Midlife Crisis: Auslöser, Symptome, Chancen
Die Midlife Crisis scheint immer weit weg zu sein und wenn überhaupt, sind davon nur andere betroffen. Die Realität sieht jedoch meist ganz anders aus. Mit großer Regelmäßigkeit schlägt die Midlife Crisis in deutschen Büros ein und wirft Männer wie Frauen zwischen 35 und 50 aus der Bahn. Zwar möchte es kaum jemand wahrhaben, doch es kann jeden treffen. Und was dann? Wir zeigen, was Sie zur Midlife Crisis wissen müssen, an welchen Anzeichen Sie erkennen, dass Sie betroffen sind und was Sie tun können, um wieder aus der Krise herauszukommen...

Midlife Crisis: Woher kommt die Krise in der Lebensmitte?

Das erste Lebensdrittel hat einen klaren Fokus: die Zukunft. Der Kindergarten macht uns fit für die Schule, die Schule fit für die Uni, die Uni fit für den Arbeitsmarkt. Und so weiter. Das Leben spielt sich - sehr oft zumindest - nicht im Hier und Jetzt ab, sondern im Morgen.

Und wenn es dann so weit ist, wenn wir alles haben, Job, Geld, Frau oder Mann, Kind, was dann? Dann schlägt die Stunde der Midlife Crisis, die Krise in der Lebensmitte. Jeder kennt sie und weiß, was damit verbunden ist. Aber was löst die Krise eigentlich genau aus? Einen konkreten Zeitpunkt, ab dem die Midlife Crisis beginnt, gibt es nicht. Vielmehr spielen dabei verschiedene Faktoren eine Rolle und können beeinflussen, wann und wie stark die Krise auftritt.

  • Physische Auslöser. Ab einem gewissen Alter setzen bei jedem die ersten körperlichen Veränderungen ein. Der Hormonspiegel ändert sich, weil weniger Testosteron produziert wird, Falten machen sich mehr und mehr bemerkbar und auch Probleme mit der Gesundheit, die es früher noch nie gab, treten zunehmend auf.
  • Psychische Auslöser. Die Erkenntnis, dass rein rechnerisch die Hälfte des Lebens bereits vorbei ist, trifft viele wie ein Schlag. Man sieht sich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert und beginnt automatisch, alles zu hinterfragen. Habe ich in meinem Leben wirklich die richtigen Ziele verfolgt? Habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe? Hinzu kommen Zweifel und Sorgen, ob das Alter einen in den nächsten Jahren immer weiter einschränken wird.

Die typische Reaktion darauf: Man stürzt sich mitten hinein ins Leben, versucht sich selbst und allen anderen zu beweisen, dass man entgegen dem ersten Anschein noch jung genug ist, um mitzuhalten und sich von der jüngeren Generation nicht den Rang ablaufen lässt.

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Midlife Crisis: 7 Symptome der Krise

KieferPix/shutterstock.comWer in der Lebensmitte feststellt, dass er immer weiter in die Krise rutscht, redet sich die Situation oft erst einmal schön. Kaum jemand möchte akzeptieren, dass er sich in der Midlife Crisis befindet. Zu schlecht ist der Ruf, zu groß die Angst als Schwächling zu gelten. Doch die Symptome lassen sich nicht einfach ignorieren. Vielmehr sollte man diese erkennen, richtig einordnen und entsprechend etwas unternehmen, um selbst etwas gegen die Krise unternehmen zu können. Wir stellen Ihnen sieben klassische Symptome der Midlife Crisis vor und zeigen, was Sie dagegen tun können:

  1. Hass

    Symptom: 20 oder 30 Jahre im Job. Zermürbend, ermattend, sie hassen Ihren Job einfach. Been there, done that! Doch das Revier ist längst markiert, die Zeit für einen Branchenwechsel scheinbar abgelaufen. Dies jedenfalls ist nicht der Job, den Sie Ihr Leben lang machen wollten. Wenn das kein Grund für eine ausgewachsene Krise ist.

    Lösung: Im vergangenen Jahr fanden US-Datenanalysten heraus, dass 38 Prozent der Startup-Gründer in den USA schon die 40er-Marke überschritten haben. Es sind also keineswegs immer die blutjungen Uni-Absolventen (oder -Abbrecher), die in Papas Garage ihr IT-Unternehmen launchen. 40-Jährige sind - auch dank ihrer Erfahrung - perfekte Firmengründer, natürlich auch für die eigene Praxis, Kanzlei oder Agentur. Generell zeigt das: Ein Neuanfang in der Lebensmitte ist möglich.

