Mit Blogs Geld verdienenGanz ehrlich: Ich bin davon überzeugt, dass sich jeder Blogger die Frage irgendwann stellt. Vor allem, wenn er oder sie viel Zeit, Leidenschaft und Mühe in seine Website investiert. Und auch das ist wohl kein Geheimnis: Ein gut geführtes Blog macht eine Menge Arbeit. Und auch wenn es dafür hoffentlich Anerkennung, Feedback und Schulterklopfen gibt (Hater, Trolle und Nörgler gibt’s gratis dazu): Davon allein lässt sich nicht leben. Server müssen gemietet, Blogs designt, Fotos gekauft, Software gewartet, Autoren eventuell bezahlt und Freizeit geopfert werden. Also fragen sich Blogger irgendwann: Kann ich mit dem Schreiben vielleicht auch ein paar Euro verdienen? Und lässt sich so ein Blog vermarkten? Die kurze Antwort: Ja, mit Bloggen lässt sich Geld verdienen, nur nicht mit jedem Blog. Jetzt die lange Antwort…

Der Eine oder Andere hat es vielleicht auf Twitter verfolgt: Ich war vergangene Woche in Berlin auf der re:publica 2012. Dort gab es ebenfalls ein Panel zu diesem Thema. Ich gebe zu, ich war davon wenig begeistert und noch weniger inspiriert. Es wurde viel geredet und wenig gesagt. Leider. Und manchmal wirkten die Diskutanten wie die Blinden unter den Einäugigen, ein bisschen selbstgefällig, aber wenig pragmatisch. Vor allem echte Tipps gab es praktisch keine. Schade.

Geld mit Blogs zu verdienen, ist keine Schande

Dabei ist das alles kein Hexenwerk. In den USA gibt es eine Reihe von Bloggern, die von ihren Blogs längst leben können. Einige sogar recht gut. Und wenn man sich wie ich ab und an mit ihnen unterhält, lautet meist schon die zweite Frage, die sie stellen: How much money do you make with your blog? Geld verdienen mit dem Blog – das ist dort etwas völlig Selbstverständliches. Nichts, wofür man sich schämen müsste. Im Gegenteil. Keiner zweifelt die Unabhängigkeit oder Integrität eines Bloggers an, nur weil auf seiner Seite Werbung geschaltet wird. Warum auch? Etablierte Redaktionen machen das auch – und können auch unabhängig bleiben.

Auch hierzulande gibt es Blogger und Webseitenbetreiber, die davon leben können. Ich inzwischen auch. Die meisten sagen es nur nicht gerne, weil das hierzulande immer gleich so einen Hautgout bekommt. Und natürlich auch, weil viele dann nur noch das erwirtschaftete Geld sehen – nicht aber die viele Arbeit und die Kosten, die dahinter stehen. Noch mal schade! Denn gäbe es mehr Menschen, die davon leben können, gäbe es auch mehr gute Blogs. Die Aussicht, mit seinen Analysen, Kommentaren und Geschichten seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, ist doch ein guter Anreiz! Nur müsste die Mehrheit eben gönnen können.

Und genau das ist eine der Hürden hierzulande: Deutschland besitzt eine erstaunlich missgünstige (Netz-)Kultur. Wie oft habe ich das schon erlebt: 1000 Follower, 5000 Follower, der 10.000ste Follower auf Twitter – du freust dich über so viel Zuspruch, twitterst das – und prompt entfolgen dich 20 Leute. Nur weil sie dir den Erfolg und die Freude darüber nicht gönnen können. Und mal ehrlich: Nichts anderes ist das. Die Tweets sind dieselben mit 9999 Followern wie mit 10.001. Deswegen ändert keiner sein Programm. Aber was einer vorher nützlich, hilfreich, gut fand, soll mit einem einzigen selbstreferenziellen Schnapszahl-Yeah-Tweet plötzlich unnütz, überflüssig und doof sein? Nein, das ist pure Missgunst. Und typisch deutsch. Und ein Handicap, mit dem wir uns selbst blockieren.

Im Übrigen sehe ich das inzwischen positiv, solche Follower oder Leser zu verlieren. Mit Menschen, die zwar gerne gratis deine Arbeit konsumieren, dir aber den Erfolg nicht gönnen oder immer nur nörgeln, obwohl sie selbst jeden Tag davon profitieren, kannst du nicht wachsen. Die Community auch nicht. Und aus meinen Statistiken weiß ich: Das sind nie die wirklich treuen Leser, die, die mitdiskutieren, konstruktiv kritisieren, auch mal loben oder die Community unterstützen. Es sind immer die anderen. Also kein Verlust. Es sei denn, man versucht mit seinem Blog einen imaginären Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen. Aber wer ist schon so naiv?

