Es ist ein natürliches und auch nachvollziehbares Bedürfnis: Wir alle wollen für unsere Arbeit geschätzt werden. Doch in den meisten Fällen mindestens genauso wichtig ist es, für die geleistete Arbeit angemessen bezahlt zu werden. Vielen Arbeitnehmern fällt es allerdings schwer, den eigenen Marktwert zu bestimmen und so verkaufen sich viele unter Wert, aus Angst, durch zu hohe Gehaltsforderungen unprofessionell oder sogar gierig zu erscheinen. Wer seine Arbeit aber zu günstig anbietet, wird jeden Monat frustriert sein, wenn er auf die Lohnabrechnung schaut - und schadet sich damit langfristig, da es viele Jahre dauern kann, bis durch Gehaltserhöhungen endlich der eigentliche Marktwert widergespiegelt wird. Bescheidenheit bringt Sie also bei der Bestimmung des eigenen Marktwertes nicht weiter. Stattdessen sollten Sie realistisch bleiben und sich nicht verstecken. So werden Sie sich nicht mehr unter Wert verkaufen...

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Marktwert: Für wen ist er wichtig?

Die einfache Antwort: Für jeden! Zugegeben gibt es einige Branchen oder Berufsfelder, in denen der eigene Marktwert eine größere Rolle spielt, doch im Endeffekt entscheidet der Marktwert darüber, wie viel ein Arbeitgeber oder auch ein Kunde bereit ist, für die Leistung zu bezahlen.

Wer also hier eine falsche Vorstellung von sich selbst hat, signalisiert seinem Gegenüber nicht nur, dass die eigene Arbeit nicht viel wert ist, sondern verschenkt im schlimmsten Fall eine Menge bares Geld.

Denn es ist nicht zu erwarten, dass Ihnen eine höhere Bezahlung angeboten wird, wenn Sie sich bereits mit einem geringeren Angebot einverstanden erklären. Besonders wichtig ist der Marktwert bei...

  • Selbstständigen.

    Wer sich mit der eigenen Firma selbstständig macht, muss immer auch in der Lage sein, den Wert der eigenen Leistung zu messen. Ähnliches gilt für Freiberufler. In beiden Fällen versucht man mit der eigenen Arbeit Kunden zu gewinnen. Dies kann aber nur gelingen, wenn vorher realistisch beurteilt wurde, welchen Wert die eigene Leistung eigentlich hat.

    Um die Konkurrenz auszustechen versuchen zwar viele, einen günstigen Preis anzubieten, doch wer es hier übertreibt, schadet sich nur selbst, arbeitet nicht mehr profitabel und wird obendrein unzufrieden mit der Situation.

  • Gehaltsverhandlungen.

    Auch Arbeitnehmer können davon profitieren, ein gutes Verständnis vom eigenen Marktwert zu haben. Früher oder später kommt es in jedem Beruf zu Gehaltsverhandlungen - entweder schon bei der Einstellung oder im weiteren Verlauf, wenn Sie einige Zeit im Unternehmen tätig waren. Wer sich hier des eigenen Wertes nicht bewusst ist und untertreibt, verschenkt möglicherweise hunderte Euro monatlich.

    Ein Gespür für den eigenen Marktwert zu haben hilft außerdem dabei, im Gehaltsgespräch entsprechend aufzutreten und sich nicht mit einem Angebot abspeisen zu lassen, dass nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Wer unsicher ist, nimmt, was er kriegen kann - wer seinen Marktwert kennt, hat eine starke Verhandlungsposition.

Doch wie können Sie es schaffen, Ihren Marktwert nicht zu unterschätzen, ohne dabei gleich zu übertreiben oder gierig zu wirken?

Marktwert Test: Wovon hängt der eigene Wert ab?

Was ist mein Marktwert? Eine Frage, die sich die meisten Arbeitnehmer eher selten stellen. Vermutlich geht es Ihnen dabei wie vielen anderen auch: Mit Ihrem Gehalt sind Sie mehr oder weniger zufrieden, sicherlich könnte es ein bisschen mehr sein und gerade an stressigen Arbeitstagen wünschten Sie sich eine höhere Bezahlung, doch der Gedanke an die nächste Gehaltserhöhung kann darüber hinweg trösten.

