Was für ein Gefühl! Man betritt den Raum, und alles Reden hört auf. Die Leute schauen voll Bewunderung: Ist das nicht …? Sie behandeln einen bevorzugt, inhalieren jedes Wort, das man spricht, schmeicheln, klatschen. 15 Minuten Rampenlicht, wie es Andy Warhol prophezeite. Erstaunlich viele wären gerne berühmt. Sie sehnen sich nach Popularität, nach Zuwendung, nach Applaus – mehr als nach Macht oder Geld. Prominent zu sein kann ein starker Motor sein. Warum das so ist und welche Menschen danach streben, ist bisher nicht intensiv erforscht. Sicher ist nur: Menschen, die gerne erkannt und bewundert werden wollen, suchen nach sozialer Sicherheit und Weihe, weil sie selbst unter starken Selbstzweifeln leiden.
Den Drang nach Glanz und Glorie gibt es überall. Es gibt Studien aus Deutschland wie China, die zeigen, dass etwa 30 Prozent der Erwachsenen regelmäßig davon träumen, berühmt zu sein; 40 Prozent würden sich sogar mit einem kurzweiligen Popularitäts-Intermezzo begnügen. Bei Teenagern liegen die Zahlen höher. Und für eine kleine Gruppe ist es der scheinbar einzige Weg, ihrem Leben Sinn zu geben.
Solche Menschen bewundern Berühmte, weil die etwas geschafft haben, wovon sie glauben, es selbst nie schaffen zu können. Sie meinen, dass Prominente etwas Besonderes wären, besonders interessant. In der Regel sind sie es nicht. Sie sind nur bekannter.
Ruhm macht nicht einmal glücklich. 1996 veröffentlichte Richard M. Ryan von der Universität Rochester eine Umfrage unter Erwachsenen, bei der diese nach ihren Werten gefragt wurden. Diejenigen, sich darauf konzentrierten von anderen anerkannt zu werden, waren deutlich unglücklicher als jene, die mit sich zufrieden waren und sich für Freundschaften interessierten. Zig Folgestudien bestätigen: Wer sich auf so flüchtige Dinge wie Ruhm versteift und damit vom Urteil anderer abhängig macht, wird nicht zufriedener und freier, sondern das genaue Gegenteil tritt ein. Das Anhimmeln von außergewöhnlichen Menschen liegt zwar in der Natur des Menschen. Es ist aber auch eine seiner dämlichsten Eigenschaften. Sie führt zu Wahrnehmungsstörungen und Hochmut – und der kommt bekanntlich vor dem Fall.



Torsten Luttmann
Hallo Jochen,
wiedereinmal ein sehr guter Beitrag in dem auch noch sehr, sehr viel Wahrheit steckt! Toll gemacht!
Aber streben nicht auch Blogger nach ein wenig Ruhm und Bekanntheit! ;-)
Jochen Mai
Hallo Torsten, da hast du natürlich völlig recht. Jeder, der öffentlich schreibt, will zuerst gelesen und danach auch anerkannt werden. Aber Ruhm ist ein wankelmütiger Geselle. Er kommt und geht wie ein Schnupfen.
Daniel Rettig
Peter Sloterdjik äußert sich im Interview mit dem ZEIT-Magazin auch zu dem Thema: “Ein Leittypus der nuller Jahre ist sicherlich der Kandidat von Castingshows. (…) Man will berühmt werden, allein deshalb, weil man existiert. (…) Noch mehr träumt man vom leistungslosen Ruhm: Wer bin ich, dass ich etwas können müsste, um eine Celebrity zu sein?”
http://www.zeit.de/2008/51/Symbole-Sloterdjik-51
Tobias
Nur wieso sind jene bekannter die laut deinen Aussagen nicht zwingend interessant zu sein scheinen?
Das beisst sich irgendwo, weil das eine hängt gesellschaftlich gesehn quasi vom anderen ab.
Jochen Mai
@Tobias: Einfache, politisch unkorrekte Antwort: Weil die Menschen dumm sind. Weil Sie glauben, wer im Rampenlicht steht, hätte automatisch etwas Kluges zu sagen. Oder anders formuliert: Im grellen Scheinwerferlicht glänzt selbst Bullshit strahlend schön. Da beißt sich nichts. Da musst du nur ins Fernsehen schauen, das beweist die These jeden Tag.
Tobias
Ich möchte das was du schreibst unterstreichen.
Aus dem Grund auch “gesellschaftlich” gesehn.
Ich frage mich nur was ist richtig/wichtig.
Mein Empfinden, oder das gesellschaftliche Empfinden was “augenscheinlich” mehr wiegt.
Weil Fakt ist ja:
Es funktioniert! Das Rampenlicht der selbst Bullshit zum glitzern bringt.
Die Frage ist nur was man erreichen möchte. Ein Ziel das auf Basis menschlicher Dummheit
quasi gefördert wird…oder die innere Zufriedenheit.
Wer ist nun der schlauere?
