Einst galt er als Turbo für Manager-Karrieren. Doch spätestens mit der Wirtschaftskrise ist der Lack am MBA ab. Gewiss, der MBA-Titel galt schon vorher als vergleichsweise teuer, elitär und obendrein verdächtig eintönig: viel Theorie, viele Fallstudien pauken, Management nach Schema F. Doch schaut man sich die Finanzskandale der Vergangenheit an, stellt man fest: Viele der verantwortlichen Manager hatten einen MBA.
Zum Beispiel Richard Fuld, Ex-Chef der insolventen Investmentbank Lehman Brothers. Er machte seinen MBA an der Stern School of Business in New York. Oder John Thain, ehemals Vorstandsvorsitzender von Merrill Lynch. Seinen MBA absolvierte er an der renommierten Harvard Business School (HBS). Oder Vikram Pandit, Ex-Chef der Citigroup, die Milliardenverluste schreibt. Er besitzt einen Doktortitel und MBA der Columbia Business School. Henry Mintzberg, Autor des Buches „Managers, not MBAs“, der in Kanada an der McGill-Universität lehrt, untersuchte vor einigen Jahren die Werdegänge von 19 Vorständen, allesamt HBS-Absolventen. Das erschütternde Ergebnis: Zehn von ihnen mussten wegen Misserfolgs gehen oder führten ihre Unternehmen direkt in die Pleite. Nur fünf machten anständige Arbeit.
Das wirft Fragen auf: Taugt der Titel überhaupt etwas? Lohnt sich der Abschluss langfristig? Oder wird er gar zum Malus?
Und tatsächlich: Wie eine Studie zeigt, wird der MBA zunehmend unbeliebter: 56 Prozent der Business Schools melden aktuell einen Rückgang der Jobangebote für MBA-Absolventen um mehr als 10 Prozent. Die Business Schools mit ihren klangvollen Namen haben die Gefahr erkannt – und denken eiligst um. Schließlich können sie es sich nicht leisten, mit Misserfolg in Verbindung gebracht zu werden. Wie die Reaktionen aussehen, beschreibt mein Kollege Max Haerder in der WirtschaftsWoche. Einen ersten Vorgeschmack liefert aber schon das Aspen-Institut, ein angesehener amerikanischer Thinktank. Das Institut hat Daten über mehr als 120 Business Schools weltweit gesammelt und kommt zu dem Ergebnis, dass schon jetzt zwei Drittel aller Schulen Pflichtkurse mit gesellschaftlichen Inhalten einrichten. Das Angebot an Umweltthemen hat in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent zugenommen. Insgesamt mehr als ein Viertel bietet sogar einen Schwerpunkt in den Bereichen Soziales oder Umweltmanagement an.
Allerdings: Ein paar Ethik-Kurse anzubieten, kann auch eine reine Alibi-Veranstaltung sein. Es ist ein guter Anfang, mehr aber auch nicht. Damit das Thema „gesellschaftliche Verantwortung“ nicht bloß eine weitere theoretische Fallstudie bleibt, muss den Studenten auch praktisch klar werden, dass sie das Studium nicht allein dazu befähigen soll, künftig in höchste Hierarchieebenen aufzusteigen, um dann Millionengehälter zu kassieren. Es geht vielmehr darum, nachhaltige Werte zu schaffen und Werte zu leben.







Julian Valkieser
Auch wenn es sich naiv anhört, vielleicht auch ein wenig oberflächlich. Aber nicht nur im Artikel erwähnte Thesen könnten der Grund für das “Versagen” sein. Meine rhetorische Frage um hier ein Querdenken anzuspornen ist folgende: “Wie viel müssen denn die Studenten einer Business School monatlich bezahlen, um dort studieren zu dürfen?” Stichwort: Erziehung, Arroganz, Ignoranz & soziale Kompetenz
Ist es vielleicht so, dass jemand im Studium schon zu alt ist um diese nötigen Skills zu erlernen?
Jochen Mai
Ich ahne worauf Sie hinaus wollen. Und Sie haben natürlich Recht: Anstand und Verantwortungsgefühl sind keine Tugenden, die man erst postgraduell lernen könnte. Die hohen Studiengebühren haben darauf aber nur einen marginalen Einfluss. Nach meinem Empfinden dienen sie eher dazu, den Wert des Studiums subtil zu unterstreichen sowie noch einmal Bewerber auszusieben. Die müssen deswegen aber nicht anständiger oder skrupelloser sein als andere.
Menachem
Im großen und ganzen bin ich nicht so sehr der Freund von Untersuchungen, aber hier gebe ich zu, sind nachdenkenswerte Neuigkeiten erkannt worden. So, das war die gute Nachricht, Jochen, und wo bleibt die schlechte :)
Der Unterschied ist z.B.
habe ich, wie zur Zeit, keine ausreichende Arbeit in der Firma, muss als erstes ich den Gürtel enger schnallen. Dann kommt noch lange vieles anderes, und erst ganz am Schluß der Kette, sind es die Mitarbeiter.
Bei dem MBA-Hütchen müssen als erstes die Mitarbeiter den Gürtel enger schnallen, dann kommt noch lange vieles anderes, und dann am Ende der Kette kommen evtl. sie selber.
Der Mechanismus ist bei uns Kleinen ein anderer, um nicht vom Markt zu verschwinden. Und diesen Lernprozess muss ich aus meinem persönlichen Einkommen zahlen – und das tut weh. So funktioniert halt meist das Lernen.
Julian Valkieser
@ Menachem: Oder so ausgedrückt. Es ist nur Schade das viele der im Artikel angesprochenen MBAs diesen Ihren Schritt überspringen konnten, dadurch dass sie zu viel in die Wiege gelegt bekamen.
Wenn ich mich als “normaler” Student der technischen BWL mit Bekannten an Business Schools unterhalte, erfahre ich immer wieder etwas über falsch angelegte operante Konditionierungen. Von Seiten der Eltern, nennt sich Gucci, Prada & co. und das zu jeder Tageszeit, egal wie Noten ausschauen… Wie soll denn so jemand erahnen können, dass eine Entscheidung in die falsche Richtung gehen wird? Natürlich darf man auch hier nicht verallgemeinern, aber es gibt den ein oder anderen der kritisiert werden muss.
Ich selber komme aus verhältnismäßig gut situiertem Haushalt, erhalte aber nur einen Grundstock und für meinen “Luxus” muss ich selber aufkommen. Auf die Nase gefallen bin ich daher schon öfter. Ich weiß, dass ich mein Geld nicht neben dem Toaster aufbewahren sollte.
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