Es ist eine Situation, wie sie in diesen Tagen wohl häufiger vorkommt: Man leistet in seinem Job deutlich mehr als im Arbeitsvertrag steht, mehr als offiziell gefordert wird – und was vielleicht noch wichtiger ist: mehr als bezahlt wird. Für die Betroffenen kann das schnell frustrierend werden. Sie fühlen sich ausgebeutet, gering geschätzt, womöglich sogar ausgelaugt, ausgebrannt. Was tut man in einer solchen Situation?

Zunächst einmal: nicht jammern. Jammerer wirken weder souvrän, noch eröffnen sie sich mit diesem Verhalten irgendwelche Verhandlungsoptionen. Sehen Sie es auch von der Warte: Sie sind offenbar ein Leistungsträger. Sie sind nicht nur bereit, mehr zu leisten, als man von Ihnen erwartet – Sie beweisen auch tagtäglich, dass Sie mehr können, als man laut Arbeitsvertrag eingekauft hat. Durch Ihre vielen Jobs entwickeln Sie nicht nur mehr und neue Fähigkeiten, Sie werden auch ein Stück unentbehrlicher für Ihren Arbeitgeber. Und das ist in diesen Tagen sicher kein Nachteil.

Das im Hinterkopf ist es natürlich nicht richtig, dass man Ihr Wissen und Können dauerhaft und über Gebühr ausnutzt. Bevor Sie sich jetzt aber ein großes Verschwörungsszenario ausmalen: Womöglich weiß Ihr Chef gar nicht, was Sie alles leisten. Dummerweise neigen Chefs zu Arbeits-Alzheimer. Sie haben einen natürlichen Erinnerungsdefekt, welche Aufgaben sie vergeben und welche Erfolge Mitarbeiter dabei erzielt haben. Das Motto solcher Bosse: So lange es gut läuft und sich der Mitarbeiter bewährt, bekommt er mehr Arbeit. Schließlich muss man Eifer belohnen. So laden sich die Fleißigen am Ende mehr Verantwortung auf als sie bewältigen können – und scheitern. Zuerst schleichen sich Fehler ein, dann können Termine nicht mehr eingehalten werden, schließlich liefert man nur noch Mittelmaß ab, oder Schlimmeres. Der Chef wird das nicht akzeptieren – auch nicht, wenn bisher Spitzenleistungen erbracht wurden. Arbeits-Alzheimer… Sie erinnern sich?!

Deshalb ist es wichtig, das wahre Ausmaß seines Tuns immer wieder in Erinnerung zu bringen. Sie können dies auch Sich-in-Szene-setzen nennen, andere empfinden das vielleicht auch als prahlen. Dabei gibt es aber einen feinen Unterschied: Der Prahlhans will vor allem für Dinge gelobt werden, die er gar nicht in dem Ausmaß geleistet hat. Ihnen aber geht es darum, dass Ihre wahren Leistungen zumindest erkannt werden.

Der zweite Schritt (!) ist dann, mit Ihrem Boss nachzuverhalndeln. Sei es über mehr Gehalt oder aber über künftig weniger Aufgaben. Erstens kann auch er kein Interesse daran haben, dass seine Leistungsträger wie eine Supernova ausglühen. Zweitens ist es ein Zeichen von Professionalität, seine Arbeit organisieren und gegebenenfalls delegieren zu können – zumal am Anfang eines Projekts und nicht erst, wenn man kurz vor dem Scheitern steht. Idealerweise zeigt man dabei eine bereitwillige Ablehnungshaltung: „Gerne übernehme ich diese Aufgabe. Wegen Projekt X und Y kann ich dann aber nicht die Qualität liefern, die Sie und ich erwarten. Deshalb müssten wir klären, welches Projekt wir dafür verschieben.“

Die Botschaft wird ein weiser Chef würdigen. Sie selbst liefern derweil Spitzenleistung.