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Nicht selten ähnelt Meinungsaustausch dem Versuch, Öl mit Wasser zu mischen. Mit Kritik umgehen kann eben nicht jeder. Aber jeder lernen! Kritik ist: Wenn man es netter sagt als man es meint. Das ist leider einer der größten Irrtümer über Kritik. Es stimmt zwar: Kritik will hübsch angerichtet sein, damit der andere sie bereitwillig schluckt. Nur nutzt das alles wenig, wenn in der Soße aus Toleranz und Lieblichkeit die Kernbotschaft absäuft. Oder anders gesagt: Mit Kritik richtig umzugehen, bedeutet zugleich das Kritisieren zu lernen, denn: Tadel verpflichtet...

Mit Kritik umgehen: Kritiker umweht die Aura des Bescheidwissers

Doppelganger4/shutterstock.comDoch schauen wir uns zunächst an, was bei Kritik alles im Subtext mitschwingt: Je enger der Raum, desto schneller entwickelt sich der Streit, soll Schopenhauer einmal gesagt haben. Dabei verglich er den Menschen mit Stachelschweinen, die sich umso mehr stechen, je näher sie zusammenrücken, wenn sie sich eigentlich nur wärmen wollen.

Kritik - im positiven Sinne - ist so ein Versuch näher zusammenzurücken. Da sieht jemand einen Fehler und weist freundlicherweise darauf hin. Die Kritik besitzt den Charakter eines gut gemeinten Rates, dem zugleich die Chance zur Korrektur innewohnt. Toll. Eigentlich zumindest.

Das Problem am menschlichen Miteinander aber ist, dass wir die Dinge in der Regel weder objektiv sehen oder so wie sie sind, sondern wie wir sind. Erschwerend hinzu kommt der Nimbus der Erleuchtung, der mit jedem kritischen Urteil transportiert wird: Wer andere beurteilt, erhöht sich automatisch und umgibt sich mit der Aura des Ein-, Weit- und Durchblicks und kommt damit automatisch in den zweifelhaften Ruf eines Bescheidwissers.

Auf alles eine Antwort - womöglich gar die bessere - parat zu haben, macht nicht zwingend sympathisch. Da kann es noch so gut gemeint sein. Und wer anderen auch ohne böse Absicht durch seine An- und Einsichten immer wieder ihre eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen führt, erzeugt vor allem zweierlei:

  • Minderwertigkeitsgefühle und
  • Rachegelüste.

Blockieren aber erst einmal angekratzte Gefühle den Verstand, bleibt Ihr Gegenüber auch für die edelsten Argumente verschlossen. Mit der Kritik umgehen kann so jemand sicher nicht mehr, jedenfalls nicht mehr wie ursprünglich (hoffentlich) beabsichtigt.

Klüger ist deshalb die Strategie, die der Japaner Tsunetomo Yamamoto in "Hagakure – Der Weg des Samurai" beschreibt:

Um jemandem deine Meinung zu sagen, musst du vorher sorgsam abschätzen, ob derjenige in einer günstigen Verfassung dafür ist. Du musst dich mit ihm vertraut machen und sichergehen, dass auch er Vertrauen zu dir fasst. Unterhalte dich mit ihm über Themen, die ihm wichtig sind, und versuche, dich möglichst freundlich und unmissverständlich auszudrücken. Halte Ausschau nach einer günstigen Gelegenheit und überlege dir, ob du es ihm per Brief oder lieber zum Abschied sagst. Rühme seine Stärken und nutze jede Möglichkeit, um ihm Mut zu machen, vielleicht indem du über deine eigenen Schwächen sprichst, ohne seine zu berühren, sodass ihm seine Schwächen von selbst bewusst werden. Bringe ihn dazu, deine Meinung entgegenzunehmen wie ein Mann mit trockener Kehle das Wasser, und du wirst seine Fehler korrigieren.

