Geld ist nicht alles: Die aktuellen Berufseinsteiger erwarten mehr als ein attraktives Einkommen. Sinnvolle Arbeitsinhalte sind ihnen genauso wichtig wie Perspektiven und ein ausgewogens Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben. Das ist neu. Ebenso ihr Auftreten: Wagten frühere Generationen nicht, Forderungen zu stellen, um bloß den Berufseinstieg nicht zu gefährden, treten die Millenials selbstbewusst auf: Sie wissen, dass Sie gefragt sind.

Schließlich kommt ihnen der demografische Wandel zugute: Der absehbare Rückgang der verfügbaren Arbeitskräfte zwingt Unternehmen dazu, Hochqualifizierten attraktive Angebote zu machen, um sie ins Unternehmen zu locken – und sie so den Mitbewerbern zu entziehen. doch das ist erst der Anfang: Noch größer werden die Anstrengungen, wenn es gilt, diese High Potentials auch zu halten. Denn die Digital Natives sind wechselbereiter als jede Generation vor ihr.

Das entspricht ihrem Lebensstil: Sie, die mit Computer und Handy aufgewachsen sind, besitzen nicht nur die Schlüsselqualifikationen für der Arbeitsmarkt der Zukunft. Außerdem sind sie ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Routine dagegen langweilt sie. Sie sind gewohnt, mit Wissen zu jonglieren, Informationen neu zu kombinieren – und daraus Nutzen zu generieren. Natürlich auch – vielleicht sogar in erster Linie – für sich selbst.

Mehr Chuzpe als jeder andere Generation

Entsprechend fordern Sie im Vorstellungsgespräch ihren Marktwert ein – und sind durchaus bereit, dabei zu pokern. Man kann schließlich über alles reden… – so sind sie das aus Schule und Freundeskreis gewohnt.

Respekt vor Autoritäten kennen die Millenials nicht. Sie sind kritisch, hinterfragen alles – und wollen überzeugt werden. Entsprechend unverfroren fragen Sie, was Unternehmen ihnen bieten, um sich entscheiden zu können. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, hat schon verloren. Schließlich watern andere attraktive Angebote auf sie.

Das ist für gestandene Manager ein ganz schön harter Brocken: Früher waren sie’s, die die (Aus-)Wahl hatten – und fast jede Forderung durchsetzen konnten. Wer nicht spurte, konnte die Hoffnung auf den Job gleich fahren lassen. Und jetzt sitzen da irgendwelche Jungspunde, bieten ihnen die Stirn – und sie müssen gute Miene zum bösen Spiel machen: Schlließlich geht’s um die Zukunft des Unternehmens.

Jüngere Personaler hingegen haben ein Dejà-vu-Erlebnis: Die Forderungen der Generation Y verkörpern auch ihre Erwartungen: Die forderung nach Work-/Life-Balance stammt schließlich aus den 1990ern. Bloß trauten sie sich selbst damals nicht, diese Wünsche auch einzufordern, und beugten sich zähneknirschend den Gegebenheiten. Heute sehen sie, welche Chance sie verpassten. Gelingt es ihnen, auf den Zug aufzuspringen?

Was High Potentials im Job wichtig ist

Doch nicht nur die Chuzpe der Bewerber schockt die Personaler. Es ist auch der Inhalt ihrer Forderungen. Neben dem attraktiven Gehalt spielen Wohlfühl-Faktoren und die Vereinbarkeit von Arbeit, Freizeit und Familie eine immer bedeutsamere Rolle, wie etwa auch die folgende Tabelle zeigt:

