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"Alle doof, außer Mutti". Ein negatives Welt- und Menschenbild kann uns einerseits vor Unheil bewahren. Andererseits tut es unseren Mitmenschen manchmal auch Unrecht. Und häufig verhält sich ein Misanthrop lediglich aus Enttäuschung wie ein Menschenhasser, wünscht sich aber eigentlich eine ideale Welt. Eine britische Online-Umfrage legt den Schluss nahe, dass der Rest der Menschheit in unseren Vorstellungen tatsächlich zu schlecht wegkommt, dass wir nicht hinter jeder Ecke das Böse sehen sollten.

Misanthrop: Hass auf die Menschheit

Misanthrop Test Misanthrop Zitate Misanthrop GegenteilAls Misanthrop wird ein Mensch bezeichnet, der die Menschheit als solches hasst, ablehnt und die Nähe zu Menschen möglichst meidet. Das Gegenteil eines Menschenfeindes ist der Philanthrop, der die Menschen liebt.

Misanthropie ist eine Einstellungssache. Zahlreiche Philosophen und Schriftsteller haben sich bereits mit der Abneigung zum Menschen beschäftigt, exemplarisch seien hier drei Misanthrop-Zitate gebracht:

Nichts bist du, nichts ohne die andern. Der verbissenste Misanthrop braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Der Misanthrop hasst alle – bis auf einen, den er nicht kennt; der Philanthrop schließt von seiner Liebe nur jene aus, die er kennt. (Emanuel Wertheimer)

Ich hasse Menschen nicht. Ich fühl mich einfach besser, wenn sie nicht in der Nähe sind. (Charles Bukowski)

Doch was genau ist eigentlich ein Misanthrop? Einerseits scheint es salonfähig zu sein, sich selbst als Misanthrop zu bezeichnen - so beispielsweise der Rocker "Misanthrop" der Hells Angels, der offenbar mit diesem Image spielt.

Ähnliches scheint dem Musikproduzenten Michael Bräuninger durch den Kopf gegangen zu sein, als er sich den Künstlernamen "Misanthrop" zulegte.

Offenbar haben Menschenhasser gar nicht unbedingt ein schlechtes Image: Die Figur des immerzu mürrischen und zynischen Dr. House der gleichnamigen Serie erfreut sich großer Beliebtheit.

Es zeigt sich also ein gewisses Paradoxon: Auf der einen Seite sind Menschen, die bestimmte - allgemein als wenig sympathisch bewertete Eigenschaften zeigen und die vermeintlich von einem Hass oder zumindest großer Abneigung auf die Menschheit als Ganzes beseelt sind.

Auf der anderen Seite haben wir Menschen, die sich darin wiedererkennen und sich zur Gruppe der Misanthropen dazugehörig fühlen - da wäre er also wieder, der Herdentrieb.

Und bei alledem darf man nicht vergessen: Auch Hass ist eine Emotion. Offenbar hat der Misanthrop also doch Gefühle für die Menschheit, ist nur mit der Gesamtsituation nicht zufrieden.

Leben in Misanthropie - eine freie Entscheidung

Nimmt man die obigen Beispiele, so zeigt sich, dass Misanthropen eine gewisse Faszination ausüben. Große Schriftsteller wie Shakespeare und Molière haben sich des Themas angenommen und auch ein gewisser Arthur Conan Doyle, seines Zeichens Erfinder des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, kreierte einen Misanthropen.

Diese literarische Figur begeistert nicht nur Menschen bis auf den heutigen Tag, sie ist auch der Inbegriff des Klischees vom Misanthropen als Intelligenzbestie. Der Menschenfeind, der alles besser weiß. Der schon im Voraus das Ende ahnt.

Blöderweise sind die wenigsten Menschen im Alltag, die sich wie Misanthropen verhalten, übermäßig intelligent oder geistreich. Zumeist fallen sie durch mürrisches, eigenbrötlerisches Verhalten und wenig Empathie auf. Es liegt der Verdacht nahe, dass der ihnen eigene Pessimismus durch schlechte Erfahrungen zustande gekommen ist.

Sie haben selbst niemals auf der Gewinnerseite gestanden, zweifeln nun an allem Guten und infolgedessen kann die Welt nur schlecht sein. Aber haben sie es jemals versucht? Es scheint, als sei Misanthropie eher ein Weg für diejenigen, die keine Verantwortung übernehmen wollen.

