KameraStellen Sie sich vor, Sie müssten künftig nicht mehr zum Bewerbungsgespräch. Klingt gut, oder? Stellen Sie sich weiter vor, der Personaler käme stattdessen zu Ihnen nach Hause. Immer noch gut? Naja… Und jetzt stellen Sie sich bitte vor, wie Sie ein Jobinterview daheim auf der Couch führen, mit dem Laptop auf dem Schoß und dem Personaler auf dem Bildschirm – zugeschaltet via Webcam und Internet.

Zukunftsmusik? Hierzulande – höchstwahrscheinlich. Aber in den USA ist das bereits Realität. In der Fast Company gab es jetzt dazu einen interessanten Bericht, wonach bereits einige US-Unternehmen dazu übergehen, Bewerber zum Vorstellungsgespräch nicht mehr persönlich einzuladen, sondern direkt via Webcam, Skype, InterviewStudio oder HireVue zu interviewen. Bei letzterem Anbieter ist es etwa möglich, bis zu sechs Kandidaten gleichzeitig zuzuschalten und zwischen ihnen hin und her zu wechseln, um beispielsweise ihre Antworten auf ein und dieselbe Frage zu vergleichen.

Wer sich auf solche Auswahlverfahren einlässt, sollte jedoch auf folgende Punkte achten:

  • Investieren Sie in eine gute Kamera, mehr noch aber in ein ordentliches Headset und Mikrofon. Der Ton ist bei solchen Videokonferenzen essenziell, aber Sie wollen natürlich auch ein möglichst gutes Bild von sich machen und nicht unschmeichelhaft verzerrt aussehen. Sparen Sie also nicht am falschen Ende.
  • Sorgen Sie für eine gute Atmosphäre. Damit ist nicht gemeint, dass Sie das Licht dimmen und ein paar Kerzen anzünden. Vielmehr sollten Sie darauf achten, dass der Hintergrund Sie beispielsweise nicht komprommittiert – etwa durch peinliche Bilder an der Wand oder einen unaufgeräumten Schreibtisch. Zudem sollten Sie das Licht geschickt setzen. Strahlt es senkrecht von oben, entstehen hässliche Schlagschatten unter den Augen. Von der Seite sieht es zwar dramatisch aus, rückt Sie aber in ein allzu theatrales Licht. Besser ist Licht von vorne und leicht von unten. Verwenden Sie aber bitte keinen Strahler, sondern eher diffuses oder indirektes Licht. Das schmeichelt immer.
  • Vermeiden Sie Störungen. Nichts ist peinlicher, als schreiende oder weinende Kinder, die plötzlich ins Zimmer stürmen oder kläffende und schleckende Hunde, die großformatig im Bild erscheinen. Das wirkt nicht süß, sondern unvorbereitet und für die Situation und ihre Wichtigkeit unangemessen.
  • Üben Sie. Und zwar mit Freunden vor dem Gespräch. Spielen Sie am PC eine Bewerbungssituation durch, lassen Sie sich kritische und überraschende Fragen stellen und zeichnen Sie die Bilder auf – wie Sie reagieren, wie Ihre Stimme klingt, wie Ihre Mimik wirkt. Hüten Sie sich aber davor, Antworten einzustudieren. Das mögen Personaler gar nicht.

Zugegeben, diese Empfehlungen sind hierzulande ihrer Zeit womöglich etwas voraus. Aber nicht allzu sehr. Immerhin hat Klaus Eck heute schon zur Bewerbung via Twitter aufgerufen und dabei sofort zwölf Bewerber gewonnen.

Deshalb: Sind Sie Rekruitingbeauftragter oder Personalverantwortlicher und haben Sie schon einmal Bewerbungsgespräche per PC, Webcam und Internet geführt? Dann schreiben Sie bitte über Ihre Erfahrungen einen Kommentar!