Was Arbeitgeber attraktiv macht 2011 2012 High Potentials Männer Frauen
Attraktive Arbeitsaufgaben 1,5 1,6 1,8 1,5 1,7
Attraktive Produkte/ Dienstleistungen 0,7 0,6 0,7 0,6 0,6
Attraktiver Standort 0,8 0,9 0,9 0,8 0,9
Chancengleichheit 1,0 1,0 0,9 0,6 1,3
Corporate Social Responsibility (CSR) 0,6 0,5 0,4 0,3 0,7
Gute Karriereperspektiven 1,4 1,5 1,6 1,5 1,5
Gute Work-Life-Balance 1,3 1,3 1,2 1,2 1,5
Guter Führungsstil 1,1 1,4 1,4 1,3 1,4
Hohes Einstiegsgehalt 0,9 0,7 0,7 0,7 0,6
Hohes Maß an Eigenverantwortung 1,2 1,0 1,3 1,0 1,0
Innovationskraft 0,8 0,6 0,6 0,6 0,6
Internationales Umfeld 0,5 0,5 1,2 0,4 0,6
Kollegialität 1,4 1,4 1,5 1,3 1,6
Persönliche Entwicklung 1,5 1,6 1,7 1,5 1,6
Sicherheit der Anstellung 1,1 1,1 0,7 0,9 1,3
Status & Prestige - 0,2 0,2 0,2 0,0
Unternehmenserfolg 1,1 1,0 1,0 1,0 1,0
Weiterbildungsmöglichkeiten 1,3 1,4 1,5 1,3 1,5
Wertschätzung der Mitarbeiter 1,4 1,4 1,5 1,3 1,6
Frage: Bitte beurteilen Sie, wie wichtig Ihnen folgende Karriereaspekte sind.
Mögliche Antworten: Sehr unwichtig (-2), unwichtig (-1) weder noch (0), wichtig (+1), sehr wichtig (+2)
Definition High Potentials: Akademische Leistung gehört zu den besten 25 Prozent, besitzen Auslandserfahrung
Quelle: trendence Graduate Barometer, © trendence Institut 2012



Und genau hier liegt das größte Missverständnis: Gerade ältere Unternehmer sind gewohnt, mit Geld und Statussymbolen jeden rumzukriegen. An den Ansprüchen der aktuellen Berufseisteiger bieten sie damit aber glatt vorbei. Die zucken mit den Schultern und ziehen weiter – schließlich sind sie ja überall gefragt.

Flexibilität – nicht Anwesenheit

Parallel zum Rückgang verfügbarer Arbeitskräfte vollzieht sich auch der Übergang von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft. Und Wissensarbeit kann von jedem Ort der Welt aus geleistet werden. Sie ist nicht an fixe Arbeitszeiten gebunden. Dafür wird aber mit zunehmender Internationalisierung die kontinuierliche Wissensproduktion immer wichtiger.

Entsprechend verschwimmen zunehmend die Grenzen von Arbeits- und Privatleben. Für die Mitglieder der Generation Y kein Problem, im Gegenteil: Sie sind es nicht anders gewöhnt. Dank Laptop und Smartphone springen sie permanent zwischen Kontaktpflege und Arbeit hin und her. Das erwarten Sie natürlich auch vom künftigen Job: flexible Arbeit in Zeit und Raum. Und natürlich vereinbar mit anderen Lebensinhalten. Familie, Freunde und Freizeitpartner sollen ja auch nicht zu kurz kommen.

Sie arbeiten gern – und gerne eigenverantwortlich. So lange Aufgaben zu erledigen sind, bleiben sie dran – auch nach Feierabend. Dafür wollen sie für Ergebnisse bezahlt werden, nicht für Anwesenheit. Das kommt einer Revolution gleich – und wird in vielen Betrieben zu Unruhe führen. Denn Menschen, die noch an Schreibtisch oder Maschine gebunden sind, werden diese Freiheiten der Neulinge nicht einfach hinnehmen.

Dennoch ist dieser Wandel unausweichlich, denn er folgt ökonomischen Erfordernissen. Nur wer sich als Arbeitgeber darauf einstellt, kann die Absolventen von morgen für sich gewinnen – und damit am Markt bestehen. Nicht diese Generation muss sich anpassen, sondern die Unternehmen müssen flexibler werden. Geld und faire Bezahlung spielen dabei zwar noch immer eine wichtige Rolle – aber nicht die entscheidende.