So gesehen ist es der Weg für Faule und Bequeme, aber deshalb muss diese Wahrnehmung nicht stimmen.

Misanthrop: Das Schlechte im Menschen

Unter pluralistischer Ignoranz verstehen Psychologen, grob umrissen, wenn eine Mehrheit eine gesellschaftliche Norm ablehnt, aber gleichzeitig annimmt, dass die Mehrheit diese Norm akzeptiert.

Das britische Marktforschungsinsitut Ipsos Mori ging diesem Phänomen in einer Online-Umfrage auf den Grund. Es befragte insgesamt 6.100 Teilnehmer in sechs westlichen Ländern: USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Frankreich und Deutschland.

Was die Briten dabei entdeckt haben, ist einerseits bedenklich, macht andererseits aber auch Mut, denn: Wir denken ziemlich schlecht über unsere Mitmenschen. Dabei sind sie gar nicht so schlecht, wie wir denken.

Soziale Norm: Schlimm

Was die Marktforscher unter anderem wissen wollten: "Was glauben Sie: Wie viele von 100 Leuten haben im vergangenen Jahr mindestens einmal eine Krankheit vorgetäuscht, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen?" 52 Prozent, glaubten die Befragten im Durchschnitt.

Die folgende Aussage "Ich habe im vergangenen Jahr mindestens einmal selbst vorgetäuscht, krank zu sein, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen" bestätigten dagegen nur 23 Prozent. Stimmen also die Angaben, besteht eine erstaunlich große Diskrepanz zwischen erwartetem und eigenem Verhalten.

Am größten ist sie in Frankreich. 40 Prozent der Franzosen bezichtigen ihre Landsleute des Krankfeierns, aber nur sechs geben es selbst zu. Am geringsten ist der Abstand bei den US-Amerikanern. Hier glauben sogar 56 prozent, dass "die anderen" blau machen, selbst gestehen es aber immerhin auch 37 Prozent.

Und bei uns? 46 Prozent der Deutschen denken, dass andere Arbeitnehmer eine Krankheit vortäuschen, selbst zugeben wollen es aber nur 16 Prozent. Damit liegt Deutschland im Mittelfeld, das Muster ist aber in allen Ländern das gleiche.

Wie viele Arbeitnehmer machen blau?

Land Erwartetes Verhalten Eigenes Verhalten Differenz
Frankreich 40 % 6 % +34
Großbritannien 50 % 20 % +30
Deutschland 46 % 16 % +30
Kanada 58 % 29 % +29
Australien 61 % 34 % +27
USA 56 % 37 % +19
Total 52 % 23 % +29
[Quelle: Ipsos Mori]


Nächstes Beispiel: Steuerehrlichkeit. Auf die Frage der Markt- und Meinungsforscher, wie viel Prozent denn im letzten Jahr nicht all Ihre Steuern deklariert und gezahlt haben, schätzte eine breite Basis ihre Mitbürger als unehrlicher ein als sich selbst. Auffällig hier: Die soziale Norm scheint in Deutschland tatsächlich am stärksten zu sein.

Zwar glauben 32 Prozent der Deutschen, dass ihre Mitbürger hier und da schummeln. Nur sechs Prozent der Befragten tun dies nach eigenem Bekunden selbst. In den anderen fünf Ländern ist das gegenseitige Misstrauen aber noch deutlich größer.

Wie viele haben Steuern "vermieden"?

Land Erwartetes Verhalten Eigenes Verhalten Differenz
Frankreich 43 % 9 % +34
Australien 42 % 8 % +34 %
Kanada 40 % 9 % +31
Großbritannien 36 % 6 % +30
USA 42 % 14 % +28
Deutschland 32 % 6 % +26
Total 39 % 9 % +30
[Quelle: Ipsos Mori]


Weitere Ergebnisse

  • 69 Prozent der Briten glauben, dass ihre Mitbürger zu viel Zucker zu sich nehmen. Experten gehen aber von "nur" 47 Prozent aus.
  • 65 Prozent der Briten sparen nicht genug für ihre Altersvorsorge, glauben die Briten selbst. Die Regierung geht nach eigenen Studien aber nur von 43 Prozent aus.
  • Zwischen Männern und Frauen gibt es keine signifikanten Unterschiede. Beide Geschlechter schätzen ihre Mitmenschen und sich selbst ähnlich ein.
  • Insgesamt ist die Differenz zwischen vermuteter sozialer Norm und eigenem Verhalten in Frankreich am größten. Am geringsten ist sie in den USA, Deutschland liegt im Mittelfeld. Im Muster aber ähneln sich alle Länder, das Phänomen scheint also universal zu sein.

