Johnny Bunko ist der Held in dem ersten Karriere-Ratgeber als Manga: „Die Abenteuer von Johnny Bunko“ (Eichborn Verlag). Als Büro-Trottel hat Bunko nicht viel Erfolg, bis ihm Diana, eine Art Fee, erscheint und ihn sechs Lektionen für Leben und Laufbahn lehrt. Zugegeben, das ist gewöhnungsbedürftig, macht aber Spaß. Weil die Idee der Autoren Daniel Pink (Text) und Rob Ten Pas (Illustrationen) so kreativ ist, geht es gar nicht anders, als ein Interview mit dem Protagonisten zu führen – zur Not auch fiktiv.
Herr Bunko, Sie gelten nicht gerade als große Leuchte in Ihrem Unternehmen. Dort bedeutet “einen Bunko machen”, dass jemand bei seiner Arbeit kräftig ins Klo greift. Warum sollte sich jemand ausgerechnet Sie zum Vorbild nehmen?
*Schluck* Tja, äh, zugegeben, ich bin ein berühmter Idiot. Ich meine, ich WAR ein berühmter Idiot. Man nannte mich auch schon mal Johnny Freakshow. Aber die Zeiten sind vorbei. Echt. Seit ich Diana getroffen habe, hat sich mein Leben gewandelt. Also, ich meine, ich mache immer noch Fehler, aber jetzt nur noch exzellente…
Darauf komme ich später zurück. Jetzt aber kurz zu… wie war doch gleich ihr Name? Diana. Wer ist das?
Hm-Hm, das ist eine gute Frage. Genau kann ich Ihnen das auch nicht sagen. Sie ist so eine Art guter Geist und erscheint immer, wenn ich meine magischen Essstäbchen durchbreche…
…bitte, wenn Sie was tun???
Ich weiß, das klingt total verrückt. Aber: Ich bin ein Manga! Da ist das nun mal so. Im Comic ist alles ein bisschen überzogen, unwirklich, überzeichnet. Ich konnte es ja erst selbst nicht glauben. Deshalb habe ich auch meine beiden besten Freunde und Kollegen eingeweiht. Die haben Diana auch gesehen. Und gemeinsam haben wir schließlich ihre Lektionen gelernt.
Gutes Stichwort. Ihre erste Lektion lautete: “Es gibt keinen Plan.” Was soll das heißen?
Das bedeutet, dass das Leben keine mathematische Gleichung ist. Man kann Karriere nicht planen. Dafür verändert sich die Welt viel zu schnell, Jobs verändern sich – und wir verändern uns auch. Deshalb kann man nur jeweils schlaue Entscheidungen treffen. Das heißt, man entscheidet sich für etwas aus seiner grundsätzlichen Erwägung heraus, weil es einen persönlichen Wert hat – gleichgültig, ob es zu etwas führt oder nicht. All die jungen Menschen, die zum Beispiel BWL studieren, weil sie meinen dann Karriere zu machen, liegen deshalb falsch. Vielleicht machen sie tatsächlich Karriere. Das ist dann Glück. Aber besser wäre, Sie würden etwas machen, was sie wirklich gerne machen, vielleicht sogar leidenschaftlich lieben. Dabei wären Sie letztlich wesentlich erfolgreicher.
Die zweite Lektion, “Konzentriere dich auf deine Stärken, nicht auf deine Schwächen”, wirkt dagegen, nunja, ziemlich… banal.
Nur weil sie banal klingt, ist sie ja nicht weniger wahr. Ich habe mich immer auf meine Schwäche konzentriert, etwa dass ich nicht so schnell und so fehlerfrei rechnen konnte wie meine Kollegin Yuko. Also habe ich versucht, mich weiterzubilden und mich bei dem Kurs “Führung, Finanzen und Narzissmus” angemeldet, um sicherzustellen, dass mich meine Schwächen nicht ausbremsen. Aber der war schon ausgebucht. Immerhin kam ich auf die Warteliste! Was wollte ich sagen? Achso: Das war aber dumm. Diana hat mich gelehrt, dass erfolgreiche Menschen nicht versuchen, sich darin zu verbessern, was sie sowieso nicht gut können, sondern vielmehr Nutzen aus dem ziehen, was sie gut können – und darin noch besser werden. Ich bin zum Beispiel sehr gut im Zeichnen und Ideen entwickeln. Ja, das kann ich ziemlich gut… *schwelg*
Schön für Sie. “Es geht nicht um dich”, heißt die dritte Lektion. Das passt gerade ganz gut. Aber abgesehen davon, dass es reichlich esoterisch klingt: Was lernen wir dabei?
