Loslassen lernen: So klappt’s
Haben Sie von Ihren Freunden oder auch aus der eigenen Familie schon einmal den Ratschlag gehört: Du musst lernen loszulassen? Dann geht es Ihnen wahrscheinlich wie vielen anderen auch, denen es schwer fällt, sich von negativen Dingen aus der Vergangenheit zu trennen. Man schleppt sie jeden Tag mit sich herum, wird von ihnen belastet und schafft es einfach nicht, den Blick in die andere Richtung zu wenden und sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Aber woran und vor allem warum klammern wir uns eigentlich fest? Wir erklären, welche Päckchen aus der Vergangenheit sich besonders schwer ablegen lassen und wie es Ihnen dennoch gelingt loszulassen...

Loslassen lernen: Wovon eigentlich?

Es gibt verschiedene Wege, auf Veränderungen und Situationen im Leben zu reagieren. Man kann weitermachen, sich wie ein Stehaufmännchen nicht unterkriegen lassen und seine Resilienz unter Beweis stellen. Oder man reagiert wie gelähmt, kommt nicht über die Neuerungen hinweg und kann das Geschehene einfach nicht loslassen.

Das Gefühl, man müsse sich mit aller Kraft an etwas klammern und nicht loslassen zu können, erzeugt einen enormen Druck, der sich auch körperlich manifestieren kann. Anfangs zeigt sich die psychische Belastung häufig durch Erschöpfung, Konzentrationsschwäche oder auch Kopfschmerzen. Leider sind dies nur die Vorboten. Wem es nicht gelingt, loszulassen, kann ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen. Angstzustände, Wutausbrüche und Depressionen können die Folge sein.

Aber welche Dinge können wir nicht loslassen? Diese Frage ist sehr individuell und es gibt potenziell eine ganze Reihe von Antworten:

  • Ein Wunsch. Nicht immer werden Wünsche und Träume wahr. Manch einer tut sich dennoch schwer, diese loszulassen und sich ein neues Ziel zu setzen. Stattdessen wird krampfhafter weiter versucht, einen Wunsch umzusetzen, der schon längst nicht mehr realistisch ist.
  • Eine Vorstellung. Sie haben den Job für eine große Chance gehalten, mit netten Kollegen, einem guten Chef und spannenden Aufgaben. Entpuppt sich das ganze als Reinfall, kann es notwendig sein, diese Vorstellung loszulassen und der Wahrheit ins Auge zu blicken.
  • Eine Person. Langjährige Beziehungen oder Freundschaften sind unglaublich prägend für die eigene Persönlichkeit. Umso schwerer ist es, beispielsweise nach einem Todesfall, loszulassen und nach vorne zu blicken.
  • Ein Gefühl. Sowohl positive als auch negative Gefühle können schwer zu überwinden sein. Fühlen Sie sich etwa verletzt oder beleidigt, können Sie sich in diesem Gefühl verrennen, anstatt darüber hinwegzukommen. Darunter leidet schnell das eigene Selbstwertgefühl.
  • Ein Zustand. Veränderungen sind immer auch eine Herausforderung, vor denen mancher sich lieber drücken möchte. Als Gegenmaßnahme wird versucht, den Status Quo so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, auch wenn es kaum noch zu rechtfertigen ist.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um loszulassen?

Von jetzt auf gleich klappt es in der Regel nicht mit dem Loslassen. In manchen Situationen wäre das zwar die beste Alternative, doch häufig ist der radikale Bruch weder nötig noch unbedingt ratsam. Es kann heilsam sein, sich langsam von etwas zu trennen, doch früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem man endgültig loslassen muss. Nur wann?

Einen festgeschriebenen Zeitpunkt gibt es nicht und es lässt sich auch nicht allgemein sagen, dass man nach einer Woche, einem Monat oder einem Jahr loslassen sollte. So bleibt es jedem selbst überlassen, den richtigen Moment zu finden. Das ist sicherlich nicht leicht und viele verpassen den Augenblick, spätestens wenn es für Sie zu einer Belastung wird, ist es an der Zeit, die Dinge loszulassen, die für Sie zum Problem geworden sind.

Loslassen lernen: Wie kann das funktionieren?

hikrcn/shutterstock.comWieso ist es so gekommen? und Wie soll es nur weitergehen? Das sind nur zwei der Fragen, die immer wieder im Kopf umherkreisen. Es scheint nicht möglich, die Vergangenheit einfach ruhen zu lassen und die Energie zu nutzen, um weiterzumachen. Wer sich erst einmal in einer solchen Tiefphase befindet, hat es oft schwer, sich wieder herauszuziehen. Trotzdem kann es funktionieren, auch wenn der Weg nicht ganz leicht ist. Diese Tipps können dabei helfen.

  1. Entwickeln Sie die richtige Einstellung

    Nicht umsonst heißt es: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Um zu das Loslassen zu lernen, kann die richtige Einstellung helfen. Machen Sie sich die Gründe bewusst, die dafür sprechen, den Blick wieder nach vorne zu richten und lenken Sie Ihre Gedanken weg von den Fragen der Vergangenheit.

  2. Geben Sie sich die nötige Zeit

    Hierbei handelt es sich nicht um ein Vorhaben, dass innerhalb weniger Tage umzusetzen ist. Es ist ein längerer Prozess, der sich durchaus schwierig gestalten kann. Lassen Sie sich nicht entmutigen und geben Sie sich selbst die nötige Zeit. Es bringt Sie nicht weiter, sich selbst Vorwürfe zu machen oder gar zusätzlich unter Druck zu setzen.

  3. Sprechen Sie mit anderen Menschen

    Sie haben vielleicht das Gefühl, Ihre Probleme verstecken zu wollen, doch Kommunikation und Gespräche können Ihnen helfen loszulassen. Vertrauen Sie sich Ihrem Umfeld an und schildern Sie Ihre Ängste und Sorgen. Das nimmt Ihnen den Druck und gibt Freunden und Familie die Chance, Ihnen zu helfen. Suchen Sie auch den Kontakt zu anderen Betroffenen, die bereits erfolgreich Ballast losgelassen haben. Sie können von ihren Erfahrungen profitieren, fühlen sich verstanden und können neuen Mut schöpfen.

  4. Suchen Sie sich professionelle Hilfe

    Manchmal muss man sich eingestehen, dass man alleine nicht weiterkommt und Hilfe benötigt, um Schwierigkeiten zu überwinden. Betroffene selbst sehen dies als ein Eingeständnis oder als Beweis ihrer Schwäche, wobei es eigentlich ein starkes Zeichen für Mut und eine starke Persönlichkeit ist. Eine Gesprächstherapie kann Ihnen helfen, Geschehenes aufzuarbeiten und endlich loszulassen, was Sie solange belastet hat.

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