Deutsche Studenten dopen. Offenbar greifen eine ganze Reihe Jugendliche und Studenten immer öfter zu Medikamenten, um Stress zu bewältigen und in Prüfungen besser abzuschneiden. Laut einer Studie des bayerischen Gesundheitsministeriums betrifft der Medikamentenmissbrauch allein im Freistaat 35.000 Jugendliche. Im Fachjargon auch Mind-Doping genannt. Meine Generation griff in der Uni wahlweise zu Kaffee oder Traubenzucker, heute sind es Ritalin und Vigil.
Das ist aber alles andere als klug. Solche Medikamente haben oft starke Nebenwirkungen. Vigil etwa verursacht starke Kopfschmerzen oder gar Depressionen, Ritalin schädigt das Herz und kann abhängig machen. Vor allem aber verändert es die Selbstwahrnehmung. Menschen, die Ritalin nehmen, neigen dazu, „Fragen zu schnell zu beantworten“ und machen deshalb mehr Fehler, sagt der Psychologe Stephan Schleim, der das Thema „Cognitive Enhancement“ an der Uni Bonn erforscht, in einem Campus-Interview. Demnach half die in Vigil enthaltene Substanz Modafinil den Probanden zwar, sich Zahlenfolgen besser zu merken. Der Effekt lässt aber nach, je intelligenter die Probanden waren.
So oder so: Dopen ist dumm (davon abgesehen, dass es auch unfair ist). Erstens, weil es den Körper schädigt, zweitens, weil es verunsichert. Man behält immer das Gefühl, sich durchgemogelt zu haben. Seine wahre Leistungskraft kennt man nicht. Die aber ist wichtig für den Erfolg. Motivationsforscher wissen heute: Ein wesentlicher Bestandteil der intrinsischen Motivation ist die Gewissheit, Erfolge wiederholen zu können. Oder kurz: „Ich weiß, ich schaff das!“ Mit Mind-Doping ist nichts gewiss – nicht mal, ob man es ohne Pille packt.