Was sich aus diesen Untersuchungen ableiten lässt: Wir schreiben unseren Mitmenschen allzu leicht negative Verhaltensweisen zu. Das Schlimme daran: Diese Denke kann sich schnell auf unser eigenes Verhalten auswirken. Wer das Gefühl hat, dass alle anderen schummeln und sich auf unfaire Weise Vorteile verschaffen, in dem wächst die Neigung, das gleiche zu tun.

Dabei besteht in vielen Fällen ganz offensichtlich gar kein Grund dazu. Wenn Ihr Kollege also das nächste Mal wegen einer Grippe zu Hause bleibt, dann bezichtigen Sie ihn nicht insgeheim der Lüge. Er ist wahrscheinlich wirklich krank.

Misanthrop Test: Sind Sie wirklich ein Misanthrop?

Misanthrop Test Misanthrop Zitate Misanthrop GegenteilNachfolgend haben wir einige Aussagen aufgeführt, die recht typisch für einen Misanthropen sind. Zählen Sie die jeweiligen Punkte der Fragen zusammen, am Ende haben wir eine Auflösung:

  • Menschen sind böse. Es gibt keine guten Menschen. Jeder, der etwas anderes behauptet ist absolut naiv. 2 P.
  • Das ist mir zu pauschal. Ich kenne auch gute Menschen, man muss nur genau hinsehen. 1 P.
  • Jeder Mensch hat die Anlage zu etwas Gutem. Die Umwelt prägt einen Menschen. 0 P.
  • Ohne technische Hilfsmittel wäre der Mensch aufgeschmissen. 2 P.
  • Mensch, Tier und Natur leben in einer Symbiose miteinander. 0 P.
  • Die Natur braucht den Menschen, ohne ihn würden Naturkatastrophen ganze Landstriche verwüsten und die Tiere hätten keine Chance zu überleben. 1 P.
  • Die Welt ist völlig überbevölkert, die Erde wäre ohne Menschen besser dran. 2 P.
  • Es gibt sehr viele gute Menschen, die anderen helfen, das zeigt ja schon die Spendenbereitschaft. 0 P.
  • Sicher, vieles ist verbesserungswürdig. Aber ich finde, es kann jeder etwas dazu beitragen, dann wird die Welt ein besserer Ort. 1 P.
  • Ich finde, der Tierschutz in Deutschland zeigt, wie sehr Tiere und Natur hier wertgeschätzt werden. 0 P.
  • Je eher die Menschheit zugrunde geht, desto besser für die Erde - die kann sich dann wieder erholen. 2 P.
  • Ich engagiere mich in meiner Freizeit im örtlichen Naturschutzverein und habe seitdem einige Gleichgesinnte kennengelernt. 1 P.
  • Auch der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Er soll sich die Natur untertan machen, also folgt alles einem großen Plan. 0 P.
  • Die Menschen wären ohne die Natur völlig aufgeschmissen, andersherum ginge es der Natur ohne Menschen wesentlich besser. 2 P.
  • Die ganzen Umweltverschmutzungen und Kriege können einen zermürben. Aber für meine Kinder lohnt es sich zu kämpfen. 1 P.
  • Ich habe nur wenig Kontakte und die einzig guten Menschen sind meine Freunde. Wir teilen die Ansicht über den Zustand der Menschheit. 2 P.
  • In Deutschland gibt es so viele Wälder und Natur, das Leben ist einfach schön. 0 P.
  • Wer sich nur in einem gewissen Dunstkreis bewegt, muss sich nicht wundern, wenn er die Dinge nur negativ sieht. 1 P.

Misanthrop: Gegenteil ist gesünder!

Es ist nicht alles rosig, keine Frage. Aber Sie machen sich selbst das Leben unnötig schwer. Vermutlich haben Sie sehr hohe, ideale Ansprüche an die Menschheit. Angesichts vieler Kriege und Verbrechen ist das verständlich.