Wirklich mit dem eigenen Marktwert auseinandersetzen? Das tun in der Regel nur Berufseinsteiger, die frisch von der Uni oder aus der Ausbildung kommen. Diese wollen noch wissen, was die eigenen Fähigkeiten wert sind und mit welchem Gehalt zurechnen ist. Ein Interesse, das mit den Jahren oftmals verloren geht.

Ein Fehler! Gerade mit der Zeit entwickelt sich Ihr Marktwert stetig weiter - und sie sollten diese Entwicklung verfolgen. Erfahrung, Arbeitgeberwechsel, Erfolge... Viele Dinge beeinflussen Ihren Marktwert nachhaltig:

  • Ausbildung und Studium
  • Berufserfahrung
  • Erzielte Erfolge
  • Nachweise über Fort- und Weiterbildungen
  • Image der bisherigen Arbeitgeber
  • Besondere Fähigkeiten und Know How
  • Ihr Ruf in der Branche

Bleiben Sie auf dem Laufenden, was die Entwicklung der Gehälter in Ihrer Branche und für Arbeitnehmer mit Ihren Qualifikationen angeht. Sie können sich auch Ihren persönlichen Gehaltsreport erstellen lassen, um ein Gefühl für Ihren Marktwert zu bekommen:

Wie können Sie Ihren Marktwert herausfinden?

Zusätzlich gibt es viele weitere Wege, um Ihren Marktwert herauszufinden oder diesem zumindest näher zu kommen. Dabei gilt jedoch in jedem Fall: Bleiben Sie ehrlich zu sich selbst. Natürlich können Sie die eigenen Qualifikationen ein bisschen verbessern, um das Ergebnis zu frisieren und am Ende das Gefühl zu haben, einen höheren Marktwert zu besitzen - doch bringt Sie das auch nicht weiter, wenn kein Unternehmen bereit ist, Ihre dadurch überzogenen Vorstellungen in die Realität umzusetzen.

Besser ist es, einen realistischen Marktwert zu ermitteln und in der Gehaltsverhandlung passende Argumente vorzubringen, die eine höhere Zahl entsprechend rechtfertigen. Bevor es soweit ist, müssen Sie jedoch erst einmal wissen, wo Ihr Marktwert liegt. Das klappt so:

  • Sprechen Sie mit Kollegen, Freunden und Kontakten

    Das Thema ist nicht immer ganz leicht, doch wenn Sie gute Freunde oder (ehemalige) Kollegen haben, mit denen Sie sich gut verstehen, kann dies eine einfache Quelle sein, um eine erste Idee für den eigenen Marktwert zu bekommen. Hier macht sich auch ein großes Netzwerk bezahlt, da es die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Sie jemanden kennen, der Ihnen Auskunft geben kann.

    Gleichzeitig ist aber auch ein wenig Vorsicht geboten: Zum einen sind diese Informationen nicht zu 100 Prozent verlässlich. Möglicherweise hat Ihr Kontakt selbst schlecht verhandelt und erhält ein zu niedriges Gehalt. Außerdem müssen Sie immer darauf achten, passende Freunde oder Kollegen auszuwählen. Nur selten sind Berufserfahrung und Qualifikationen wirklich gleich. Das kann zu Unterschieden führen.


  • Nutzen Sie online Portale

    Zahlreiche Anbieter haben inzwischen die Nachfrage erkannt und haben einen entsprechenden Service in ihr Angebot aufgenommen. Um die Ergebnisse zu ermitteln werden große Datenmengen analysiert und über eine Suche für Sie als Nutzer zugänglich gemacht.

    Oft reicht es dann schon aus, dass Sie Ihren Jobtitel eingeben, um einen durchschnittlichen Marktwert zu erhalten. Beachten Sie aber, dass in der Regel eine Gehaltsspanne angegeben wird, in der sich Ihr Marktwert befindet. So ist durchaus möglich, dass Sie die Information 2.000 Euro bis 3.000 Euro erhalten oder aufs Jahreseinkommen gerechnet zwischen 24.000 Euro und 36.000 Euro. Das sind große Abstände, in denen Sie sich selbst noch genauer einordnen müssen.

