Händewaschen-Psychoffekt-Macbeth
Lady Macbeth hätte sich vieles ersparen können. Ihr Machtdrang aber war stärker. Selber Schuld! In William Shakespeares gleichnamigem Drama stachelt die Frau des Protagonisten ihren Mann dazu an, den König von Schottland zu ermorden, um danach selbst den Thron zu besteigen. Als das sinistre Werk vollbracht und König Duncan tot ist, überkommt Lady Macbeth jedoch das schlechte Gewissen – und sie wäscht sich die Hände. Immer und immer wieder... Ich wasche meine Hände in Unschuld - sich per Händewaschen zu erleichtern, das versuchte schon der römische Stadthalter Pontius Pilatus nachdem er Jesus zum Tod durch Kreuzigung verurteilt hatte. Und das Reinigungs-Ritual hat tatsächlich so manchen Psychoeffekt...

4 psychologische Effekte des Händewaschens

Tatsächlich hat das Händewaschen nicht nur eine hygienische Wirkung, schützt vor Bakterien und senkt die Übertragungsgefahr von Krankheiten. Es hat auch eine Reihe psychologischer Effekte, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Zusammengefasst lässt sich aber auch sagen: Dabei reinigen wir uns nicht nur physisch, sondern auch mental. Nicht selten zu unserem Nutzen.

Daher jetzt: Die vier wichtigsten Effekte des Händewaschens im Überblick...

  1. Händewaschen macht optimistischer

    Insgesamt 98 Probanden, eingeteilt in drei Gruppen, nahmen an der Studie von Kai Kaspar, Psychologen an der Universität zu Köln, teil. Im ersten Durchlauf bekamen die Teilnehmer eine praktisch unlösbare Aufgabe gestellt, Frust und Scheitern waren also programmiert (die dritte Gruppe war die Kontrollgruppe). Danach wusch sich Gruppe A die Hände – und siehe da: Im zweiten Testdurchgang waren die Probanden sofort wieder motiviert und optimistisch, diesmal besser abzuschneiden. Die Sache hat allerdings einen Haken: Obwohl die Gruppe A sicher die saubereren Hände hatte, schnitten die Teilnehmer deswegen nicht unbedingt besser ab. Denn obwohl der zweite Test im Gegensatz zum ersten durchaus lösbar war, lagen die Leistungen der Handreiniger lediglich auf dem Niveau der Kontrollgruppe, die bislang keinerlei Misserfolge erleiden musste. Händewaschen reinigt also vom Frust, senkt aber zugleich das Leistungsniveau.

  2. Händewaschen beseitigt Zweifel

    Die US-Psychologen Spike Lee und Norbert Schwarz von der Universität von Michigan gaben ihren Probanden 30 CDs, aus denen die sich eine Top-10-Liste erstellen sollten. Als Dankeschön dürften sie entweder die CD von Platz 5 oder Platz 6 ihrer eigenen Hitliste behalten. Danach bauten Lee und Schwarz ein kleines Ablenkungsmanöver ein: Die Teilnehmer sollten eine neue Flüssigseife bewerten. Die einen kommentierten jedoch nur deren Verpackung, während die anderen die Seife per Händewaschen auch physisch testen sollte. Danach durften alle die zehn CDs noch einmal neu sortieren. Und siehe da: Wer nur die Seifenverpackung bewertet hatte, änderte die Reihenfolge erheblich. Manche Alben wurden höher eingestuft, andere niedriger. Ganz anders die Einschätzung derer, die sich die Hände gewaschen hatten: Sie bewerteten die CDs genauso wie beim ersten Mal. Das Händewaschen hatte dazu geführt, dass der Rechtfertigungsdrang ebenfalls im Abfluss verschwand.

  3. Händewaschen macht selbstgefälliger

    Schon 2008 stellte die Psychologin Simone Schnall von der Universität von Plymouth fest, dass allein die Assoziation von Reinheit milder stimmt. Sie ließ 40 Studenten moralische Dilemmata bewerten, etwa das Einstecken einer gefundenen Brieftasche. Vorher allerdings wurden sie gebeten, Wortpaare zu bilden – die einen arbeiteten mit neutralen Begriffen, die anderen mit Wörtern rund um das Thema Sauberkeit, Seife und Waschen. Ergebnis: Die zweite Gruppe fand das moralische Vergehen plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Die Begründung: Nach jeder bewusst getroffenen Entscheidung hat der Mensch das mehr oder minder dringende Bedürfnis, diese vor sich selbst zu rechtfertigen. Ein Entschluss beinhaltet ja nicht selten, sich für die eine und gegen die andere Alternative entschieden zu haben. Das Händewaschen lindert diesen Rechtfertigungsschmerz. Demnach gilt nach schweren Entscheidungen: Ab ans Waschbecken!

  4. Händewaschen macht strenger

    Wer sich die Hände mit Seife säubert, erleichtert nicht nur sein Gewissen, er bekommt zugleich strengere Moralvorstellungen. Das fanden Forscher um Chen-Bo Zhong, einem Organisationsforscher an der Rotman School of Management in Toronto heraus. Für sein Experiment lud er 58 Studenten in ein Labor ein, das er zuvor mit brandneuen Möbeln eingerichtet hatte. Die eine Hälfte der Versuchsteilnehmer bat er jedoch darum, sich zuvor die Hände zu desinfizieren, um das flammneue Labor nicht zu verschmutzen. Die andere Hälfte durfte es so betreten. Dann bat er seine Probanden über Themen wie Pornographie oder Umweltverschmutzung zu diskutieren. Erstaunlich: Wer sich zuvor ihre Hände gewaschen hatten, urteilte jetzt deutlich strenger. Oder kurz: Die Moralvorstellungen waren so reinlich wie die Hände.

ABER: So hilfreich Händewaschen auch ist, übertreiben sollte man auch nicht. Von der Strategie bekommt man leicht Spülhände...

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