Manche Ideen, Meinungen, Vorstellungen und Wünsche setzen sich so sehr in den eigenen Gedanken fest, dass man nicht mehr davon ablassen kann. Ohne Rücksicht auf Verluste pocht man immer weiter darauf, dass alles genau so laufen muss, wie man es gerne hätte und je stärker der Gegenwind ist, mit dem man zu kämpfen hat, desto energisches versucht man sich durchzusetzen. Doch mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, ist oftmals eine dumme Idee, mit der Sie sich am ehesten selbst schaden - und dabei am Ende nicht nur Kopfschmerzen haben, sondern auch Chancen vertun und Ihren Ruf aufs Spiel setzen...

Mit dem Kopf durch die Wand Frust Wut Trotz

Woher kommt der Wunsch, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen?

Mit dem Kopf durch die Wand... Schon die Redewendung selbst zeigt, dass es keine gute Idee ist, mit aller Kraft und allen Widerständen zum Trotz unbedingt den eigenen Willen durchsetzen zu wollen. Beispiel gefällig? In aller Regelmäßigkeit finden sich in den Kommentaren unseres Blogs unüberlegte Anmerkungen. Wenig durchdachte Schnellschüsse, die oftmals objektiv gesehen schlichtweg falsch sind. Darauf angesprochen könnte der eigene Fehler erkannt werden, der Kommentar könnte gelöscht werden oder man steht zu seinem Fehler und ergänzt die eigene Aussage.

Die Reaktion ist jedoch meist das genaue Gegenteil. Man bleibt uneinsichtig bis in die Haarspitzen und steigert sich immer weiter hinein, bis am Ende fast immer das gleiche Argument fällt: Alles ist unprofessionell... Hauptsache mit dem Kopf durch die Wand.

Man sollte sich sicher nicht durch jede Kritik vom eigenen Weg oder einer Meinung abbringen lassen, doch in vielen Fällen ist es sinnvoll und angebracht, sich selbst zu hinterfragen und die eigenen Beweggründe zu reflektieren.

Warum will ich mich unbedingt durchsetzen? Will ich mir oder jemand anderem etwas beweisen? Sind die Einwände der anderen berechtigt und ich liege falsch? Wenn Sie ehrlich mit sich selbst ins Gericht gehen, werden Sie schnell merken, ob Sie auf dem richtigen Weg sind oder krampfhaft versuchen, mit dem Kopf durch die Wand zu kommen.

Der Drang, unbeirrbar zu bleiben, kann jeden manchmal überkommen, aber warum wollen wir manchmal mit dem Kopf durch die Wand?

  • Nicht nachgeben. Der Weg zurück fällt vielen besonders schwer. Hat man seinen Standpunkt einmal geäußert, sind nur wenige wirklich dazu in der Lage, diesen noch einmal zu hinterfragen und im Zweifelsfall zu überdenken. Stößt man auf Kritik, bleibt nur noch der direkte Weg nach vorne - und der führt oftmals mitten durch eine Wand.
  • Erfolge verbuchen. Konkurrenz gibt es in allen Bereichen, ob beruflich, beim Hobby oder privat. Da es schwer genug ist, überhaupt nennenswerte Erfolge zu verbuchen, will man diese möglichst mit niemandem teilen. Sieht man die Chance auf einen Erfolg, versucht man diesen unbedingt zu erreichen, selbst wenn sich dabei immer wieder zeigt, dass man vielleicht mit seiner ursprünglichen Einschätzung falsch lag.
  • Selbstachtung erhalten. Für viele kommt es einer Niederlage gleich, wenn sie sich eingestehen müssen, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Um die Selbstachtung aufrecht erhalten zu können, behelfen sich viele mit einer anderen Möglichkeit: Man zieht die Sache durch, versucht seinen Fehler irgendwie zu überspielen und hofft, sich noch einmal aus der Affäre ziehen zu können.

