Geht es ums liebe Geld, kochen die Gemüter gerne einmal besonders hoch. Geld und Gehalt sind zwar längst nicht alles im Leben, doch gerade wenn das Gefühl, nicht zu bekommen, was einem zusteht, ist ein Garant für Streit und Auseinandersetzungen. So gehört es für Mitarbeiter zu den frustrierendsten Erlebnissen in der beruflich Laufbahn, für die eigene Arbeit nicht fair bezahlt zu werden und zu merken, dass die Kollegen bei gleichen Leistungen und Aufgabenfeldern deutlich mehr verdienen. Genau dieser Problematik soll nun durch mehr Lohntransparenz entgegengewirkt werden. Grund zur aktuellen Debatte ist das aktuelle Gesetzes zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen, das am 6. Juli 2017 in Kraft getreten ist. Klingt umständlich und kompliziert, räumt Mitarbeitern aber einige neue Rechte ein. Wir erklären, worum es bei der Lohntransparenz geht und beantworten die wichtigsten Fragen...

Lohntransparenz Gesetz Deutschland inkrafttreten Entgeltstrukturen

Lohntransparenz: Schluss mit ungleicher Bezahlung

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Ein einfacher Grundsatz, dem wohl fast jeder sofort zustimmen würde. Von der Realität ist dieser jedoch weit entfernt. Immer wieder rückt dabei das Gender Pay Gap in den Mittelpunkt, worauf auch beim Equal Pay Day hingewiesen wird. Die Essenz der Debatte: Nach Analysen des statistischen Bundesamtes haben Frauen im Jahr 2016 einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von rund 21 Prozent weniger als Männer. Männer verdienen demnach im Schnitt ein Fünftel mehr als weibliche Arbeitnehmer.

Dieses unbereinigte Gender Pay Gap beinhaltet aber auch Unterschiede aufgrund von häufigerer Teilzeitarbeit bei Frauen oder einen höheren Anteil von Führungspositionen bei Männern. Das bereinigte Gender Pay Gap, bei dem diese Faktoren nicht berücksichtigt werden und Frauen und Männer auf ähnlichen Stellen miteinander vergleichen werden, beträgt aber immer noch 6 Prozent.

Klingt nicht mehr so viel, hat mit Gerechtigkeit und fairer Bezahlung aber nur wenig zu tun. Ein Mann, der bei gleicher Qualifikation die gleiche Arbeit ausübt wie eine Frau, verdient durchschnittlich pro Stunde 6 Prozent mehr. Bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro im Monat macht dies immerhin einen Unterschied von 180 Euro monatlich aus - satte 2160 Euro im Jahr, trotz gleicher Kompetenz und Tätigkeit.

Doch nicht nur zwischen den Geschlechtern, auch unter Mitarbeiter insgesamt ist es ungemein frustrierend, wenn die Kollegen mehr verdienen, obwohl die Arbeit gleich ist. Um die unfaire und ungleiche Bezahlung zu reduzieren, wurde nun das sogenannte Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen erlassen, dass am 6. Juli in Kraft getreten ist.

Lohntransparenz durch einen Anspruch auf Auskunft

Das neue Gesetz zur Lohntransparenz dreht sich im Kern um einen neuen und grundlegenden Anspruch für Mitarbeiter: Die Möglichkeit, eine Auskunft über die Entgeltstrukturen zu erhalten. Soll heißen: Wenn Sie das Gefühl haben (oder insgeheim sogar schon wissen), dass die Kollegen bei gleicher Tätigkeit mehr verdienen als Sie, können Sie in Zukunft einen Auskunftsanspruch geltend machen und von Ihrem Chef verlangen, Ihnen den durchschnittlichen Verdienst der anderen Kollegen offenzulegen.

Ist im Unternehmen einen Betriebsrat vorhanden, kann der Mitarbeiter seinen Anspruch auf Auskunft über diesen wahrnehmen. Das hat den Vorteil, dass die Anfrage anonym abläuft. Sie können allerdings auch die direktere Vorgehensweise wählen und sich direkt an den Chef oder die Personalabteilung wenden, um eine Auskunft über die Lohntranzparenz zu verlangen.

Klingt sehr positiv und ist es im Kern auch, allerdings gibt es auch einige Haken und Schwierigkeiten, deren Schwere sich vermutlich erst in der Praxis zeigen wird, die aber jetzt schon Kritik geerntet haben. Um Ihnen alle wichtigen Informationen zur Lohntransparenz kompakt zur Verfügung zu stellen, haben wir die wichtigsten Fragen aufgelistet und für Sie beantwortet:

  • Für wen gilt das Gesetz der Lohntransparenz wirklich?

    Die wichtigste Frage vorneweg, denn ein neues Gesetz bringt Ihnen persönlich nichts, wenn es nicht auf Ihre Situation angewendet werden kann. Das neue Gesetz zur Lohntransparenz richtet sich an Mitarbeiter in Unternehmen mit mindestens 200 Angestellten. Arbeitnehmer in kleinen Betrieben haben keinen Anspruch auf die Auskunft über Gehaltsstrukturen beim Arbeitgeber.

