Mansplaining
Das selbsternannte starke Geschlecht präsentiert sich gerne in der Rolle des immer bestens informierten Alphamännchens, das in jeder Situation brilliert und sich vor allem durch eine unumstößliche Fähigkeit auszeichnet: Er weiß mehr als Frauen. Dieses Naturgesetz des männlichen Denkens stellt er gerne bei möglichst jeder Gelegenheit zur Schau und erklärt seinen weiblichen Gesprächspartnerinnen - in der Regel vollkommen ungefragt und auch unerwünscht - was er über bestimmte Themen weiß. Als wäre dieser Charakterzug nicht bereits unangenehm genug, geraten viele Männer in ihrem Erklärungsdrang dabei an Frauen, die über ein viel größeres Wissen als sie selbst verfügen. Mansplaining nennt sich dieses Phänomen, dem besonders Frauen im Berufsalltag immer wieder ausgesetzt sind...

Was versteckt sich hinter dem Mansplaining?

goodluz/shutterstock.comDer Begriff des Mansplaining ist die Zusammenführung der beiden englischen Begriffe Man und explain und bedeutet damit im Grunde erst einmal nichts anderes als etwa männliche Erklärung oder auch die Erklärung von Männern. Ein scheinbar simpler Begriff, hinter dem sich jedoch ein weit verbreitetes Phänomen befindet, das gar nicht so leicht zu erklären ist.

Gemeint ist das typisch männliche Verhalten gegenüber Frauen, wenn es darum geht, ein Thema, ein Begriff oder irgendetwas anderes zu erklären - und zwar dann, wenn die Frau eigentlich über mindestens genauso viel Wissen verfügt, welches vom männlichen Zeitgenossen aber geflissentlich ignoriert wird. Es muss also ein wenig differenziert werden und nicht jede Erklärung eines Mannes - selbst wenn diese ungefragt kommt - ist automatisch als Mansplaining zu bezeichnen. An dieser Stelle dürfen alle Männer also kurz beruhigt aufatmen und sich freuen, auch weiterhin ihr Wissen vermitteln zu dürfen.

Vom Mansplaining spricht man tatsächlich nur dann, wenn der männliche Gesprachspartner sich als unbestreitbar allwissend und auf einem Themengebiet überlegen sieht, obwohl dies nicht der Fall ist. Der Unterschied lässt sich sehr schön an dem klassischsten aller Beispiele der männlichen Erklärungskunst verdeutlichen: Dem Abseits beim Fußball. Es ist ein für beide Geschlechter oft leidiges Thema, das von Vorurteilen durchsetzt ist. Handelt es sich also um Mansplaining, wenn ein Mann versucht, seiner Frau die Abseitsregel zu erklären? Das lässt sich so einfach nicht beantworten.

Entscheidend ist, über welches Wissen die Frau bereits verfügt. Interessiert sie sich bisher überhaupt nicht für Fußball, handelt es sich um eine normale Erklärung, die vielleicht sogar nett gemeint ist, um der Gesprächspartnerin den Sport näher zu bringen. Hat die Dame jedoch selbst jahrelang Fußball gespielt und sogar die Lizenz als Schiedsrichterin gemacht, was die Herren der Schöpfung aber einfach ignorieren, ist man beim Mansplaining angekommen.

Was bei solch einem Thema vielleicht noch lustig erscheinen mag, wird im Berufsleben jedoch sehr schnell ernst, wenn männliche Kollegen den Frauen am Arbeitsplatz ihren Beruf erklären wollen, obwohl diese vielleicht über eine bessere Ausbildung und auch mehr Erfahrung im Job verfügen.

Eine Anekdote zum Ursprung des Mansplaining

Die Erfindung des Begriffs Mansplaining wird der Amerikanerin Rebecca Solnit zugeschrieben, die damit eine vielsagende Anekdote verbindet. Laut eigenen Erzählungen erzählte ihr ein Mann auf einer Feier von einem unglaublich spannenden Buch über einen Fotografen. Er schwärmte Solnit davon vor, gab ihr den Ratschlag, das Buch unbedingt zu kaufen und versuchte diverse Informationen aus dem Buch und über den Fotografen zu erzählen. Immer wieder versuchte Rebecca Solnit ihn zu unterbrechen, um ihm etwas mitzuteilen, doch der Mann war nicht aufzuhalten und redete immer weiter auf die Frau ein.

Als der Herr endlich fertig war, sie zum Thema Fotografie zu belehren und ihr alles seiner Meinung nach Relevante erklärt zu haben, offenbarte sie ihm, dass sie die Autorin von eben jenem Buch ist, von dem er die ganze Zeit redete.

Der Grundstein des Mansplaining war gelegt und so machte sich die Autorin daran, über genau dieses Thema ein Buch zu schreiben, dass den Begriff in die Welt hinaustrug.

Mansplaining ist nicht nur nervig, sondern kann zum echten Problem werden

dotshock/shutterstock.comFür Frauen ist das Mainsplaining nervig. Ständig muss man sich Erklärungen zu etwas anhören, dass man längst kennt oder beherrscht und wenn man versucht, den Gegenüber zu stoppen, werden die Einwände in den meisten Fällen einfach übergangen. Nun könnte man sich damit abfinden und versuchen, die lästigen und unnötigen Belehrungen einfach zu überhören, doch selbst das ist nicht so leicht, denn wenn etwas erklärt wird, möchte man(n), dass der andere sich auch etwas davon annimmt. Ansonsten müssen sich Frauen auch noch anhören, dass sie keine Ratschläge annehmen oder sich gar für etwas besseres halten. Eine schwierige Situation, die viele Frauen einschüchtert und dazu führt, dass erst einmal gar nichts gesagt wird.

Stattdessen wird fleißig dem Monolog gelauscht, obwohl man eigentlich bereits alles kennt, was dort als wichtige Information präsentiert wird. Beim Mansplaining sind viele Männer leider taub für Erklärungen und den Hinweis, dass man bereits alles weiß, was einem aufgetischt wird. Die besten Chancen, um etwas dagegen zu unternehmen, haben Frauen, wenn Sie dem Mann in seinem selbst erklärten Fachgebiet auf Augenhöhe begegnen. Anstatt nur zu sagen, dass Sie all diese Dinge bereits wissen, steigen sie voll ins Thema ein und erklären Sie Ihrerseits etwas, von dem Ihr Gesprächspartner bisher nichts wusste.

Damit zeigen Sie nicht nur Ihr Wissen, sondern haben auch gute Chancen, das Mansplaining Ihnen gegenüber in die Schranken zu weisen.

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