Wenn Sie also einem anderen Ihre Einschätzung mitteilen wollen, hängt dessen Reaktion wesentlich davon ab, wie sehr Sie sich vorher emotional stabilisieren und sich ebenso vorab fragen, warum Sie den anderen überhaupt hier und jetzt kritisieren möchten:

Wollen Sie ihm damit wirklich einen Dienst erweisen - oder nur sich selbst erhöhen und produzieren?

Andere zu kritisieren ohne dabei Streit zu provozieren, gelingt letztlich nur durch eine innere Diensthaltung, die durchaus wahrgenommen wird, und den Versuch, das Gesicht des anderen zu wahren.

Destruktive Kritik: Diese Formulierungen sind verboten

  • "Sie sind... unfähig, faul, doof...!"

    Sätze, die mit "Sie sind..." beginnen oder ein "typisch (für Sie)" enthalten, drücken dem anderen einen Stempel auf - final. Das ist aber erstens anmaßend und zweitens meistens falsch. Korrekt und zulässig ist allenfalls die Ich-Botschaft: "Sie wirken auf mich...".

  • "Was haben Sie sich dabei bloß gedacht?"

    Dabei handelt es sich um sogenannte Scheinfragen. An den Hintergründen ist der Kritiker meist gar nicht interriert - wie bei der Frage "Wie konnte Ihnen das nur passieren?" auch. Letztlich transportiert die rhetorische Frage nur einen Vorwurf, die das Gespräch eher eskaliert.

  • "Immer, nie, ..."

    Eine klassische Verallgemeinerung und Übertreibung, die in dieser Absolutheit nie richtig sein kann. In dieselbe Kategorie fällt auch Pauschalkritik vom Typ: "Ich habe Ihnen jetzt schon 1000 Mal erklärt..." Wirklich? Schon exakt so oft? Bleiben Sie besser bei den nachprüfbaren Fakten. Das ist auch viel glaubwürdiger.

  • "Das ist Ihre Schuld!"

    Der vermeintliche Appell an das schlechte Gewissen, ist de facto eine Schuldzuweisung. Das ist aber alles andere als konstruktiv, denn damit ist überhaupt noch nicht geklärt wie der Fehler passieren konnte oder was zu tun ist, damit er sich nicht wiederholt. Lösung? Fehlanzeige.

Mehr über destruktive Kritik und wie Sie darauf reagieren, erfahren Sie in diesem Dossier.

Tadel verpflichtet: Auch Kritiker können falsch liegen

Kritik kann – richtig eingesetzt – eine enorm kreative Kraft sein, die Lernprozesse, Weiterentwicklungen und Erfolge überhaupt erst möglich macht.

Wer vorhat, im Genre der Kassandra, der unbeliebten Unheilsbotin, zu einem geliebten Herold zu werden, der sollte sich weniger auf Verpackungskünste und mehr aufs Wesentliche konzentrieren. Vor allem aber offen sein für konstruktive Gegenvorschläge.

Bevor man sich also Gedanken darüber macht, wie man dem Kollegen am besten sagt, dass er eine Macke von kosmischem Ausmaß besitzt, ist es sinnvoll sich noch ein wenig intensiver mit den Erkenntnissen der modernen Konfliktforschung zu beschäftigen.

So wie es auch Annette Bruce getan hat. Die Kölner Wirtschaftswissenschaftlerin untersuchte vor einiger Zeit schon in empirischen Studien, wie man Kritik optimal sendet oder empfängt. Dabei befragte sie insgesamt 104 Führungskräfte, wobei diese sich selbst, aber auch ihre Mitarbeiter und umgekehrt in sogenannten 360-Grad-Feedbacks hinsichtlich ihrer Kritikkompetenz beurteilen sollten.

Bruce unterschied anschließend zwischen zwei grundsätzlichen Kompetenzen:

  • Die aktive Kritikkompetenz. Sie beschreibt die Fähigkeit, andere Menschen (Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzte) fördernd im Sinne der Person und der Sache zu kritisieren.
  • Die passive Kritikkompetenz. Sie sagt aus, wie konstruktiv einer mit Kritik umgehen kann.

