Als ich in Köln studiert habe, hieß es unter den Kommilitonen immer: Lerne bloß nicht auf den letzten Drücker – das bringt nichts! Einen Tag vor der Prüfung könne man sowieso allenfalls Gelerntes auffrischen. Es kurzfristig sacken zu lassen, wirke aber besser. Noch besser bei einem Kölsch. Die Professoren waren ohnehin dafür, dass wir den Stoff das ganze Semester hindurch paukten. Aber mal ehrlich: Wer hat schon die Zeit dafür? Als Student? Jeden Tag Vorlesungen, dazu noch Seminare, Hausarbeiten, Bücher lesen, abends Party bis in die Puppen… Wann soll man da noch lernen?

Die meisten meines Jahrgangs, wie ich übrigens auch, haben also mit dem Büffeln erst ein paar Wochen vor den Prüfungen, beziehungsweise vor dem Examen angefangen. Aber war das richtig? Und gibt es überhaupt so etwas wie eine optimale Art des Lernens? Und kann man seinen Kopf kurzfristig auch überlernen?

Man kann!

Lernen lohnt – kurzfristig!

Die Psychologen Doug Rohrer und Harold Pashler haben optimale Lernkurven immer wieder untersucht (.pdf) und Überraschendes dabei herausgefunden:

So teilten sie einmal ihre Probanden in zwei Gruppen ein und ließen diese neue Vokabeln lernen. Die erste Gruppe paukte den Stoff fünf Mal – und erreichte, nun ja, ein ganz passables Ergebnis. Die zweite Gruppe büffelte doppelt so hart, also zehn Mal. Und tatsächlich: Mit diesem zusätzlichen Einsatz schafften sie dreimal so gute Prüfungsergebnisse.

“Heureka”, ruft jetzt vielleicht mancher mitlesende Prof. “Ich habs doch immer gesagt!” Doch zu früh gefreut. Damit war der Versuch noch lange nicht vorbei.

Die Forscher testierten ihre Probanden noch einmal – nach einer Woche und drei weitere Wochen später. Auch hier zunächst dasselbe Ergebnis: Die Studenten, die doppelt so lange gelernt hatten, erzielten auch nach einer Woche deutlich bessere Ergebnisse. Drei Wochen darauf aber war ihr Vorteil futsch. Nix, Topnoten. Beide Gruppen schnitten in etwa gleich schlecht ab.

Nach einer Woche sind drei Viertel schon wieder vergessen

VergessenskurveDie Erkenntnis daraus: Mehr lernen hilft – aber nur kurz vor der Prüfung. Wer versucht, Wissen zu verinnerlichen, um es bald in einem Test wieder abzurufen, kann sich den zusätzlichen Aufwand sparen. Auf lange Sicht behält er deswegen nicht mehr. Was auch etwas mit der Ebbinghaus’schen Vergessenskurve (siehe Grafik) zusammenhängen könnte… Kennen Sie nicht? Bestimmt nur entfallen, denn genau das fand der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus bei Selbstversuchen heraus: Nach rund 20 Minuten hat der Mensch frisch Gelerntes bereits zu 40 Prozent wieder verlernt. Nach einer Stunde sinkt die Halbwertzeit des Wissens bereits auf 45 Prozent, nach einem Tag erinnern wir allenfalls noch ein Drittel (34 Prozent) der eingeprägten Inhalte. Bemerkenswert ebenfalls: Nach nur sechs Tagen ist unser Erinnerungsvermögen auf 23 Prozent geschrumpft – auf lange Sicht behalten wir gerade mal 15 Prozent des Erlernten. So, und jetzt versuchen Sie diese Zahlen mal dauerhaft zu speichern!

Aber ich schweife ab. Sorry.

Mach mal Pause!

Machen nun Rohrers und Pashlers Erkenntnisse einen Unterschied für das Lernen – oder gar, wenn man zwischen den Lerneinheiten Pausen macht?

Auch das wurde von dem Forscher-Duo näher untersucht. Und ja, es macht einen Unterschied!

Dazu wiederholten die beiden das Experiment und bauten zwischen die Lernphasen immer wieder Pausen ein – von fünf Minuten bis hin zu zwei Wochen. Ergebnis: Diejenigen, die sich einen Tag frei genommen hatten, schrieben die besten Tests, wenn diese zehn Tage später stattfanden. Wurden Sie aber sechs Monate später geprüft, dauerte die optimale Lernpause bereits einen Monat.

mba-hutOder anders formuliert: Wer versucht, sich einen komplexen Stoff in kurzer Zeit einzuverleiben, wird wenig behalten. Die bessere Strategie ist, immer wieder Pausen zu machen und den Stoff sacken zu lassen. Vor allem aber: Je mehr einer langfristig lernt, desto länger sollten auch seine Pausen sein. Ideal also: Bücher zur Seite legen, Urlaub machen und dann kurz vor der Prüfung das Wissen nochmal ins Kurzzeitgedächtnis trümmern.

So gesehen haben wir damals instinktiv Vieles richtig gemacht. Das mit dem Kölsch vermutlich auch.