  2. Angst

    Symptom: Angst vor der Zukunft, vor Veränderungen, vor dem Unbekannten. Angst davor, was in fünf Jahren sein wird. Angst ist menschlich und kann ein Zeichen der Midlife Crisis sein. Wer keine Angst vor Veränderungen hat, kann besser mit Phasen des Umbruchs umgehen, sagen Entwicklungspsychologen. Je größer also die Angst, desto stärker das Symptom der Krise.

    Lösung: Den Lauf der Welt kann man nur sehr begrenzt beeinflussen. Aber sich mental durchaus auf Veränderungen einstellen. Tätigkeitsprofile wandeln sich, die Disruption vernichtet Geschäftsmodelle und schafft neue. Wie könnte sich das auf Ihren Job auswirken? Spielen Sie verschiedene Szenarien proaktiv durch, um zu Lösungsansätzen zu kommen. Die können im Ernstfall helfen. Das gilt natürlich auch im Privaten: Was, wenn die Eltern pflegebedürftig werden, die Kinder außer Haus sind? Szenarien durchspielen, realisierbare Lösungen und Pläne entwickeln - das hilft, Zukunftsängste abzubauen.

  3. Ohnmacht

    Symptom: Alles dreht sich, alles bewegt sich und man selbst ist dem Treiben hilflos ausgeliefert. Kann ich überhaupt noch mithalten? Bin ich zu alt für sowas? Ein Auslaufmodell?

    Lösung: Stellen Sie sich ständig neuen persönlichen Herausforderungen. Nehmen Sie sich etwas vor und arbeiten Sie daran, dieses Ziel zu erreichen. So zeigen Sie sich selbst, dass Sie weiterhin Leistungsfähigkeit sind, neue Aufgaben lösen können und auch zukünftige Ziele angehen können.

  4. Schuld

    Symptom: Fest etabliert im Job, ein geregeltes Leben - das ist viel Wert, aber in Zeiten des ständigen Vergleichs vielen nicht genug. Sie fühlen sich schuldig, dass Sie nicht Ihren Traum leben, dass Sie nicht die ganz große Karriere hingelegt haben, zu Ruhm und Reichtum gekommen sind. Und es dazu wohl auch nicht mehr kommen wird.

    Lösung: Nehmen Sie sich ein Beispiel an Dänemark. Die Dänen landen in den World Happiness Rankings regelmäßig ganz weit vorne, sind die glücklichsten Menschen der Welt. Forscher glauben, dass liege an ihren Genen. Andere versteigen sich zu der Aussage, dass die Dänen nur so glücklich seien, weil sie weniger hohe Erwartungen an das Leben haben. Das mag Unsinn sein, ist aber gar kein so schlechter Ratgeber. Die eigenen Errungenschaften wertschätzen, sich ab und zu klar machen, dass das Leben kein Hollywood-Film ist. Das macht zufriedener und lässt die Sinnkrise gleich weniger dramatisch erscheinen.

  5. Pessimismus

    Symptom: Mit 45 hat man das Beste schon hinter sich. Jetzt geht die Kurve nach unten, peu a peu geht es abwärts, körperlich, geistig, beruflich. Was kann ich jetzt noch erreichen? Nichts.

    Lösung: Shakespeare schrieb seine Meisterwerke wie Hamlet und Othello zur Mitte seines Lebens - zwischen 35 und 45 - und das zu einer Zeit, in ein durchschnittliches Menschenleben deutlich kürzer war als heute. Altersforscher glauben ohnehin nicht mehr daran, dass es so etwas wie eine Obergrenze gibt, ab der Spitzenleistungen nicht mehr möglich sind. Auch mit 90 kann man noch eine neue Sprache lernen oder als Wissenschaftler Herausragendes leisten. Daher: Alter schützt vor Erfolg nicht. Gut möglich, dass Ihre größten noch bevorstehen.

  6. Überlastung

    Symptom: Stress, Arbeit, Papierberge - nicht umsonst nennt man die Zeit zwischen 30 und 45 auch die Rush Hour des Lebens. Folge: Sie können nichts mehr genießen, sind mit den Kräften am Ende - und kurz vor der Krise.

    Lösung: Kommt zu den körperlichen Veränderungen der Lebensmitte und den vielen Sorgen und Ängsten auch noch Stress hinzu, wirkt dieser wie ein Katalysator. Darum gilt: Aktivitäten zurückfahren, Ruhephasen gönnen - leicht gesagt, schwer getan. Treten Sie manchmal bewusst einen Schritt kürzer, um Zeit für sich zu haben.