Am Ende ihrer Untersuchungen identifizierte Bruce jeweils vier Kritikertypen samt dazugehörigen Kritikstilen, die jeder schon einmal erlebt hat und die in jedem Büro mit einer Belegschaft von n > 20 vorkommen dürften.

Sie können ja die Probe aufs Exempel machen, und sich bei der folgenden Aufzählung selbstkritisch fragen, welcher Typ Sie sind. Oder Ihr Kollege. Oder Ihr Chef...

Mit Kritik umgehen: Aktiv

  • Der kompetente Kritiker

    Bei diesem Typ bewegt sich das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung auf einem gesunden Niveau. Weder versucht er Beliebtheitswettbewerbe zu gewinnen, noch versteht er sich als einäugigen Antreiber und blinden Faulenzern. Kurzum: Er ist in der Lage, zum Wohle des Unternehmens unangenehme Entscheidungen zu treffen.

    Vorher prüft er aber gründlich die Standpunkte Dritter, um im Konfliktfall für beide Seiten sinnvolle Optionen zu erzielen. Zudem zeichnet ihn ein nützlicher, aber nicht übertriebener, Humor aus.

  • Der kumpelhafte Kritiker

    Er ist der empathischste Typ und besitzt die Fähigkeit, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen. Seine Schwachstelle ist aber die soziale Anerkennung. Die bewertet er zuweilen höher als den Unternehmenserfolg, weshalb er ungern unbequeme Entscheidungen trifft.

    Immerhin: Auch der Kumpeltyp besitzt Humor, was zumindest hilft, besonders kritische Situationen zu entschärfen.

  • Der autoritäre Kritiker

    Das Motto dieses Draufgängers: Was hätte Rambo an meiner Stelle getan? Dieser Typ geht keinem Konflikt aus dem Weg. Dabei beharrt er dann stur auf seinen eigenen Standpunkten.

    Kompromisse sind jedenfalls nicht sein Stil, sein Ziel eigentlich auch nicht. Der autoritäre Führungsstil dient allerdings meist nur dazu den Mangel an sozialer Kompetenz zu überdecken.

  • Der konfliktscheue Kritiker

    Gut, auch dieser Typ hat empathische Stärken, kann sich gut in die Lage anderer versetzen. Aber er erträgt keinen Streit. Kommt es zu Konflikten, zieht er sich möglichst unauffällig zurück oder schweigt.

    Über Kollegen oder Mitarbeiter äußert er sich nur ungern – und schon gar nicht negativ.

Mit Kritik umgehen: Passiv

  • Der kompetente Kritiknehmer

    Lob und Tadel sind für ihn zwei Seiten derselben Medaille. Kritik versteht dieser Typ als Chance zur persönlichen Entwicklung und verarbeitet sie entsprechend konstruktiv. Zwar wird er im Konfliktfall auch seinen eigenen Standpunkt artikulieren, aber er hält nicht zwingend daran fest.

    Entscheidend ist für ihn, einen für das Unternehmen sinnvollen Kompromiss auszuhandeln. Es geht ihm nicht darum, auf der eigenen Meinung zu beharren, sondern die beste Option zu finden.

  • Der konfliktäre Kritiknehmer

    Wer andere beurteilt oder kritisiert, setzt diese immer auch ein Stück weit herab. Genau dafür haben diese Personen sensible Antennen. Kritik empfindet dieser Typ daher stets als Bevormundung, was die Konfliktlösung mit ihm wahrlich nicht erleichtert.

    Oft offenbart er sich durch eigensinniges und unbelehrbares Verhalten. Er will sich nicht von anderen belehren lassen und bleibt lieber bei seiner ursprünglichen Einschätzung.

  • Der kooperative Kritiknehmer

    Man könnte auch sagen, es handelt sich hierbei um einen Jasager, jedenfalls im Extrem. Im Konfliktfall stimmt er meist vorschnell der Meinung anderer zu. Solange die Kritik nur vehement genug vorgetragen wird, neigt er auch nicht dazu, sie zu hinterfragen.

    Das hat dann allerdings häufige Verhaltensschwankungen und fehlende Zielstrebigkeit zur Folge.