    Um Ihnen dabei zu helfen, Ihren Marktwert zu ermitteln, haben wir noch einige der bekanntesten Portale für Sie aufgelistet:

    • gehalt.de - Hier erhalten Sie ein schnelle Übersicht über Ihren durchschnittlichen Marktwert, aufgeteilt nach unterschiedlichen Berufsbezeichnungen.
    • gehaltsvergleich.com - Dieses Portal bietet zusätzlich die Möglichkeit, Ihren Ort oder das Bundesland einzugeben und diese Informationen zu berücksichtigen.
    • absolventa.de - Vor allem an Uni-Absolventen gerichtet können Sie hier das Einstiegsgehalt und den Marktwert nach einem Studium ermitteln.
    • nettolohn.de - Neben dem durchschnittlichen Marktwert für einen Beruf können Sie sich hier auch einen Gehaltsvergleich für einzelne Städte anzeigen lassen.


  • Halten Sie die Augen nach Informationen offen

    Wenn Sie Ihren Marktwert ermitteln wollen, müssen Sie recherchieren und auf dem Laufenden bleiben. Recht einfach haben es dabei Mitarbeiter im öffentlichen Dienst oder andere Arbeitnehmer, die nach Tarif bezahlt werden. Diese können einfach in die entsprechende Entgelttabelle gucken und wissen sofort, wie viel Sie verdienen und wie hoch der Marktwert nach wie viel Jahren Berufserfahrung und mit welcher Qualifikation ist.

    Doch auch wenn diese Tabellen für Ihren Beruf nicht relevant sind, sollten Sie immer die Augen offen halten. Es werden regelmäßig Studien und Umfragen zu den unterschiedlichsten Berufen und Branchen durchgeführt, die sich mit dem Gehalt beschäftigen. Wer hier die Augen offen hält und sich die Mühe macht, ein wenig zu suchen, findet zu fast jedem Beruf Informationen, die er nutzen kann, um den eigenen Marktwert zu ermitteln.


So verkaufen Sie sich nicht unter Wert

Das Wichtigste vorweg: Ja, den eigenen Marktwert zu unterschätzen stellt Ihr Licht unter den Scheffel und gleichzeitig kostet es Sie Geld in Form einer geringeren Bezahlung. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie einen beliebigen Wert für die eigenen Leistungen beanspruchen können. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Verhandlungspartner in der Regel gut vorbereitet und informiert sind. Soll heißen: Sie sind sich durchaus bewusst, in welchem Bereich eine angemessene Gehaltsvorstellung - oder bei Selbstständigen ein angemessener Preis - liegt.

Ihre beste Möglichkeit ist es daher, ebenso vorbereitet aufzutreten und mit gut durchdachten Argumenten aufzuzeigen, weshalb Ihre Leistung dem genannten Wert entspricht. Mit diesen sieben Tipps gelingt es Ihnen, sich nicht mehr unter Wert zu verkaufen.

  1. Vergleichen Sie sich mit anderen

    Natürlich nicht während einer Gehaltsverhandlung - das wäre unprofessionell und unkollegial. Stellen Sie diese Vergleiche bereits frühzeitig an. Holen Sie sich beispielsweise Informationen über die branchenübliche Bezahlung, um einen Ausgangspunkt der Verhandlung zu finden. Vergleichen Sie dann auch Ihre eigenen Fähigkeiten mit denen anderer.

    Was bringen Sie mit, was andere nicht haben? Steigt durch diese Fähigkeiten Ihr Marktwert, rechtfertigt dies auch eine höhere Bezahlung und kann in der Verhandlung als Argument angeführt werden. Je genauer Sie beschreiben können, was Ihren Wert ausmacht, desto besser können Sie diesen in einer Verhandlung vertreten und das Risiko, dass Sie sich unter Wert verkaufen, sinkt.


  2. Machen Sie sich Ihre Ausbildung bewusst

    Bevor Sie Ihre berufliche Laufbahn angetreten haben, lag Ihr Fokus auf einer guten Ausbildung. Sie haben sich in der Schule bemüht, waren vielleicht studieren, haben eine Ausbildung oder Praktika absolviert und erste Berufserfahrung gesammelt. All das trägt zu Ihrem Marktwert bei. Oft verkaufen wir uns unter Wert, weil wir uns für nicht gut genug halten.

