Was ist eigentlich wichtiger: Talent oder Selbstvertrauen? Gewiss, die Frage klingt zunächst völlig skurril. Schließlich kennt jeder von uns irgendwelche Windmaschinen, die zwar völlig talentfrei bis gänzlich unbegabt für ihren Job sind, vom Gegenteil aber fester überzeugt sind als Moses von den zehn Geboten. Bei allem Respekt für so viel Chuzpe – da wünscht man sich schon deutlich mehr Substanz bei seinem Gegenüber.

Nun ist das aber auch ein extremes Beispiel, und das Leben spielt sich denn auch mehr in dem mittleren Grau zwischen den beiden Polen Schwarz und Weiß ab. Und genau dort wird die Eingangsfrage interessant. So haben Wissenschaftler – Psychologen und Soziologen – in den vergangenen Jahren immer wieder das Phänomen nachweisen können, dass etwa Studenten in Prüfungen scheitern, wenn sie vorweg das Gefühl haben, zu versagen. Unser Gehirn fährt dann einfach runter – so, als wolle es Energie sparen, wenn schon vorher klar zu sein scheint, dass wir nicht gewinnen können. Umgekehrt ist es genauso: Wer in eine Klausur reingeht und davon überzeugt ist, gleich eine Eins zu schreiben, steigert seine Leistung enorm. Gut, derjenige schreibt vielleicht nicht wirklich eine Eins. Aber er schneidet deutlich besser ab, als wenn er seinen Sieg vorher nicht imaginiert.

Wie uns Stereotype beeinflussen

Spätestens an dieser Stelle kommen zusätzlich noch klassische Rollenklischees oder geschlechtsspezifische Stereotype ins Spiel. Die kennen Sie sicher: Männer können nicht zuhören, Frauen nicht einparken; Männer sind schlecht in Sprachen, Frauen können keine Mathe und haben ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen. Aber stimmt das?

Sie können es ja gleich mal ausprobieren: Die folgende Abbildung zeigt ein dreidimensionales Objekt. Zwei Varianten davon sind im Raum lediglich gedreht – zwei weitere sind zudem gespiegelt. Welche?

Der Test stammt freilich nicht von mir, sondern aus einer Studie (PDF) von Zachary Estes und Sydney Felker von der englischen Universität von Warwick. Die beiden untersuchten eben genau das: Welchen Einfluss haben Können oder Talent beziehungsweise Selbstvertrauen auf die tatsächliche Leistung?

Frauen sind genauso gut wie Männer – wenn sie das glauben

Um es kurz zu machen (und weil Sie das Ergebnis vermutlich schon ahnen): Bei dem obigen 3D-Test erzielten die Männer typischerweise und im Durchschnitt die besseren Ergebnisse. Manipulierten die Forscher allerdings das Selbstvertrauen ihrer Probanden, insbesondere das der Probandinnen, dann verschwand dieser Geschlechtsunterschied nahezu völlig:

On tasks that require the mental rotation of 3-dimensional figures, males typically exhibit higher accuracy than females. Using the mostcommon measure of mentalrotation (i.e., the Mental Rotations Test), we investigated whether individual variability in confidence mediates this sex difference in mental rotation performance. In each of four experiments, the sex difference was reliably elicited and eliminated by controlling or manipulating participants’ confidence. Specifically, confidence predicted performance within and between sexes (Experiment 1), rendering confidence irrelevant to the task reliably eliminated the sex difference in performance (Experiments 2 and 3), and manipulating confidence significantly affected performance (Experiment 4). Thus, confidence mediates the sex difference in mentalrotation performance and hence the sex difference appears to be a difference of performance rather than ability.

Oder mit anderen Worten: Selbstvertrauen ist ebenso wichtig wie Begabung.

Das ist freilich etwas anderes als das gängige Du-kannst-alles-was-du-willst-du-musst-nur-wollen-Tschakka-Mantra. Selbstbewusstsein ohne Talent macht einen nur zum Lautsprecher. Aber Begabung ohne Chuzpe eben auch nur zum Leisetreter. Wenn überhaupt.

Jetzt zwei Bücher gewinnen!

Gewinnen Sie jeden Tag zwei Bücher auf Karrierebibel! In unserem Adventskalender verlosen wir vom 1. bis 24. Dezember täglich zwei Überraschungsbücher – Sachbücher, Romane, Biografien, mutmachende und nützliche Bücher. Alles was Sie dazu machen müssen, ist in diesem Beitrag einen Kommentar zu hinterlassen (und eine E-Mail-Adresse zu hinterlegen – die nicht angezeigt wird). Unter allen Teilnehmern verlosen wir dann jeden Abend um 20 Uhr zwei Überraschungsbücher aus dem unten abgebildeten Pool an einen glücklichen Gewinner. Sie können zwar Wünsche äußern – eine Garantie, dass Sie auch die Bücher bekommen, die Sie wollen, gibt es aber nicht. Ebenso werden Umtausch oder Reklamationen ausgeschlossen. Einem geschenkten Gaul… und so. Und wer binnen 24 Stunden nicht auf unsere Mail mit der Frage nach seiner Adresse reagiert, dessen Gewinn verfällt leider zugunsten eines neuen Gewinners, der dann erneut gelost wird. Viel Glück beim Mitmachen!