  • Der unabhängige Kritiknehmer

    Nach außen signalisiert dieser Typ stets Kooperationsbereitschaft. Auf Kritik reagiert er vermeintlich offen und positiv. Denkste. Tatsächlich traut er den erzielten Kompromissen nur selten. Vielmehr hält er seine eigene Meinung für die bessere, weshalb er sich auch durch ideal vorgetragene und fundierte Kritik nicht aus der Bahn werfen lässt, geschweige denn sich weiterentwickeln wird.

    Er will es einfach nicht und hält es obendrein nicht für nötig, das Feedback anderer anzunehmen. Auffällig wird dieser Typ durch seine latente Besserwisserei, die er gerne mit Humor zu überdecken versucht.

Mit Kritik umgehen: Tipps, wie Sie sich verhalten sollten

Zugegeben: Es ist nicht leicht, richtig mit Kritik umzugehen. Kaum jemanden lässt es kalt, wenn er sich für sein Verhalten, seine Entscheidung oder seine Leistungen Kritik gefallen lassen muss. Man könnte aus der Haut fahren, will sich rechtfertigen, dem anderen die Kritik um die Ohren hauen und ihm klar machen, dass er keine Ahnung hat, wovon er redet.

Nachvollziehbare Reaktionen, die jedoch alles andere als professionell und zielführend sind. Damit Sie in Zukunft richtig mit Kritik umgehen und vernünftig reagieren, haben wir vier Schritte erstellt, an die Sie sich halten können:

  1. Hören Sie erst einmal zu

    Klingt leicht, ist in der Realität aber meist bereits eine schwierige Angelegenheit. Wird Kritik geäußert, verspüren die meisten das Bedürfnis, sofort einzuschreiten und das Gesagte nach eigener Einschätzung zu korrigieren oder die Äußerungen ganz zu unterbinden.

    Besser ist es, den Kritiker erst einmal ausreden zu lassen und sich ganz in Ruhe alle Argumente anzuhören, die er vorzubringen hat. Nur so können Sie wirklich erkennen, ob tatsächlich berechtigte Kritik geübt, die eine Reaktion erfordert.

  2. Fragen Sie nach

    Sollten Sie unsicher sein, ob Sie alles richtig verstanden haben, sollten Sie unbedingt nachfragen - aber bitte ohne einen sarkastischen oder anklagenden Unterton. Starten Sie einen Dialog und bitten Ihren Gegenüber, seinen Punkt noch etwas genauer zu erklären.

    So zeigen Sie, dass Sie die Kritik durchaus sehr ernst nehmen. Außerdem werden so jegliche Missverständnisse gleich zu Beginn ausgeräumt.

  3. Nehmen Sie die Kritik an

    Ein wichtiger, wenn auch schwieriger, Schritt. Tun Sie die Kritik nicht einfach ab oder spielen vor, dass alles Schwachsinn wäre, was der Kritiker Ihnen gegenüber vorbringt. Tatsächlich kann es sogar sinnvoll sein, sich für die geäußerte Kritik zu bedanken.

    Immerhin hat der andere sich die Zeit genommen, um Ihnen seine Meinung mitzuteilen und versucht Ihnen die Chance zu geben, sich selbst zu verbessern.

  4. Erläutern Sie Ihre eigene Meinung

    Richtig mit Kritik umzugehen, bedeutet nicht, dass Sie dieser immer zu 100 Prozent zustimmen müssen. Ganz im Gegenteil sogar. Sie dürfen - und sollen - Ihre eigene Meinung äußern und so auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Möglicherweise hat der Kritiker Ihre Beweggründe Missverstanden oder Sie halten die Kritik aus verschiedenen Gründen für unberechtigt.

    Wichtig ist bei diesem Punkt in erster Linie, dass es ein sachliches Gespräch bleibt. Niemand profitiert, wenn geschimpft und geschrien wird.