Jochen Mai
@Tobias: Das ist eine moralische Frage, die sich freilich nur dem stellt, der das Spiel durchschaut und beherrschen kann.
Nicht wenige Erfolge basieren auf dem Prinzip des größeren Idioten. An der Börse ist das zum Beispiel ganz oft so, eine gigantische Umverteilungsmaschine, die nur funktioniert, weil andere etwas kaufen, von dem andere ahnen, dass es wertloser wird – oder umgekehrt. Wüssten alle, welche Aktien steigen oder fallen, würden alle nur noch erstere behalten und letztere verkaufen wollen. Kurzum: die Börse wäre tot.
So ist das mit der Popularität und Guru-Weisheiten genauso. Nicht wenige Erfolgstrainer verdanken ihren Erfolg der Tatsache, dass es noch viel mehr dumme Menschen gibt, die ihnen ihre Binsenweisheiten für viel Geld in teuren Seminaren abkaufen. Auch die TV-Talksendungen funktionieren so: Zuerst sucht man sich ein paar Klugschwätzer, die sich vor laufender Kamera nackig machen, danach braucht man nur noch eine Menge dummes Volk, die dabei auch noch zuguckt – und nicht merkt, dass die Fernsehmacher beide ausnutzen und belächeln.
Deswegen, finde ich, ist Popularität verpflichtend. Man kann andere damit leicht ausnutzen, aber man trägt dafür auch die Verantwortung.
Tobias
“Deswegen, finde ich, ist Popularität verpflichtend. Man kann andere damit leicht ausnutzen, aber man trägt dafür auch die Verantwortung.”
Das ist das worauf ich hinaus wollte. Es klang anfangs etwas negativ, fast schon schlecht.
Wobei ich noch dazu sagen muss: Wenn du davon ausgehst dass der Großteil der Menschheit
etwas “doof” ist, und auf Klugschwätzer hört….da stellt sich dann die Frage wer von denen im Endeffekt schlauer ist.
Und hier könnte man dann sagen okay: Vieleicht schlauer, aber moralisch verwerflich?!
Okay, die Verantwortung trägt man dessen muss man sich aber in sehr vielen Fällen bewusst sein.
Verdanken nicht alle Trainer oder Lehrer die Ihren Job gut machen Ihren Erfolg
“minderwertiger (..)” ?
Aber hier gehts mir nun schon einen Tick zu weit, weil ich ungern Dummheit definieren möchte :-)
Nachher fangen wir noch an zu philosophieren.
Also: Wer seine Ziele erreicht, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben ist somit der Schlauere/Gewinner.
Weil was kann der Schlauere dafür wenn er von Dummen umgeben ist die einem die Schleifspur mit Glitzer bestreuen?
Ich finde es okay. Demnach sind prominente für mich keine Vorbilder. Nichts besonders.
ABER sie haben oftmals das geschafft was sie wollten.
Manchmal oder oft sogar durch die Dummheit der anderen. Und das is dann die moralische Frage :-)
Jochen Mai
@Tobias: Auch wenn wir uns in einigen Punkte einig scheinen, finde ich, dass du zwei Dinge unzulässig mischst: Erfolg (=Gewinnen) und Schlauer sein.
Das sind zwei paar Schuhe. Auch ein Dummer Mensch kann sich Ziele setzen und diese erreichen. Damit ist er bereits erfolgreich und auch ein Gewinner. Genauso wie ein sehr schlauer Mensch sich unrealistisch hohe Ziele stecken kann – und daran scheitern. Damit ist er zwar kein Gewinner aber auch nicht automatisch dumm. Vielleicht war er nur besonders kühn, zu kühn.
Es ist abendfüllend, über Dummheit zu philosophieren – und um es kurz zu machen, der Intelligenzquotient sagt darüber wenig aus. Es gibt Mensa-Mitglieder, die lebensunfähiger sind als ein Hauptschüler. Zum Problem wird Schläue immer dann, wenn sie sich in Bauernschläue verwandelt, die Dümmere gezielt ausnutzt und übervorteilt. Aber genau das ist dann eine moralische Frage, die nicht selten damit beantwortet wird, dass es die anderen ja auch so machen und die Welt nunmal ungerecht ist. Auch ein abendfüllendes Thema…
Tobias
Ich glaube wir verstehen uns ja.
Falls ich das vermischt habe nicht absichtlich.
Denke grundlegend ja gleich darüber wie du.
Es war nur dieses etwas:
“Sie meinen, dass Prominente etwas Besonderes wären, besonders interessant. In der Regel sind sie es nicht. Sie sind nur bekannter.”
In der Regel sind sie es nicht. Augenscheinlich, man weiss es nicht.
Irgendwie, irgendwo müssen sie wohl die Menscheit ansprechen sonst wären sie wohl nicht bekannt.
Aber okay.
Wer ist wohl der Gewinner. Der Popstar oder der Manager dahinter der den Popstar steuert?
Man könnte sagen beide – Aus meiner Sicht aber eher der Manager.
Soviel zu dem “Wer das Spiel beherscht” :-)
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