Aber ich schweife ab. Wie also lässt sich mit einem Blog Geld verdienen?

Ohne diese drei Zutaten geht es nicht

Es sind vor allem drei Zutaten, die ein Blog kommerziell interessant machen:

  • Ein klares Thema, eine lukrative Zielgruppe. Alle Blogs, die kommerziell erfolgreich sind, agieren letztlich in einer thematischen Nische. Die ist mal größer, mal kleiner. Aber sie haben ein klar abgegrenztes Themengebiet. So wie die Karrierebibel auch. Nur dadurch haben die Blogger auch eine klar definierbare Zielgruppe und Leserschaft. Und nur diese lässt sich wieder über Werbung vermarkten. Gerade sogenannte Affiliates, also provisionsbasierte Anzeigen, funktionieren etwa nur, wenn sie zum Umfeld passen. Kein Mensch würde auf der Karrierebibel ein Affiliate-Banner für Dessous anklicken und darüber seine Unterwäsche bestellen. Warum auch? Es wäre deplatziert. Man muss allerdings dazu sagen: Nicht für alle Themen findet sich ein lukrativer Werbemarkt. Politische Blogs etwa haben es – im Gegensatz zu Fashion- oder Kosmetik-Blogs – diesbezüglich schwer. Wer also wirklich sein Blog vermarkten will, sollte sich nüchtern fragen: Welche Branche hat überhaupt ein Interesse daran, meine Lesergruppe zu erreichen? Gibt es diese nicht, ist alle Mühe letztlich vergebens. Bloggende Coaches und Berater werden wohl kaum andere Coaches und Berater finden, die auf ihrer Seite Werbung schalten wollen. Interessant werden die allenfalls erst durch die schiere Masse ihrer Leserschaft. Was mich zum zweiten Punkt bringt…
  • Mindestens 1000 Leser am Tag. Die meisten Blogs finanzieren sich über Werbung: Bannerwerbung, Affiliates, zum Teil auch Gastartikel. All das funktioniert aber erst ab einer bestimmten Lesergröße. Und ganz ehrlich: Unter 1000 Lesern am Tag ist ein Blog finanziell uninteressant. Mehr als 100 Euro im Monat kommen dabei selten zusammen. Und selbst davon wird keiner leben können. Das gelingt wiederum erst ab 10.000, eher 20.000 Lesern am Tag. Und die muss man sich mit viel Leidenschaft, Engagement und Durchhaltevermögen erarbeiten. Es hat knapp vier Jahre gedauert, bis die Karrierebibel 10.000 tägliche Leser erreichte, heute sind es rund 20.000. Und inzwischen schreiben hier auch drei (bezahlte) Autoren mit. Dort hin zu kommen, ist kein Spaziergang. Jeder sieht zwar das Ergebnis – kaum einer aber den Weg. Wir veröffentlichen heute am Tag bis zu fünf Artikel. Bei René und seinem Nerdcore drüben sind es gefühlte 20 am Tag. Das ist harte Arbeit. Deshalb muss sich jeder, der mit seinem Blog Geld verdienen will, fragen: Wie viel kann ich überhaupt schaffen, und ist es eigentlich nur ein Hobby von mir oder soll es ein Job werden? Wohlgemerkt: Es gibt viele exzellente Blogs, die ich sehr schätze – eben weil die Autoren allein ihrer Leidenschaft folgen. Und viele sind gut beraten, es dabei zu belassen. Sonst schwindet mit der Kommerzialisierung womöglich der Spaß und damit die Qualität. Geld mit dem Blog zu verdienen, bedeutet schließlich auch, es zu professionalisieren. Das ist dann kein Hobby mehr, sondern mindestens ein Nebenjob. Die Werbekunden erheben Reichweiten-Ansprüche, die Leser wollen täglich frischen Content. Dem muss man sich stellen können und wollen.
  • Ein großes, starkes Netzwerk. Der dritte Punkt ist vielleicht der, der in Deutschland das größte Hindernis darstellt. Aktuell jedenfalls. Schon vor einiger Zeit konnte man es in den Deutschen Blogcharts beobachten: Die Blogger verlinken sich immer seltener untereinander. In den USA ist es eher umgekehrt. Früher wiesen A-Blogs hierzulande 2000 oder mehr Backlinks auf, heute reichen schon 271 Backlinks für ein Alpha-Blog. Ich vermute dahinter einen falschen Wettbewerbsgedanken. Er geht ungefähr so: Oha, da gibt es ein noch viel cooleres Blog als meins, und die schreiben auch noch über dasselbe Thema! Besser ich verlinke das nicht, dann stoße ich meine Leser nicht auch noch auf die Konkurrenz – und ich schenke denen keinen Link, damit die nicht noch populärer werden… Riesenfehler! Erstens: Wenn das Blog wirklich cooler, besser, populärer ist, finden es die Leser sowieso. Zweitens: Wer mit Links geizt, wird selber seltener verlinkt und bleibt klein. Als ich damals anfing, die Karrierebibel zu etablieren, gab es schon zahlreiche Karriereblogs. Ich habe dieses Rad mit Sicherheit nicht neu erfunden. Aber ich habe Vieles anders gemacht. Unter anderem habe ich von Anfang an vernetzt und verlinkt: Blogs, die mir gefielen und inhaltlich passten, kamen in die Blogroll (was heute schon wieder Seltenheitswert besitzt); Artikel, die lesenswert waren, wurden zitiert und verlinkt. Das brachte nicht nur Aufmerksamkeit und neue Freunde: Die Leser fanden auch die Karrierebibel immer interessanter. Denn statt selbst mühsam durch das Web zu surfen, um nach den Filetstücken zu suchen, fanden sie diese bei uns. Auch Google schätzte diesen Service und belohnte das Blog mit einem schnell steigenden Pagerank. Ich weiß noch immer von einigen Bloggern in meiner Blogroll, die sich vermutlich eher den Arm ausreißen würden, als die Karrierebibel zu verlinken – weil wir inzwischen größer und populärer sind und mit ihnen angeblich konkurrieren. Nur worum überhaupt? Das Internet ist groß genug für alle! Deshalb bleiben sie auch in unserem “Lesestoff” – weil sie einfach ein gutes Blog machen und mir der Link nicht weh tut. Und genau so sollten Sie es auch machen: Wenn Sie Ihre Nische gefunden haben, finden Sie alle anderen Blogger, die sich dort ebenfalls tummeln und verlinken Sie diese – unabhängig davon, ob die mitziehen oder nicht. DAS ist der wahre Netzwerkgedanke! Davon lebt das Internet – und Ihr Erfolg auch.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Bei Linktausch machen wir kategorisch nicht mit. Wer verlinkt werden möchte, kann uns darauf per E-Mail hinweisen. Wir schauen uns das dann gerne an, aber verlinkt und empfohlen wird nur, wer gefällt. Eine gute Link-Auswahl ist in erster Linie ein Service für Leser. Solange die verlinkte Quelle den Lesern nutzt – fein. Wer aber meint, er könne uns nur verlinken, sobald wir ihn auch verlinken, der hat das mit dem Social in Media leider noch immer nicht verstanden.