Zanke schön: Tipps für besseres Kritisieren

Auch wenn das Obige vielleicht kompliziert klingt: Scheuen sollte man Konflikte nie. Schließlich sorgen sie für geistige Mobilität, Vitalität - vor allem aber können sie heilsame Veränderungen herbei führen.

Was uns jedoch oft im Job (aber auch privat und erst recht in Social Media) fehlt, ist eine echte Streit- und Kritikkultur. Ja, diese These ist letztlich auch eine Kritik, aber zugleich konstruktiv. Denn hier folgen die dazugehörigen Tipps für besseres Kritisieren:

  • Neutralität bewahren

    Kommt es zur Aussprache, steht die Atmosphäre an erster Stelle. Bemühen Sie sich unbedingt um Sachlichkeit. Starten Sie niemals mit Wut im Bauch. Jeder Sportler gönnt sich vor dem entscheidenden Match eine kreative Pause; zur Entspannung und zur Orientierung.

    Wenn Ihnen etwas nicht passt, sollten Sie zunächst versuchen, den Konfliktherd genau zu identifizieren und das Problem klar zu umreißen. Ein zeitlicher Abstand zum Auslöser hilft hierbei oft schon, allerdings sollte das Gespräch auch nicht zu lange hinausgezögert werden. Im Fachjargon heißt diese erste Annäherung übrigens Kontaktphase.

  • Perspektive wechseln

    Auf sie folgt die Aufmerksamkeitsphase: Ist eine gute Gesprächsatmosphäre gefunden, sollten Sie zusammen klären, wie Sie sich das Gespräch vorstellen. Dabei sollten sich alle Beteiligten einig sein, dass sie gemeinsam an einer Lösung arbeiten wollen. Will einer den Konflikt partout nicht ausräumen, können Sie sich die ganze Aktion sparen. Und: Prüfen Sie vorab eigene Vorurteile und ändern Sie den Blickwinkel: Wer sich in die Lage des anderen versetzt und Gründe für sein Handeln sucht, baut nicht nur Ärger ab, sondern sammelt zusätzlich Gegenargumente für die spätere Debatte.

  • Sichtweisen austauschen

    Sind sich alle einig, sollten Sie nacheinander ihre Interpretation des Konflikts erzählen: Wie kam es dazu? Was nervt sie? Was hat die Sache eskalieren lassen? Charmanter ist in diesem Fall übrigens selber zu beginnen, dann steht die Version des anderen zuletzt im Raum, was ihm ein besseres Gefühl gibt. Lassen Sie sich an dieser Stelle aber bitte nie zu Verallgemeinerungen vom Typ "Das sehen alle so" oder "Das macht man nicht" hinreißen.

    Das sind sublime Attacken, die verletzen und Aggressionen schüren. Und: Zu diesem Zeitpunkt sollte noch keine Diskussion über die Richtigkeit der Sichtweisen stattfinden. Das mündet nur im Streit.

  • Ruhe bewahren

    Je größer der Stress, desto stärker der Adrenalin-Ausstoß. Folge: Instinkte gewinnen anstelle des Verstandes die Oberhand und lähmen eine rationale Auseinandersetzung. Konfliktmanagement bedeutet deshalb auch, einen kühlen Kopf zu bewahren. Bleiben Sie also stets ruhig und vermeiden Sie hektische Bewegungen.

    Starren Sie den anderen nicht an, das macht ihn nur aggressiver. Schauen Sie aber auch nicht weg. Hören Sie genau zu. Überhören Sie Beleidigungen, denn Sie bringen Sie nur selbst in Rage. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das Problem. Und vermeiden Sie lange Schachtelsätze, kurze einfache Hauptsätze genügen. Mehr wird der Kritisierte eh nicht verstehen.

  • Sachebene finden

    Bemühen Sie sich um eine sachorientierte Ebene: "Sie sehen das so, ich sehe das so. Wie kommen wir da zusammen?" Auch nonverbale Faktoren – wie Kopfnicken oder Blickkontakt – zählen.

    Vermeiden Sie trennende, gegenüberliegende Sitzpositionen am Schreibtisch. Verhandlungen am runden Tisch oder über Eck signalisieren mehr Miteinander als Gegeneinander.