Äh, sorry, das war wohl wieder so ein Bunko. Sie haben völlig recht: Es geht nicht um mich. Es geht um andere Menschen – um Kunden, Kollegen, den Chef. Die wichtigsten und erfolgreichsten Menschen in ihrem Job bringen das Beste in anderen hervor. Sie sorgen dafür, dass der Chef gut dasteht und dass die Kollegen vorwärtskommen. Dabei entwickeln sie sich natürlich auch selbst weiter. Aber wer immer nur egoistisch an seinen Vorteil und seine Karriere denkt, der wird scheitern.
Und Lektion 4: “Beharrlichkeit übertrumpft Talent”?
Ha! Ja, ich erinnere mich noch gut: Das war ein lustiger Ausflug! Wir landeten mit Diana in einem Casino und mussten auf Laufbahnen wetten. Robinson war sehr begabt, hatte aber wenig Durchhaltevermögen; Richardson dagegen war nur durchschnittlich talentiert, verfügte aber über Beharrlichkeit. Richardson gewann das Rennen. Denn talentiert sind viele Menschen, sie geben nur oft viel zu früh auf oder lassen sich von Rückschlägen ausbremsen. Dabei werden sie dann von weniger Talentierten überholt, die aber mehr Biss haben. Wichtiger als Begabung ist die intrinsische Motivation, also von seiner Sache vollkommen überzeugt zu sein und sie auf jeden Fall durchzuziehen.
Soweit, so gut. Diana rät Ihnen am Ende allerdings: Mache exzellente Fehler! Das hatten wir eingangs schon. Für mich klingt das eher nach einer durchgeknallten Elfe, die zuviel Sternenstaub inhaliert hat.
Psst, nicht so laut. Diana hört alles und kann ganz schon wütent werden… Dann wirft sie mit Tackern um sich… Was sie damit aber meint, ist: Es gehört zum Leben dazu, Fehler zu machen. Viele Menschen verbringen ihr Leben damit, Fehler zu vermeiden und bleiben deshalb nur mittelmäßig. Wer aber exzellente Fehler macht, der hat zuvor etwas Grandioses gewagt – ihm fehlte lediglich Fortune. Also ist es besser, eine Sache richtig ordentlich zu versauen, weil es zeigt, dass man Mut hat und mehr wagt als andere. Und wer dann noch exzellent aus seinen Fehlern lernt, ist auf dem besten Weg, Spitzenleistungen zu erbringen.
Danke, so klingt es weit weniger berauscht. Und was verbirgt sich schließlich hinter: “Hinterlasse einen Eindruck”?
Sehen Sie, ich bin noch jung. Aber wenn man älter wird, dann blickt man irgendwann auf sein Leben zurück und fragt sich: Was habe ich eigentlich hinterlassen? Was habe ich verändert? Und wenn man dann nichts findet, wird man sehr frustriert über sein Leben sein, nur ist es dann zu spät. Deshalb ist es wichtig, sich schon früh diese Fragen zu stellen. Deswegen muss man ja nicht gleich den Hunger in der Welt bekämpfen oder das Ozonloch kitten. Aber überall wo man arbeitet, sollte man eine sinnvolle Spur hinterlassen. Darum geht es.
Herr Bunko, jetzt mal ehrlich: Ist das nicht alles reichlich infantil, diese klassischen Empfehlungen in ein Comic-Taschenbuch zu gießen?
Das kommt auf die Zielgruppe an. Ich sagte ja schon, dass ich gerne zeichne. Und wer wie ich Mangas mag, hat vielleicht Lust, auch so eine Geschichte zu lesen. Der Vorteil ist, dass man dabei gar nicht merkt, etwas zu lernen. Klar, wer ein guter Beobachter ist, zieht vielleicht dieselben Schlüsse. Und wer meint, dass das nur erfunden ist, kann die Erkenntnisse bei diversen Wissenschaftlern nachlesen. Die sagen dasselbe, malen aber nicht so schöne Bilder mit versteckten Gags dazu.
Herr Bunko, danke für das Interview. Kennen Sie eigentlich auch den Trailer zu ihrem Buch?
1. Kommentar
Nicole
11.04.09 um 08:52 Uhr
Das ist ja eine total witzige Idee. Das Interview mit einem Comic-Helden (das Buch auch). Das ist auch der Grund, warum ich dieses Blog total gerne lese. Danke, Jochen! Das Buch schaue ich mir aber auch an. Klingt vielversprechend.
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