    Werden Sie wieder einmal von diesen Zweifeln eingeholt, denken Sie zurück an die anstrengende Ausbildung oder die harten Prüfungsphasen an der Universität. Sie haben also keinen Grund Ihren Marktwert klein zu reden - das werden andere schon oft genug versuchen.


  3. Seien Sie nicht zu streng zu sich selbst

    Sich selbst schlecht zu machen ist immer einfacher, als Makel bei Kollegen oder anderen Mitarbeitern zu finden. Der einfache Grund: Niemand kennt die eigenen Schwächen besser als Sie selbst. Dementsprechend kritisch gehen Sie mit sich selbst ins Gericht und wiegen jedem noch so kleinen Fehler eine große Bedeutung zu. Seine Schwächen zu kennen und daran zu arbeiten ist gut, für den eigenen Wert sollten Sie sich aber auf Ihre Stärken konzentrieren.

    Ihr Marktwert bestimmt sich durch das, was Sie besonders gut können und was Sie auszeichnet - nicht durch Ihre Defizite, die jeder andere auch hat. Nur weil Sie in der Vergangenheit einen Patzer gemacht haben oder in manchen Bereichen noch Verbesserungsmöglichkeiten sehen, müssen Sie sich nicht gleich unter Wert verkaufen.


  4. Betrachten Sie die Situation realistisch

    Viele fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, den Wert ihrer eigenen Arbeit zu nennen. Schnell entsteht das Gefühl man sei eingebildet oder überschätze den eigenen Wert. Doch bleiben Sie bei der Betrachtung realistisch: Auf dem Arbeitsmarkt bieten Sie Ihre Leistungen an und haben das Recht, eine angemessene Bezahlung zu erwarten.

    Sie sind kein Bittsteller an Ihren Arbeitgeber, sondern ein gleichberechtigter Vertragspartner. Und als solcher steht es Ihnen natürlich zu, die Konditionen des Arbeitsvertrages mit auszuhandeln. Kein Grund zum Duckmäusertum und Kopfeinziehen, um niemandem auf die Füße zu treten.


  5. Fragen Sie nach konstruktivem Feedback

    Feedback aber auch Kritik ist immer ein guter Weg, um etwas über den eigenen Marktwert zu erfahren. Sind Ihre Kollegen, Ihr Vorgesetzter oder Ihre Kunden immer zufrieden mit Ihrer Arbeit? Finden Ihre Leistungen große Zustimmung und viele Befürworter, ist dies auch ein gutes Zeichen für einen gestiegenen Marktwert.

    Erhalten Sie allerdings in letzter Zeit eher negatives Feedback, ist es an der Zeit, diesen Trend wieder umzukehren und so an Ihrem Marktwert zu arbeiten. Vielleicht gibt es entsprechende Weiterbildungen, die nicht nur Ihre Leistungen, sondern Ihre gesamte Qualifikation verbessern und langfristig Ihren Wert steigern. Wer auf dem aktuellen Stand ist und Wissen über neue Entwicklungen und Technologien verfügt, ist der Konkurrenz voraus und kann sich entsprechend verkaufen.


  6. Treten Sie selbstbewusst auf

    Zum Schluss noch ein Tipp, der vielleicht offensichtlich erscheint, jedoch immer noch zu häufig unbeachtet bleibt. Sie können Ihren eigenen Marktwert nur glaubwürdig vertreten, wenn Sie dabei selbstbewusst auftreten. Glauben Sie an Ihre Fähigkeiten und zeigen Sie durch Ihr Auftreten, dass Sie von sich und Ihren Leistungen überzeugt sind und sich über Ihren Marktwert im Klaren sind.

    Je mehr Fakten und Informationen Sie gesammelt haben, desto leichter wird es Ihnen fallen, jeden Versuch, Ihren Marktwert zu drücken, im Keim zu ersticken. Lassen Sie am besten erst gar keine Zweifel aufkommen, denn entsteht einmal der Eindruck, dass Sie selbst nicht an Ihren Wert glauben oder diesen nicht kennen, werden Sie es nur noch schwer schaffen, Ihren Gegenüber vom Gegenteil zu überzeugen.

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