nette Mail, so was.
Cathrin
Nach einem grauenvollen Arbeitstag kann ich mich am besten beim Sport abreagieren. Wenn mich während der Arbeitszeit der Katzenjammer packt, hilft nur eine Latte Macchiato und was Süßes. Wie gut, dass bald die Vorweihnachtszeit mit leckeren Lebkuchen, Plätzchen etc. beginnt!
Silke
Für den trägen Kopf: Kaugummis kauen.
Gegen die schlechte Laune: Lakritz lutschen.
Bjoern
So ein Schockoriegel wirkt bei mir schon mal Wunder.
Tom
Mein Allheilmittel: Schokolade in allen Variationen.
A.M.
Auch bei mir ist es der Latte Macchiato und ein schönes Sandwich und dann was Süßes. Zu jeder Zeit. Ein Genuss!
Ein Arbeitskollege masturbiert oft. Scheint auch zu helfen.