    Ein ähnliches Problem kann auftreten, wenn es nicht genügend vergleichbare Mitarbeiter gibt. Um eine Auskunft zu erhalten, muss eine Vergleichstätigkeit (so der Gesetzestext) von mindestens sechs weiteren Beschäftigten des jeweils anderen Geschlechts ausgeübt werden. Heißt im Klartext: Nur wenn es sechs zu Ihrer Position sehr ähnliche Stellen im Unternehmen gibt, die vom anderen Geschlecht besetzt werden, können Sie überhaupt eine Auskunft erhalten.


  • Kann ich fragen, was ein Kollege verdient?

    Das Gesetz zur Lohntransparenz hat das Ziel, eine gleiche Bezahlung für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit durchzusetzen und somit die Ungerechtigkeit in den Entgeltstrukturen zu beheben. Es geht nicht darum, einzelne Mitarbeiter untereinander zu vergleichen. Sie haben somit nicht die Möglichkeit, beim Chef nachzufragen, was Kollege Müller denn so im Monat verdient.


  • Wie läuft die Auskunft für mehr Lohntransparenz ab?

    Wer geglaubt hat, er könnte schnell beim Chef anklopfen, auf das Gesetz zur Lohntransparenz verweisen und schnell eine Info erhalten, wie viel die Kollegen im Durchschnitt verdienen, liegt weit daneben. Tatsächlich ist die Auskunft zur Lohntransparenz ein umfangreicher Prozess, in dem verschiedene Schritte durchlaufen werden müssen, bis Sie als Mitarbeiter am Ende wirklich eine Information erhalten.

    In einem Diagramm hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mehrere beispielhafte Schritte definiert, die den Auskunfsanspruch der Lohntransparenz-Gesetzes ausmachen:

    • 1. Der Arbeitnehmer wendet sich an den Betriebsrat und verlangt Auskunft über die Bezahlung einer Vergleichstätigkeit.
    • 2. Der Betriebsreit leitet die Anfrage an den Arbeitgeber weiter und fordert gleichzeitig alle nötigen Unterlagen an, um die Informationen zusammenzustellen.
    • 3. Das Unternehmen übergibt dem Betriebsrat die erforderlichen Unterlagen und gewährt zusätzlich Einblick in die Lohn- und Gehaltslisten.
    • 4. Im Betriebsrat wird überprüft, ob die Tätigkeiten wirklich vergleichbar sind. Anschließend wird das Medianeinkommen der Vergleichsmitarbeiter ermittelt und dem Antragsteller/der Antragstellerin mitgeteilt.

  • Wie schnell muss die Auskunft über Lohntransparenz erfolgen?

    Ein solch bürokratischer Aufwand braucht natürlich ein wenig Zeit. Das Gesetz sieht dafür einen Zeitraum von maximal drei Monaten vor, die Arbeitgeber und Betriebsrat zur Verfügung stehen, um den Antrag zu bearbeiten und die Auskunft über die Lohntransparenz zu erteilen.


  • Was können Mitarbeiter tun, um wirklich Lohngleichheit zu erhalten?

    Die Lohntransparenz in Unternehmen kann bei einem konkreten Antrag zwei Ergebnisse haben. Im ersten Fall zeigt sich, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin nicht weniger verdient, als die vergleichbaren Kollegen des anderen Geschlechts. Gut zu wissen, dass Sie nicht diskriminiert oder unfair bezahlt werden, weitere Auswirkungen hat das aber erst einmal nicht.

    Anders kann es aussehen, wenn Sie erfahren, dass Sie tatsächlich bei gleicher Arbeit weniger verdienen. Direkte Ansprüche ergeben sich aus dem neuen Gesetz zur Lohntransparenz für benachteiligte Mitarbeiter jedoch nicht. Es geht lediglich um die Auskunft und Information. Um wirklich Lohngleichheit zu erhalten, müssen Sie dann mit dem Chef in Verbindung treten.

    Durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist die ungleiche Bezahlung unzulässig. Sie können also bis vor das Arbeitsgericht ziehen und Ihren Arbeitgeber so dazu bringen, Ihnen ein faires Gehalt zu zahlen. Durch die Lohntransparenz können Sie nun auch endlich nachweisen, dass Sie wirklich benachteiligt werden - was bisher der Punkt war, an dem viele Klagen gescheitert sind.

    Soweit muss es aber nicht kommen. Im besten Fall zeigt der Chef sich bereits vorher einsichtig oder Sie können mit ein paar zusätzlichen Argumenten eine Gehaltserhöhung durchsetzen.


  • Welche weiteren Punkte stehen im Lohntransparenz-Gesetz?

    Für Mitarbeiter ist das Recht auf Auskunft der wichtigste Aspekt des Gesetzes zur Lohntransparenz. Darüberhinaus gibt es weitere Verpflichtungen für große Arbeitgeber. So müssen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten in Zukunft regelmäßig überprüfen, ob die Gerechtigkeit in den Bezahlungen zwischen Männern und Frauen eingehalten wird.´

    Zusätzlich sollen Unternehmen Berichte erstellen, in denen sie ihre Maßnahmen präsentieren, die sie zur Herstellung und Wahrung der Entgeltgerechtigkeit durchführen.

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