Meinungsverschiedenheit
Das sehe ich aber komplett anders als du... Eigentlich ein unkomplizierter und normaler Satz, fällt er jedoch in einer Diskussion, kann er große Auswirkungen haben. Entweder verhärten sich die Fronten, bis es kaum noch möglich scheint, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen - oder Meinungsverschiedenheit wird sofort aus dem Weg gegangen. Gerade der zweite Weg des Ausweichens ist bei vielen sehr beliebt, da die meisten Menschen sich bei Meinungsverschiedenheiten und Streit unwohl fühlen. Schuld ist eine falsche Einstellung, die davon ausgeht, dass Diskussionen immer einen Gewinner und einen Verlierer haben. Wer dieses falsche Denken überwindet, kann die eigentlichen Vorteile von Meinungsverschiedenheiten erkennen und nutzen...

Warum wir Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg gehen

Würden Sie von sich selbst behaupten, dass Sie gerne streiten und Meinungsverschiedenheiten ausdiskutieren? Falls ja, gehören Sie wahrscheinlich eher einer kleineren Gruppe an. Der Großteil möchte die Harmonie beibehalten und und jeder Konfrontation wenn möglich aus dem Weg gehen. Aber woher kommt dieser Drang, immer einer Meinung zu sein?

Ein Faktor ist die soziale Zugehörigkeit. Der Mensch strebt danach, einer Gruppe anzugehören, mit der er sich identifizieren kann. Das gilt sowohl für die Familie, den Freundes- und Bekanntenkreis als auch für Kollegen am Arbeitsplatz. Dabei ist es natürlich hilfreich, die vorherrschenden Ansichten und Meinungen innerhalb dieser Gruppen zu teilen, um sich nicht selbst zu isolieren und damit der Gefahr auszusetzen, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden.

Als zweiter Punkt - der in den meisten Fällen jedoch genauso schwer wiegt - steht eine falsche Einstellung den Meinungsverschiedenheiten im Weg. Kurz gesagt ist die weit verbreitete Ansicht: Bei unterschiedlichen Meinungen gibt es eine richtige und eine falsche Auffassung. Einer hat Recht, während der andere mit seiner Einschätzung falsch liegt. Da ist es kaum verwunderlich, dass eine solche Situation am liebsten verhindert wird, bevor es überhaupt zur direkten Gegenüberstellung kommen kann.

Schließlich muss man unter diesen Voraussetzungen entweder einsehen, dass man falsch lag, wodurch das eigene Ego in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Alternative ist, dass man den anderen vor den Kopf stößt, eventuell eine Beziehung gefährdet, aber dafür die eigene Meinung durchgesetzt hat. Wenig verlockende Aussichten...

Meinungsverschiedenheit: Eine Frage der Einstellung

Die Wahrnehmung zu Meinungsverschiedenheiten lässt sich jedoch positiv beeinflussen, wenn es gelingt, die Einstellung zu ändern. Nur wie soll das gelingen? Zunächst einmal sollte man sich die Frage stellen, warum unterschiedliche Meinungen zwangsläufig gegeneinander konkurrieren müssen. Warum ist es immer das eine oder das andere? Eine Meinungsverschiedenheit zu haben bedeutet nicht automatisch, dass man sich grundlegend widerspricht. Vielleicht sehen beide Parteien nur einen unterschiedlichen Weg, um am Ende das gleiche Ziel zu erreichen.

An genau diesem Punkt sollte das Umdenken beginnen: Jede Meinung hat einen Wert, auch dann - oder vielleicht sogar gerade wenn - wir selbst eine andere vertreten. Ein Raum voller gleicher Ansichten mag vielleicht harmonischer wirken, bringt am Ende aber vermutlich das schlechtere Ergebnis, weil keiner hinterfragt oder kritisiert, sondern nur zugestimmt wird. Gleiches gilt, wenn Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg gegangen wird. Das verfrühte Nachgeben nimmt einer Vorstellung den Reifeprozess, der nötig ist, um aus einem Einfall oder Gedanken eine zündende Idee werden zu lassen, die immer mehr Gestalt und Form annimmt, bis sie letztlich gute Erfolgsaussichten hat.

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