Kopf-durch-Wand-Spruch

Darum schadet es, mit dem Kopf durch die Wand wollen

Auf der einen Seite gilt Durchsetzungsvermögen als eine durchaus positive Eigenschaft, die gerade im Berufsleben gefragt ist und geschätzt wird. Schließlich gibt es unzählige Probleme und Schwierigkeiten, denen man sich stellen muss. Auch wer mit dem Kopf durch die Wand will, stellt sich - nicht nur metaphorisch - Hindernissen entgegen. Doch während es beim Durchsetzungsvermögen darum geht, die eigenen Ziele zu erreichen, steht bei der Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Methode nur eine Sache im Vordergrund: Nicht abweichen wollen und ja nicht zugeben, dass man vielleicht auf dem Holzweg ist.

Wer sich durchsetzen kann, ist nicht automatisch blind für andere Wege, sondern erkennt, wenn er Korrekturen vornehmen muss und ist bereit, dies zu tun, um sein ZIel zu erreichen. Mit dem Kopf durch die Wand zu gehen zeugt hingegen nur von Sturheit und der Unfähigkeit, sich an neue Informationen oder Veränderungen anzupassen.

Vier Gründe, warum Sie nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen sollten:

  1. Sie verrennen sich immer weiter

    Wer mit dem Kopf durch die Wand will, läuft in der Regel eher an dieser entlang und entfernt sich dabei immer weiter. Dies lässt sich besonders regelmäßig bei Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten beobachten. Hat ein Argument nicht den gewünschten Erfolg - oder geht vielleicht sogar nach hinten los - greifen die meisten nach jedem Strohhalm, um nicht nachgeben zu müssen.

    Es werden immer neue Punkte angeführt, selbst wenn diese nichts mehr mit der ursprünglichen Aussage zu tun haben. Doch Angriff ist in diesem Fall nicht die beste Verteidigung, da man nur die Schwächen der eigenen Argumentation offenbart.

  2. Sie ignorieren gute Ratschläge

    Ein weiterer großer Fehler: Wollen Sie mit dem Kopf unbedingt durch die Wand, fühlen Sie sich von jeder Anmerkung sofort kritisiert und angegriffen. Statt zuzuhören und gute Ratschläge anzunehmen, die Ihnen sogar helfen könnten, entwickeln Sie eine Rechtfertigungshaltung, in der Sie jeden Input grundsätzlich ablehnen und diesen als unbegründet oder falsch abtun.

  3. Sie verspielen Ihren Ruf

    Jeder darf mal stur sein und niemand hat etwas dagegen, wenn Sie Ihre Meinung verteidigen - ganz im Gegenteil sogar. Entsteht jedoch der Eindruck, dass Sie immer mit dem Kopf durch die Wand wollen und dabei zu keinem Kompromiss bereit sind, wird sich auch das Verhalten Ihres Umfelds dementsprechend anpassen.

    Sie gelten als Sturkopf, werden nicht mehr nach Ihrer Meinung gefragt und sollten sich auch nicht wundern, wenn Sie weniger Unterstützung erhalten, als Sie vielleicht erhofft haben.

  4. Sie ignorieren das Ergebnis

    Hat man einmal einen gewissen Punkt überschritten, geht es nicht mehr darum, ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, sondern nur noch schlichtweg darum, recht zu behalten und sich durchzusetzen. Spätestens hier zeigt sich die wahre egozentrische Natur des Handelns. Anfangs kann dies noch kaschiert werden und das Handeln wird unter den Deckmantel der Lösungsorientierung gestellt, fällt diese Fassade, wird es umso deutlicher, worum es wirklich geht.

Außerdem: Wahre Größe zeigt sich nicht immer nur darin, bei Gegenwind und Widerworten um jeden Preis weiterzumachen und auf Biegen und Brechen die eigene Meinung durchzudrücken. Charakterstärke zeigt der, der sich selbst und anderen gegenüber einen eigenen Fehler eingestehen kann und eben nicht mit dem Kopf durch die Wand will - sondern die Augen aufmacht und die Tür nimmt...

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