Das voraus geschickt, ist der Rest auch nicht mehr schwer, mit Blogs Geld zu verdienen: Bewerben Sie sich bei Google-Adsense oder einem anderen Blogvermarkter wie Populis (ehemals Mokono) oder Adtiger. Integrieren Sie ein paar Werbeflächen in Ihr Blog – und hören Sie nicht auf all diejenigen, die das ganz schrecklich kommerziell finden, aber glauben, ihre tägliche Gratis-Netzkonsum-Dosis sei tatsächlich kostenlos. Ist sie nicht, war sie nie. Das Internet lebt von den Machern und Mäzenen (oft in Form von Werbetreibenden), von wohlwollenden und engagierten Lesern – nicht von moralinsauren Nassauern, am besten noch mit Adblockern. Deshalb schadet es auch nicht, wenn man in den Blogs, die man gerne liest, auch mal auf ein solches Werbebanner klickt und sich die Verbraucherinformationen genauer ansieht. Auch das ist eine Form der Unterstützung. Die kostet nichts außer ein bisschen Zeit. Und die investiere ich gerne in Seiten, die mich immer wieder inspirieren.

Wenn andere dadurch reich werden: Super! Man muss eben gönnen können.

Wie man ein Blog monetarisiert: Sascha Pallenberg

Passend dazu noch ein kleines Interview, das wir vor zwei Jahren ebenfalls auf der re:publica mit meinem inzwischen guten Kumpel Sascha Pallenberg von Netbooknews.de geführt haben. Auch der lebt seit einiger Zeit sehr gut vom Bloggen, beschäftigt Autoren in den USA, Deutschland und Taiwan, und sieht das ganz entspannt:

Nachtrag: Werbung, Paid Content und Affiliate

Auf Lousypennies ist ebenfalls ein Artikel zu dem Thema erschienen. Hier werden noch weitere Einnahmequellen genannt, wie zum Beispiel:

  • Inhalte direkt verkaufen – etwa via Paywall und Tinypass
  • Flattr – also Leserspenden
  • eBooks und PDFs als Download im Shop
  • Werbebanner und Affiliate-Programme
  • Oder Sponsoren-Modelle