Dass gute Laune, also jener Zustand, in dem laut Definition die Umwelt mit durchweg positiven Gefühlen wahrgenommen wird, enorm wichtig ist, weil Heiterkeit aufmerksamer und aktiver macht, ist ja hinlänglich bekannt. Dass Gutgelaunte Rückschläge besser ertragen, stressresistenter sind, besser mit Niederlagen umgehen können und daraus mehr lernen, vielleicht auch noch. Allerdings verwechseln viele noch immer Nettigkeit mit Naivität und Fröhlichkeit mit Flatterhaftigkeit. Dabei hat Heiterkeit weder etwas mit dem kommandierten Frohsinn im Karneval zu tun noch geht es darum, auf sich unkommentiert herumtrampeln zu lassen. „Penetrante Fröhlichkeit verfehlt die Heiterkeit sogar völlig“, schreibt der deutsche Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid. Sie mute töricht an, wenn sie grundlos ist. Oder wie es der griechische Schriftsteller Plutarch formuliert: „Gute Laune beruht darauf, Missmut zu vermeiden.“
Nun treffen wir im Berufsalltag (und auch sonst) leider immer wieder auf chronische Miesepeter, deren Mundwinkel morgens schon in den Keller zeigen und die das Glas lieber halb leer als halb voll sehen. Solche Menschen sind gefährlich, denn sie haben einen ansteckenden Charakter. Schlechte Laune hat – leider, je nachdem wie rum man es sieht – ebenso wie Heiterkeit eine ansteckende Wirkung. Sie breitet sich epidemisch aus. Damit sind solche Stinkstiefel nicht nur Opfer negativer Umstände – sie sind auch deren Ursache.
Das Ganze ließe sich noch beliebig fortsetzen. Hilft aber nicht. Entscheidender ist ja, wie man mit den Verbreitern schlechter Laune umgeht. Der wichtigste Rat gleich vorweg: Meiden Sie solche Menschen! Versuchen Sie nicht sie zu bekehren oder zu belehren. Zwecklos. Im Gegenteil: Darüber bekommen Sie nur selbst miese Laune. Und falls das unmöglich ist, etwa, weil der Betreffende nun mal am Schreibtisch gegenüber sitzt, dann versuchen Sie sich trotzdem so fern wie möglich zu halten. Spaßverderber ziehen einfach nur runter.
Oder aber Sie gönnen sich selbst einen Spaß mit Ihnen. Im ZEIT Magazin las ich jetzt eine schöne Geschichte über das “Stinktier-Prinzip”. Es ist ein Auszug aus dem Buch “Der Ernst des Lebens – und was man dagegen tun kann” von Andreas und Stephan Lebert. Darin empfehlen die Autoren notorischen Jammerern und Miesepetern mit einem Witz zu begegnen. Deren Reaktion darauf entlarve zugleich wie schlimm es um sie bestellt ist und ob noch Hoffnung auf Besserung besteht. Der Witz geht so:
Zwei Freunde sehen sich nach längerer Zeit wieder. Sagt der eine: “Oh weh, du siehst ja furchtbar aus!” Darauf der andere: “Kein Wunder – bei meinem neuen Job. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich mitmache.”
“Ja, warum, was machst du denn?”
“Morgens um sechs geht’s los. Zementsäcke schleppen, unfassbar schwer, vom Keller hoch in den fünften Stock, kein Aufzug, keine frische Luft, heiß, Kollegen sind scheiße, nur eine Pause am ganzen Tag, zehn Minuten, so geht das bis sieben Uhr abends. Und morgens wieder hoch…”
“Du lieber Himmel”, sagt der Freund erschrocken, “wie lange machst du das denn schon?”
“Morgen fang ich an.”
Der Witz am Witz: Je schneller Ihr Zuhörer kapiert, dass dieser Scherz von ihm selbst handelt, desto größer die Aussicht auf Heilung. Braucht er länger, desto schlechter die Prognose für den Stinkstiefel. Kapiert er gar nichts? Sehen Sie zu, dass Sie Land gewinnen… Laune: manisch mies.


