Machtspiele-Machtmanipulation
In der Psychologie gibt es seit den Achtzigerjahren eine interessante Hypothese, die davon ausgeht, dass wir alle manipulieren – und zwar jederzeit: Das Baby manipuliert seine Eltern mit Geschrei, damit sie ihm Essen geben; Eltern manipulieren ihre Kinder durch Belohnung oder Strafe, damit sie machen, was sie sollen; Liebende manipulieren einander durch Zuwendung oder Liebesentzug. Und selbst dieses Wechselbad der Gefühle ist Manipulation, um die Liebe interessant zu halten. In Freundschaften, in der Freizeit, im Büro – überall setzt sich das fort. So gesehen ist selbst dieser Beitrag ein Manipulationsversuch: Ich schreibe einen neuen Artikel, in der Hoffnung, dass Sie ihn lesen – und mir dafür Aufmerksamkeit schenken. Kurz gesagt: Glaubt man der Hypothese, tun wir nichts ohne Berechnung, ohne Motiv. Das heißt nicht, dass uns das ständig bewusst wäre, aber eine Kalkulation steckt dahinter...

Manipulationsversuch: Lesen Sie weiter - hier gibt es was zu sehen

Anfangs überrascht einen diese These überhaupt nicht, geht sie doch vom Schlechten im Menschen aus, der nichts aus freien Stücken tut und schon gar nicht, ohne etwas dafür zurück zu bekommen.

Geben und Nehmen sind zwar ständig um Balance bemüht, erreichen sie aber nie. So geht das Spiel immer weiter. So funktioniert Kapitalismus. So funktioniert sogar der moderne Austausch in Sozialen Netzwerken: Jeder knüpft möglichst viele Kontakte – wer weiß, wozu die einmal gut sind.

Alles Manipulation: Freundschaftspflege aus Kalkül

Wer den Gedanken zulässt, entdeckt tatsächlich, wie viele Menschen andere und uns selbst manipulieren:

  • Selbst der Gutmensch ist am Ende nur gut, damit er Anerkennung erzielt oder ein Erleichterung für sein Gewissen.
  • Und warum reden Menschen am liebsten über sich, ihre Taten, Erfolge, Erlebnisse? Womöglich weil sie nach Wertschätzung gieren, nach Zuwendung, Liebe – vielleicht sogar nach Sex.

Inzwischen gibt es allerdings auch einige Psychologen, die von dieser Manipulations-Hypothese wieder abrücken. Sie sagen: Es wird zwar viel manipuliert, aber nicht alles ist bewusste Beeinflussung.

Wahrscheinlich war ihnen die Hypothese auch zu beängstigend. Denn was, wenn sie stimmt? Was wenn Selbstlosigkeit nur eine Illusion ist – und eben auch dieser Beitrag bloße Manipulation?

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