Leisure Sickness - das ist nichts Schlimmes, aber etwas Ärgerliches. Wenn wir kurz vor der Abreise in den Traumurlaub kränkeln oder im Hotel unter Palmen flachliegen. Betroffen sind vor allem Menschen, die kaum noch abschalten können. Gibt es Leisure Sickness wirklich oder ist sie nur ein mediales Hirngespinst? Und wie kann man sie verhindern?

leisure sickness freizeitkrankheit symptome

Leisure Sickness Übersetzung: Was ist das?

Der Begriff Leisure Sickness hat sich erst vor einigen Jahren einen Platz im Fachvokabular erkämpft. Im Deutschen sagt man dazu auch Freizeitkrankheit. Der Terminus geht auf ein Phänomen zurück, welches der Niederländer A.J.J.M Vingerhoets 2002 erstmals wissenschaftlich untersucht hat.

Die Frage, die er sich damals stellte: Warum werden so viele Menschen ausgerechnet immer kurz vor ihrem Urlaubsantritt krank - oder mittendrin? Denn möglicherweise kennen Sie das ja auch: Der Schreibtisch ist geräumt, die letzten Mails geschrieben, die Vorfreude auf den Trip nach Mallorca steigt - und rumms, strecken einen üble Grippesymptome nieder. Das kann doch kein Zufall sein!

Offenbar sind sie das wirklich nicht. Die medizinische Erklärung lautet grob so: Während der Arbeit produziert der Körper Stresshormone, die uns funktionieren lassen. Fällt dann von einem Tag auf den anderen die Belastung ab, gerät auch der Hormonspiegel durcheinander. Der Körper reagiert verwirrt bis kränklich.

Leisure Sickness Häufigkeit: Wer ist betroffen?

Auch Heike Möller glaubt nicht daran, dass Leisure Sickness nur ein Hirngespinst ist. Die Professorin für Tourismusmanagement an der Internationalen Hochschule Bad Honnef (IUBH) hat kürzlich die erste deutsche Studie zu dem Thema durchgeführt.

Sie beruht auf einer repräsentativen Online-Befragung von 2.000 Personen. Demnach kennen 22 Prozent der Befragten Leisure Sickness aus eigener Erfahrung.

"Dies ist die erste deutsche Studie, die tatsächlich feststellt, wie viele Personen von dem Phänomen betroffen sind. Dass es jeder fünfte Deutsche ist, hätten wir nicht erwartet," so Möller. Auffällig: Das Phänomen ziehe sich quer durch alle Berufsgruppen. Nicht nur Führungskräfte werden freizeitkrank, auch Selbstständige, Freiberufler, Angestellte.

Auffällig sei aber, dass vor allem Menschen, die dazu neigen, unbezahlte Überstunden in Kauf zu nehmen, von Leisure Sickness betroffen sind. Menschen also mit ausgeprägtem bzw. übertriebenem, ungesundem Pflichtbewusstsein. Freizeitkranke schlafen außerdem schlechter.

Man erhöht demnach die Anfälligkeit für Leisure Sickness, wenn man regelmäßig...

  • die Arbeit "im Kopf" mit nach Hause nimmt
  • ständig erreichbar ist
  • nicht abschalten kann

Bei der Pilotstudie der Niederländer 2002 hatten nur rund drei Prozent der Befragten angegeben, unter Leisure Sickness zu leiden. Und das übrigens völlig unabhängig davon, ob es Männer oder Frauen waren, Verheiratete oder Singles. Auch Indikatoren wie Rauchen, Alkohol- oder Kaffekonsum scheinen keine Rolle zu spielen.

Leisure Sickness: Symptome

Laut niederländischer Studie macht sich Leisure Sickness vor allem durch diese Symptome bemerkbar:

Leisure Sickness: Wie beuge ich vor?