Aber vielleicht konzentrieren Sie sich lieber auf Ihren Mikrokosmos als auf das große Ganze: Die Welt können Sie nicht verändern. Aber in Ihrem Umfeld können Sie Dinge bewirken.

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung passen ganz gut dazu: Würden Sie nicht lieber in der Gewissheit leben, dass bestimmte Dinge nicht zu ändern sind, aber vieles ganz gut läuft? Dass viele Menschen aus Ihrer Umgebung Sie wertschätzen?

Auch wenn es bei Ihnen beruflich vielleicht gerade nicht ganz rund läuft - Sie können was daran ändern. Wir haben einige Tipps dazu:

  • Durchbrechen Sie alte Muster.

    Eine andere Sichtweise kommt sicherlich nicht über Nacht, sondern ist Teil harter Arbeit. Dennoch ist es wichtig, dass Sie Ihren Horizont erweitern. Das geht mit neuen Betrachtungsweisen und Erfahrungen.

  • Legen Sie Ihren ungesunden Lebensstil ab.

    Es heißt, ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper. Erfolg fängt bei einem gesunden Körper an. Treiben Sie Sport, der kurbelt die Durchblutung im Gehirn an. Ernähren Sie sich gesund, beispielsweise mit Brainfood.

  • Planen Sie langfristig.

    Wer erfolgreich etwas ändern will, muss sich langfristige Ziele setzen. Wer die ganz großen Veränderungen auf einmal anpeilt, könnte vor dem Berg erschrecken. Damit Sie dorthin gelangen, sollten Sie kleine Etappenziele anvisieren. Ein gesunder Lebensstil etwa sollte nicht etwas sein, wozu Sie sich überwinden müssen, sondern etwas, das Sie leben. Bezogen auf unser obiges Beispiel heißt das: Sie trainieren nicht nur, um eine Bikini-Figur für den Sommer zu bekommen, sondern ändern etwas langfristig.

  • Priorisieren Sie.

    Nur wer Prioritäten setzt, schafft es Dinge effizient zu erledigen. Multitasking ist ein Märchen; nie erledigt man alle Dinge gleich gut. Daher konzentrieren Sie sich auf die Bereiche, die Ihre Aufmerksamkeit verdienen. Das bedeutet auch nein zu sagen, wenn Kollegen Sie wiederholt um Hilfe bitten, Sie umgekehrt aber nicht unterstützen. Damit macht man sich nicht immer beliebt, aber es hilft Ihnen, Ihre Ziele zu erreichen.

  • Trauen Sie sich.

    Haben Sie Mut zur Lücke, nichts muss perfekt sein. Wer unerreichbar hohe Maßstäbe an sich legt, verurteilt seine Träume von vornherein zum Scheitern. Er wird sich nie verwirklichen und nie sein wahres Potenzial entfalten können. Somit geht der Welt da draußen auch etwas verloren, was sie vielleicht besser gemacht hätte.

  • Seien Sie zuversichtlich.

    Negatives Denken bringt Sie nicht weiter. Es blockiert nur und so kommen Sie Ihrem Ziel nicht näher. Benutzen Sie positive Affirmationen.

  • Umgeben Sie sich mit positiven Menschen.

    Ähnlich wie bei den positiven Affirmationen ist es auch mit Menschen: Toxische Menschen sind negativ, behindern Sie im Vorankommen, sind Energiefresser. Positive Menschen hingegen können eine Inspirationsquelle sein, haben selbst häufig wertvolle Erfahrungen gemacht. Die bringen auch Sie weiter.

  • Stoppen Sie die Ausreden.

    Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr eigenes Leben. Das beinhaltet Erfolge ebenso wie Misserfolge. Sie haben es selbst in der Hand, welchen Schritt Sie als nächstes gehen. Neue Erfahrungen können ein Wagnis sein, aber nur so lernen Sie und entwickeln Sie sich weiter, auch bei Fehlern.

  • Bleiben Sie authentisch.

    Man kann es nicht allen Menschen recht machen. Wenn Sie das verinnerlicht haben, lebt es sich deutlich einfacher. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass man andere Menschen mutwillig vor den Kopf stoßen oder verärgern muss. Auch sollten Sie offen für Kritik sein. Aber überprüfen Sie diese und arbeiten dann an sich.

[Bildnachweis: Smolina Marianna by Shutterstock.com]