von Jochen Mai am 10. Mai 2009
→ Artikel in Büro
Meinungsmacher – Wie Sie Kollegen im Job beeinflussen
Querdenker haben es schwer. Sie gelten leicht als Unruhestifter, Außenseiter, Abweichler. Nicht umsonst ist die sprachliche Verwandtschaft von Querdenker und Querulant so nah. Dennoch braucht es diese Nonkonformisten im Job. Oft sind gerade sie es, die verkrustete Strukturen aufbrechen und neue Impulse geben. Seine Kollegen oder gar den Chef zu beeinflussen, ist allerdings eine heikle Mission. Jeder Querkopf braucht sozialen Kredit. Wer nur am Rand einer Gruppe steht und auf seine individuelle Meinung pocht, wird weder ernst genommen noch Gehör finden. Er bleibt ohnmächtig. Umgekehrt: Wer es schafft, seine Kollegen sanft (!) zu lenken, der dokumentiert eindrucksvoll Empathie, Meinungsstärke und Durchsetzungsvermögen. Definitiv ein Karriereturbo. Wie das im Einzelnen geht, zeigen die folgenden 10 Punkte:
- Nicht manipulieren. Dieser Punkt steht deshalb gleich am Anfang, weil es genau darum nicht geht, auch wenn viele unter beeinflussen genau das verstehen: eine Art von Manipulation. Falsch! Wer versucht, Kollegen zu steuern, erntet früher oder später Argwohn, Misstrauen, wenn nicht gar Widerstand. Lassen Sie den anderen immer genug Freiraum selbst zu entscheiden. Sie versuchen lediglich zu überzeugen, eine Richtung zu weisen – dorthin gehen müssen die anderen selber.
- Vertrauen bilden. Menschen arbeiten umso lieber mit Kollegen zusammen, denen sie vertrauen. Wer den Eindruck erweckt, stets etwas im Schilde zu führen oder nicht die ganze Wahrheit zu sagen, wird niemanden beeinflussen – allenfalls die schlechte Stimmung im Büro. Statt auf schnelle Erfolge zu zielen, bauen Sie also lieber eine solide zwischenmenschliche Basis auf. Kritik und Ratschläge sind deshalb nur auf Nachfrage erlaubt, beginnen Sie lieber mit Lächeln und Lob.
- Respekt verdienen. Die meisten Menschen streben nach Anerkennung und Zuneigung. Sie glauben, wer gemocht wird, der ist auch einflussreich. Ein Irrtum. Sympathie spielt sicher eine Rolle, die größere aber spielt Respekt. Nicht immer wird man dafür gemocht, wenn man versucht, neue Ideen zu etablieren. Ihr Erfolg hängt aber maßgeblich davon ab, dass Sie von den Kollegen geschätzt und geachtet werden. Denken Sie nur an Chefs: Ohne Respekt bleibt einer Führungskraft nur noch die Macht der Hierarchie – und wie armselig wirkt das?
- Botschaft vereinfachen. Wer andere überzeugen will, der sollte eine klare Botschaft haben. Nicht labern, sondern die Sache auf den Punkt bringen. Die Aufregung und Anspannung für die eigene Sache einzutreten verleitet allerdings manchmal dazu, möglichst viele Erklärungen abzuliefern und in einem Redeschwall möglichst alle Einwände vorweg zu nehmen und zu entkräften. Dabei passiert jedoch das genaue Gegenteil: Die Botschaft verwässert und am Ende erinnern die anderen nur, dass es viele potenzielle Einwände gab. Wählen Sie lieber wenige, dafür aber kräftige und klare Worte.
- Ohren öffnen. Ein sicherer Weg sich Feinde zu machen, ist, anderen zu sagen, dass sie falsch liegen. Egal, auf wie viel Widerstand Sie treffen: Hören Sie erst einmal genau zu und analysieren Sie die Vorbehalte und Einwände. Hören Sie aber nicht nur, was gesagt wird, sondern auch auf das, was nicht gesagt wird. Anschließend sollten Sie weniger argumentieren, dafür mehr Rückfragen stellen, bei denen man Ihnen zustimmen kann. Mit jedem „Ja“ werden Ihnen die Leute bereitwilliger folgen.
