Sie wollen sich auf einen Text, ein Projekt, eine Prüfung voll konzentrieren? Dann lenken Sie sich ab! Dieser scheinbar paradoxe Tipp stammt nicht von mir, sondern von dem US-Forscherduo Alejandro Lleras und Atsunori Ariga von der Universität von Illinois. Die beiden stellten bei ihren Studien fest: Wer sich bei anspruchsvollen Aufgaben zwischendurch kurz ablenken lässt, arbeitet insgesamt wesentlich konzentrierter – im Gegensatz zu jenen, die krampfhaft versuchen, sich stets nur mit dieser einen Sache zu beschäftigen.

Insgesamt 84 Probanden mussten bei dem dazugehörigen Experiment jeweils 50 Minuten lang eine Art Prüfung absolvieren und Aufgaben lösen, darunter etwa eine Taste drücken, wenn eine bestimmte Zahl auf dem Bildschirm erscheint. Die erste Gruppe wurde während des Tests jedoch zwei Mal kurz abgelenkt, die zweite Kontrollgruppe indes fokussierte sich die ganze Zeit über auf den Schirm.

Wie von den Forschern erwartet, nahm die Konzentration und Leistungskraft der Probanden im Verlauf der 50 Minuten ab – mit Ausnahme der ersten Gruppe: Obwohl sie kurzfristig an was anderes dachten, blieb ihre Konzentration unvermindert hoch.

Für die Forscher widersprechen damit der seit Jahren verbreiteten Annahme, dass unsere Aufmerksamkeit zwangsläufig mit der Zeit abnimmt und Ablenkungen stören. Das Gegenteil sei richtig: Gelegentliche mentale Pausen erhöhen die Konzentrationsfähigkeit und steigern die Leistung. Oder wie Lleras sagt: “Man lässt in seiner Leistung nach, weil man aufhört, der Aufgabe Aufmerksamkeit zu schenken.” Die aber lasse sich beibehalten, indem man seinem Geist und den Gedanken eine kurze Pause gönnt.

Darüber hinaus ist Konzentrationsfähigkeit natürlich auch eine Frage des Trainings. Entscheidend beim Konzentrieren-Üben ist aber auch hier, dass Sie sich nicht zu viel auf einmal vornehmen und Ihr Pensum schrittweise steigern. Es soll ja in erster Linie auch Spaß machen. So zum Beispiel…

Einfache Konzentrationsübungen

  • Zählen Sie Buchstaben. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Artikel und drucken Sie ihn aus. Dann markieren Sie mit einem Stift oder Textmarker alle „K“s in diesem Text. Sollte das zu einfach sein, versuchen Sie die Übung direkt am Schirm – dann natürlich nicht mit Stift und Marker, sondern mit bloßem Auge!
  • Schreiben Sie rückwärts. Aber nicht mit der Tastatur (das geht zur Not aber auch), sondern nehmen Sie sich Stift und Papier und versuchen Sie irgendeinen Text rückwärts zu schreiben, von rechts nach links und mit verdrehten Buchstaben. Klingt leichter als es ist.
  • Zählen Sie Phrasen. Setzen Sie sich Meetings und notieren Sie wie oft bestimmte Wörter oder Phrasen fallen. Etwa das Wort “Ich” oder die Floskel “Grundsätzlich ist es ja so…”. In der sportlichen Variante heißt diese Übung auch Bullshit-Bingo oder Ideen-Killer-Bingo.
  • Fokussieren Sie Ihren Blick. Versuchen Sie eine zeitlang nichts zu sagen, nichts zu machen – außer atmen und starren. Fixieren Sie dazu entweder einen Punkt an der Wand, ein Bild oder gerne auch die obige Grafik: Klicken Sie auf das Bild, dann wird es größer und konzentrieren Sie sich zwei bis drei Minuten allein darauf. Und versuchen Sie dabei, möglichst an nichts zu denken. Der Effekt ist derselbe wie beim Meditieren: Danach werden Sie sich befreiter fühlen, leichter – und sich besser konzentrieren können.