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8 von Jochen Mai am 20. Mai 2008 → Artikel in Büro
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Mea culpa – Was tun, wenn Sie einen Fehler gemacht haben?

Okay, Sie haben einen Riesenfehler im Job gemacht, spüren die Panik im Nacken und fragen sich: Was nun? Nur die Ruhe, ich bin bei Ihnen! Spontane Reaktionen machen es meist nur noch schlimmer. Deshalb: Atmen Sie ruhig durch, sagen Sie zunächst nichts und lassen Sie uns die Sache zusammen der Reihe nach durchgehen:

  1. Fatal wäre es jetzt, das Problem zu ignorieren, Motto: Alles halb so schlimm und morgen ist auch noch ein Tag. So entstehen Katastrophen. Spielen Sie den Fehler ebenso auf keinen Fall herunter. Sie haben Mist gebaut und sind aufgeflogen. Jetzt alles klein zu reden, alarmiert Ihren Chef noch mehr, und er bekommt den Eindruck, dass Sie das wahre Ausmaß nicht einmal selbst erkennen. Noch schlimmer daran ist allerdings, dass Sie so aussehen wie jemand, der keine Verantwortung für die Malaise übernehmen will. Und das diskreditiert Sie für so ziemlich jeden künftigen Führungsjob.
  2. Das Ganze zu Verschleiern bringt übrigens auch nichts. Früher oder später kommt alles ans Licht – und dann haben Sie ein veritables Vertrauensproblem: Sie haben schon einmal alle hinters Licht geführt, wer weiß, welche Leichen noch in Ihrem Keller liegen?! Vergessen Sie also Ihr Pokerface. Sie wollen schließlich nach dieser Partie auch weiterhin im Team mitspielen.
  3. Verschaffen Sie sich jetzt erst einmal einen genauen Überblick: Wer, was, wann, wo, warum? Analysieren Sie das Problem: Was ist schief gelaufen? Wie konnte das passieren? Waren Sie schlampig, unaufmerksam oder haben Sie einfach nur falsch und zu schnell reagiert? Denken Sie jetzt bitte nicht an die Folgen, die womöglich drohende Kündigung oder so was – so schwer das auch fällt. Entscheidend ist doch: Ist es ein einmaliger Fehler, der sich unwahrscheinlich wiederholen wird, ein systemimmantentes Problem (beides nicht ganz so schlimm) oder lag es an Ihrer laxen Arbeitseinstellung (das wäre allerdings ein Problem)?
  4. Erst jetzt sagen Sie Ihrem Boss umgehend, dass etwas und was genau passiert ist. Übernehmen Sie die Verantwortung und entschuldigen Sie sich dafür. Alles bitte ohne jedwede Ausflüchte oder Rechtfertigungen (Umstände, Bad-Hair-Day, …) , die die Schuldfrage nur verlagern sollen. Das wirkt verantwortungslos. Ganz schlecht: Kollegen anschwärzen. Hatten Sie die Verantwortung für das Projekt oder dessen Leitung? Dann ist es Ihre Schuld. Aber auch sonst: Egal, welche Rolle Sie im Team spielen – beweisen Sie Rückgrat!
  5. Versuchen Sie bei allem Ihre Emotionen so weit wie möglich zu beherrschen und packen Sie die schlechte Nachricht bloß nicht in Watte. Das Manöver durchschauen Chefs sofort. Und tränenreiche Selbstkasteiungen, wie in Japan üblich, will hierzulande keiner sehen. Dann wirken sie zudem souverän.
  6. Erklären Sie lieber, wie es dazu kommen konnte. Das unterstreicht Ihr Analysepotenzial. Zugleich kann Ihr Chef so eine mögliche Fehlerquelle identifizieren und künftig ausschalten. Aber machen Sie nicht zu viele Worte dabei, denn das könnte auch wieder als Ablenkungsmanöver interpretiert werden. Kurze knappe Hauptsätze sind genau richtig.
  7. Bieten Sie zum Abschluss noch eine Lösung oder Wiedergutmachung an. Zumindest aber einen Weg, um das Folgeproblem in den Griff zu bekommen. Das unterstreicht erneut, dass Sie die Verantwortung übernehmen, aber auch, dass Sie sich für das Wohl des Unternehmens stark machen – und jetzt nicht nur das eigene Überleben im Sinn haben.