  • Bedenkzeit geben

    Unterbrechen Sie den anderen auf keinen Fall. Lassen Sie ihn ausreden – und warten Sie dann selbst noch kurz bis Sie antworten. Wer nach Gegenargumenten sucht, noch während der andere redet, provoziert dagegen nur weitere Missverständnisse. Hören Sie also zu. Für Bedenkzeit muss sich keiner schämen. Behalten Sie immer das eigene Ziel im Blick und lassen Sie sich nicht auf fruchtlose Nebenaspekte abdrängen. Das drosselt das Tempo und nimmt den Druck raus.

    Wenn Sie antworten, reden Sie ruhig und langsam. Versuchen Sie durch Ihre Sprache und Stimme auch Ihr Gegenüber zu beruhigen. Sagen Sie aber niemals, dass sich der andere beruhigen soll. Er fühlt sich sonst gegängelt. Wirken Sie ausschließlich indirekt auf ihn ein, durch Ihr Vorbild.

  • Respekt zeigen

    Schildern Sie Ihre Sicht der Dinge ohne seine dabei zu bewerten. Respektieren Sie aber auch seine Gefühle und gehen Sie darauf ein. Zeigen Sie Verständnis für seine Interpretation und bleiben Sie offen genug, zu erkennen, wenn auch Sie sich geirrt haben.

    Eine objektive Wahrheit gibt es nun mal nicht. Zeigen Sie Kompromissbereitschaft insofern, dass Sie mindestens eine friedliche Lösung anstreben.

  • Lösungen finden

    In der sogenannten Unterredungsphase werden schließlich Lösungen für jeden einzelnen Streitpunkt gesucht. Diese Vorschläge werden anschließend danach bewertet, ob sie machbar und für alle Parteien akzeptabel sind.

    Ist das so, sollten Sie sich auch verbindlich darauf einigen und überlegen, ob Sie den Erfolg des Gesprächs zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachprüfen wollen.

  • Beschluss fassen

    Sowohl bei der Supervision wie auch bei der Mediation hat sich bewährt, am Ende des Gesprächs noch einmal alle Lösungen zu wiederholen und zu bekräftigen, dass alle sie geprüft und akzeptiert haben. Deswegen heißt das Gesprächsende auch Beschlussphase. Vergessen Sie nicht, in jedem Fall für das Gespräch zu danken. Aber auch Unzufriedenheit über das Ergebnis darf geäußert werden – jedoch nur ruhig und sachlich.

    Im Streit sollte man nicht auseinandergehen. Und: Wenn es nicht gleich geklappt hat, geben Sie nicht auf. Überlegen Sie sich eine neue Strategie oder schaffen Sie sich Bündnispartner.

Wie andere am Ende mit Kritik umgehen, hängt eben immer auch davon ab, wie man selbst damit umgeht. Oder wie es der Volksmund so plastisch formuliert: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus...

Mit Kritik umgehen: Die besten Sprüche

Kritik ist ein Thema, dass bereits seit Jahrzehnten und Jahrhunderten in den Köpfen herumschwirrt und so haben sich bereits viele bekannte Persönlichkeiten dazu geäußert. Wir haben die schönsten und aufschlussreichsten Sprüche und Zitate zur Kritik gesammelt, aus denen man noch eine Menge lernen kann:

  • Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgend etwas richtig machen. Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. Bruce Lee
  • Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung, dass niemand einstimmt. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen. Friedrich Schiller
  • Übermaß von Kritik zeugt von Unverständnis. Gustave Flaubert
  • Nur der hat das Recht auf Kritik, der von Herzen hilfreich ist. Abraham Lincoln
  • Kritik muß helfen wollen, wenn sie nicht ihre Daseinsberechtigung verlieren will. Dr. Carl Peter Fröhling
  • Ehrliche Kritik ist ein Zeichen von Vertrauen. Frank Dommenz
  • Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, daß sie verdient war. Publius Cornelius Tacitus
  • Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen. Victor Marie Hugo

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