Praktisch soll sie sein, übersichtlich gestaltet, leicht zu navigieren und natürlich sollen die Inhalte einer Webseite umfangreich sein und sofort zu erfassen sein, aber ohne den Nutzer zu verwirren. Alles bekannt. Aber reicht das auch schon, um eine erfolgreiche Webseite zu publizieren? Nein, sagt Meinald Thielsch von der Arbeitseinheit für Psychologische Diagnostik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Tatsächlich spiele die Ästhetik bei der Bewertung von Webseiten “eine wichtige Rolle”.

Farbe, Typografie, Bildsprache, Animation und Formgestaltung machen das Gesicht einer Webseite aus. Dabei handelt es sich aber nicht um reine Geschmacksfragen. Schönheit werde zwar von jedem individuell wahrgenommen, doch stimmten Schönheitsurteile insgesamt für eine Gruppe von Personen gut überein. Mehr noch: Schönheitsurteile hätten laut Thielsch zwei interessante Eigenschaften – sie seien schnell und relativ stabil. Seinen Forschungen zufolge sollten Seitenbetreiber die Ästhetik – neben Inhalten und Benutzerfreundlichkeit – nicht unterschätzen.

Bei seinen Versuchen erhielten mehr als 500 Probanden konkrete Surfaufgaben für 40 verschiedene Webseiten. Beobachtet und befragt wurden sie dazu, wie ihr erster Eindruck der Seite ist, ob sie mit dem Angebot insgesamt zufrieden seien und ob sie die Seite wieder besuchen oder gar weiterempfehlen würden. Ergebnis: Der erste Eindruck wurde entscheidend von der Ästhetik beeinflusst. Damit spiele Schönheit eine wichtige Türöffner-Funktion und beeinflusst, ob Nutzer dort bleiben. Auch bei der Gesamtzufriedenheit bleibe “der Einfluss der Ästhetik auf einem hohen Niveau”, sagt Thielsch. Lediglich bei den Fragen, ob die Teilnehmer die Seite wieder besuchen oder weiterempfehlen würden, spielte die Ästhetik nur noch eine untergeordnete Rolle.

Interessant: Die Farbe hatte den größten Effekt. Ein tiefes, gesättigtes Blau kommt bei den Nutzern am besten an. Farbdreiklänge und der Einsatz von leerem Raum wirken ebenfalls ansprechend.