Der Übergang von der Arbeit zur Freizeit - an dieser Schnittstelle passiert es häufig. Zumal viele Arbeitnehmer nach dem Prinzip verfahren, im Hauruckverfahren die letzten Baustellen zu beseitigen, bevor der Urlaubsgong schlägt. Gerade noch im Vollsprint zum Drucker unterwegs, jetzt schon in der Hängematte - damit kommt der Körper oft nicht klar.

Sinnvoller wäre es daher, den Urlaub schrittweise einzuläuten. Beispiel: Sie fliegen nicht sofort am ersten Urlaubstag in die Karibik, sondern bleiben noch zwei, drei Tage zuhause, in denen Sie in aller Ruhe aufräumen, sortieren, erledigen. Tage also, in denen Sie das Betriebsystem ganz langsam herunterfahren.

Hier sind weitere Tipps von Youtube-Erklärer Johannes Wimmer:

6 Tipps gegen Leisure Sickness

  1. Perfektionismus

    Man dürfe keine Angst vor dem Unerledigten haben, da dies sonst zu Unzufriedenheit führe, rät Heike Möller von der IUBH. Vor allem müsse man die Ansprüche an sich selbst herunterschrauben. Perfektionismus ist ungesund - und kann Leisure Sickness verursachen. Darum sagt Möller auch: "Nicht vor dem Urlaub auspowern."


  2. Urlaub

    Für nicht wenige ist ihr Urlaub heilig, das Highlight des ganzen Jahres. Der falsche Ansatz! "Erwarten Sie nicht zu viel vom Urlaub", rät Möller. Der Terminkalender sollte während der Reise nicht voller sein als im Arbeitsalltag. Museumsbesuch, Strandtag, Wanderung, Massage, Streichelzoo, Sightseeing-Tour - das ist zu viel! Planen Sie so wenig wie möglich, sondern seien Sie so spontan wie möglich und gönnen Sie sich zeitlichen Freiraum. Mit anderen Worten: Räumen Sie der Entspannung Priorität ein.


  3. Smartphone

    Der DAK-Gesundheitsreport 2017 zeigt, das psychische Erkrankungen insbesondere bei Jugendlichen zunehmen. Auch der Medienkonsum und das Fear-of-missing-out-Syndrom könnten dabei eine Rolle spielen. Der Urlaub bietet die beste Gelegenheit für eine digitale Fastenkur. Ein guter Ratschlag daher: Lassen Sie das Smartphone länger mal aus!


  4. Pausen

    In den Pausen lädt der Körper seine Batterien auf. Das gilt nicht nur während der Arbeit. Möller rät: "Auch im Urlaub eine Pause machen!" Beispiel: Sie kommen nach einer langen Anreise hundemüde im Hotel an und wollen den ersten Abend schon voll auskosten. Stichwort: "Fear of missing out". Tun Sie's nicht! Gönnen Sie sich den Luxus, früh schlafen zu gehen, um am nächsten Tag fit aus dem Bett zu hüpfen.


  5. Zuhause

    Auch im Urlaub ist Stress gewissermaßen systemimmanent. Denn die Fahrt zum Gardasee und der Flug nach Malta sind unweigerlich mit Anstrengungen verbunden. Koffer packen, Anschlussflüge erwischen, einchecken, auschecken usw. - das alles lässt sich nicht vermeiden. Wer richtig entspannen will, macht Urlaub direkt vor der Haustür oder oben auf Balkonien. Das reduziert den Reisestress. Nach Neuseeland können Sie das nächste Mal immer noch fliegen...


  6. Mini-Urlaube

    Man könnte meinen, es laufe etwas grundsätzlich falsch im Leben, wenn der Kontrast zwischen Arbeitsalltag und Urlaub zu stark ist. Das ganze Jahr durchpowern für drei Wochen Auszeit - ist das wirklich ein guter Tausch? "Youtube-Arzt" Johannes Wimmer (siehe auch Video) empfiehlt daher, auch im Alltag Mini-Urlaube einzulegen. Zehn Minuten die Füße hochlegen, einen kleinen Spaziergang machen oder zwischendurch Musik hören - das senkt den Stresspegel.


[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]