- Bedürfnisse befriedigen. Menschen einreden, was Sie wollen? Das funktioniert nicht. Solche Manipulationsversuche fallen irgendwann auf und auf Sie zurück. Helfen Sie anderen lieber dabei, deren Ziele zu verwirklichen – auf Ihre Art oder mittels Ihrer Ideen. Der wesentliche Unterschied: Sie entwickeln bei den Kollegen eine intrinsische Motivation für Ihren Impuls. Bei allem anderen degradieren Sie die Leute nur zu Eseln, denen Sie eine Möhre vorhalten.
- Reziprozität nutzen. Mit jedem Gefallen, den Sie anderen gewähren, erhöhen Sie die Bereitschaft auch Ihnen etwas Gutes zu tun. Dieser Punkt ist eng mit dem vorherigen verwandt. Wenn Sie bei Ihrem Vorschlag deutlich machen, welche Vorteile auch die Kollegen dadurch erlangen, stimmen Sie bereitwilliger zu.
- Timing beachten. Zur rechten Zeit am rechten Ort sein, die Zeichen der Zeit erkennen, die Gunst der Stunde nutzen, den rechten Augenblick abpassen, wissen, was die Stunde geschlagen hat – die Tugenden muss jeder beherrschen, der im Leben, in der Liebe und im Job bestehen will. Bei aller Euphorie für Ihre Sache – brechen Sie nichts übers Knie. Vielleicht ist das Meeting nicht der beste Zeitpunkt für Ihren Vorschlag. Der gemeinsame Kaffee danach umso mehr.
- Ruhm vergeben. Überlegen Sie sich genau: Was ist Ihr Ziel? Möchten Sie mit Ihrem Vorschlag einfach nur gut dastehen und beweisen, was Sie für ein Genie Sie haben? Oder geht es Ihnen um die Sache selbst? Manchmal ist es um der Idee Willen klüger, anderen den Ruhm und das Rampenlicht zu überlassen, um in ihnen mächtige Verbündete zu gewinnen. Das gilt vor allem für (eitle) Chefs: Die unterstützen Vorschläge ihrer Mitarbeiter umso lieber, je eher Sie ihnen den Eindruck vermitteln, der eigentliche Urheber zu sein.
- Leidenschaft zeigen. All die genannten Punkte beinhalten eine Form von gebremster Euphorie, um Ihre Zielgruppe weder zu überfahren, noch zu überfordern (sprichwörtlich). Leidenschaft für Ihre Ideen müssen Sie dennoch zeigen. Eine Gratwanderung, gewiss. Aber eine unumgängliche. Wenn Ihr Vorschlag schon Sie nicht begeistert, wie soll der Funke dann auf die Kollegen überspringen?
Tags
Ähnliche Artikel
1. Kommentar
katrin
10.05.09 um 13:48 Uhr
Ich find alle Ihre Beiträge sehr hilfreich und gut erklärt. Ich frag mich nur, wie soll ich mir das alles merken? Ich kann ja nicht immer auf die Webseite oder in das Buch schauen. Wie machen Sie das?
2. Kommentar
Jochen Mai
10.05.09 um 15:46 Uhr
@Katrin: Offen gestanden: Ich kann mir das auch nicht alles merken – nur die Grundprinzipien. Der Rest lässt sich herleiten oder nachrecherchieren. Im Kern nutze ich dieses Blog längst als mein persönliches Wikipedia und Nachschlagewerk. Und natürlich sind Sie eingeladen, das auch zu tun. Der ganz linke Navigationsbereich – Suche, Tags, Textart – ist auch dafür gedacht.
3. Kommentar
birgit permantier
12.05.09 um 16:22 Uhr
Ich recherchiere auch immer häufiger in Ihrem Blog und komme zu den besten Suchergebnissen über Google, indem ich “karrierebibel” und das jeweilige Stichwort eingebe!
Danke für ihre wunderbaren Artikel – eine echte Bereicherung!
4. Kommentar
Denker
23.02.10 um 23:09 Uhr
Danke für den Beitrag, Querdenker haben es im Unternehmen wirklich ziemlich schwer. Vertrauen ist alles!
Sagen Sie ihre Meinung!
Folgendes HTML ist in den Kommentaren verwendbar: <a> <em> <strong>