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1. Kommentar

Erfolgs-Blogger
20.05.08 um 12:56 Uhr

… an alle Chefs:

Als ein Marketing Manager von Herrn Wrigleys einen hohen fünfstelligen Betrag (sagen wir 80.000 Dollar) versenkt hatte, packte er seinen Kiste (USA eben), ging zum Chef, um zu beichten und sich zu verabschieden. Doch Herr Wrigleys nahm die Kündigung nicht an und sprach: “Ich habe eben 80.000 Dollar in Deine Ausbildung investiert! Jetzt geh zurück an Deinen Arbeitsplatz und schau zu, dass sich meine Investition auch bezahlt macht!”

Einen loyaleren und motivierteren Mitarbeiter hätte Herr Wrigleys niemals finden können.

Herzlichst Guido

2. Kommentar

Jochen Mai
20.05.08 um 13:04 Uhr

@Guido: Die Geschichte kenne ich nicht, aber sie erinnert mich verdächtig an diese dokumentierte frühere Version von IBM-Gründer Tom Watson:

Als einer seiner Mitarbeiter einen schweren Fehler beging, kostete ihn das 600.000 US-Dollar. Daraufhin fragte man Watson, ob er den Mitarbeiter nicht feuern wolle, was Watson vehement verneinte. Er sagte nur: „Ich habe gerade 600.000 Dollar in seine Ausbildung investiert. Warum sollte jemand anderes diese Erfahrung gratis bekommen?“

3. Kommentar

Der Karriere Berater
21.05.08 um 08:40 Uhr

Tolle und hilfreiche Seite! Ich denke aber, dass bei vielen Unternehmen(und Menschen) im deutschsprachigen Raum keine “Kultur des Fehlermachens” vorhanden ist. Fehler zu machen bedeutet im Idealfall ja auch zu lernen und den eigenen Wert zu erhöhen. Da wir aber seit der Grundschule mit dem drohenden Rotstift (voller Fokus auf Fehler) aufwachsen, sehen wir Fehler meist als persönliches Versagen. Ein Kurs über Mut und Selbstwert wäre gut.

4. Kommentar

Bene
21.05.08 um 14:56 Uhr

Sinnvolle Hinweise, die sich nicht nur auf das Arbeitsleben beschränken!

5. Kommentar

Jochen Mai
22.05.08 um 11:18 Uhr

@Karriereberater: Stimmt. Nur, dass ich die Kultur des Fehlermachens lieber Kritik- oder Lernkultur nennen würde. Schließlich wollen wir das Fehlermachen ja nicht kultivieren, sondern eher vermeiden. Ansonsten: Ich glaube, dass man eine noch so gute Managementkultur pflegen kann, am Ende ist es eine Frage der Reife und Persönlichkeitsentwicklung, ob man gelernt hat, seine Fehler zuzugeben, Verantwortung zu übernehmen – und seinen Stolz zu überwinden, dass man eben nicht gottgleich sondern imperfekt ist.

@Bene: Wohl wahr.

6. Kommentar

Der Karriere Berater
29.05.08 um 07:51 Uhr

@Bene: Richtig, ist eine Frage der Reife. Aber solange die Angst Fehler zu machen, größer ist als das Verlangen vorwärts zu kommen und Erfolg zu haben, steht man emotional auf der Bremse. Wenn ich Fehler als Helfer zu einer steten Verbesserung sehe, tue ich mir auch leichter sie zuzugeben.

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