  7. Selbsthass

    Symptom: Ihre Karriere? Allenfalls Mittelmaß, glauben Sie. Sie haben es bislang nicht geschafft, zu einer Koryphäe ihres Fachs aufzusteigen - und werden es auf dem Rest des Weges wohl auch nicht mehr schaffen.

    Lösung: Perfektionismus kann einerseits zu besonderen Leistungen führen, aber andererseits ein uneinlösbares Versprechen sein. Ob im Job oder zuhause: Sie müssen nicht jede Aufgabe bis zur Perfektion entstellen. Nicht perfekt zu sein ist nicht per se schlecht, sondern in den meisten Fällen immer noch weit über dem Durchschnitt. Senken Sie die Erwartungen an sich selbst!

Midlife Crisis: Sie kann auch eine Chance sein

YanLev/shutterstock.comJeder geht auf seine Art und Weise mit der Midlife Crisis um. Manch einer versucht alles nachzuholen, was er seiner Meinung nach verpasst hat, andere verbringen ihre Zeit auf einmal mit Aktivitäten, die kaum zu ihrer Generation passen und wieder andere haben fast kein Problem, sich der Krise zu stellen, sondern betrachten diese als Chance, um zu reflektieren, den bisherigen Lebensweg zu hinterfragen und sich zu überlegen, was sie mit den kommenden Jahren anfangen wollen. Manch einem gelingt dies auf Anhieb, andere können es lernen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei, die Midlife Crisis als Chance zu sehen und möglicherweise sogar zusätzliches gestärkten Selbstbewusstsein daraus zu ziehen.

  1. Bleiben Sie realistisch

    Das bisherige Leben mit all seinen Erfolgen, Leistungen und Höhepunkten schlecht zu reden, bringt niemanden weiter. Ziehen Sie stattdessen eine realistische Bilanz und sein Sie stolz auf das, was Sie schon erreicht haben. Gleichzeitig haben Sie mit einer solchen Bilanz den Startpunkt, von dem aus Sie Ihre weiteren Vorhaben planen können.

  2. Sehen Sie die Phase als Übergang

    Nein, die Midlife Crisis ist kein Grund, alles noch einmal komplett neu anzufangen, Beziehungen abzubrechen, den Job zu wechseln, sein Leben von Grund auf zu überdenken. Zwar kann es einige Punkte geben, bei denen Sie feststellen, dass Sie sich einen anderen Weg wünschen, doch handelt es sich dabei um Ausnahmen und nicht die Regel.

  3. Machen Sie sich Gedanken über die Zukunft

    Sie befinden sich in der Lebensmitte. Anstatt das Glas halbvoll zu betrachten, drehen Sie den Spieß um: Sie haben noch einmal genauso viel Zeit vor sich. Mehr als genug, um sich zu überlegen, welche Ziele man noch erreichen möchte, womit man sich selbst eine Freude machen kann und worauf man sich konzentrieren sollte, um die eigene Zufriedenheit zu steigern.

Gibt es die Midlife Crisis überhaupt?

Aber eine grundlegende Frage wird nur selten gestellt: Gibt es die Midlife Crisis überhaupt wirklich?

Gerade weil die Sinnkrise so bekannt ist, wird sie selten hinterfragt. Eine neue Studie der kanadischen University of Alberta hat genau das getan und behauptet: Alles Unfug, so etwas wie eine Midlife Crisis existiert nicht. Im Gegenteil. Die Psychologen begleiteten 900 Personen über einen Zeitraum von 25 beziehungsweise 14 Jahren und befragten ihre Probanden regelmäßig nach ihrer Zufriedenheit.

Ergebnis: Je älter die Menschen wurden, desto glücklicher waren sie.

Und: Am glücklichsten waren zur Lebensmitte die Personen, die verheiratet waren, einen Job und keine gesundheitlichen Probleme hatten. Auch eine höhere Bildung wirkt sich positiv aus.

Aber auch die Gegenseite hat Argumente. Beispielsweise lassen sich Frauen, nehmen wir mal jene aus der Schweiz, im Schnitt mit 46 Jahren scheiden, die Schweizer Männer mit 48. Ein Hinweis für die große Lebenskrise?

Tatsächlich deuteten frühere Studien auch schon darauf hin, dass die Zufriedenheit in der Lebensmitte bei vielen einen Knacks bekommt, da sie merken, dass ihnen nicht mehr alle Möglichkeiten offen stehen, viele Türen bereits fest verschlossen sind.

Einen wissenschaftlich wasserdichten Beweis für die Existenz der Midlife Crisis gibt es also nicht, doch sind die Auswirkungen absolut real und sollten mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen werden.

[Bildnachweis: Anchiy, KieferPix by shutterstock.com]