Mitarbeiter des monats
Eigentlich würde man annehmen, dass Mitarbeiter gerne wissen wollen, wo sie stehen: ob der Chef mit ihren Leistungen zufrieden ist und ob sie eher zu den besten zehn Prozent, also zu den Leistungsträgern, oder zu den letzten zehn Prozent im Team gehören. Doch solche Mitarbeiter-Ranglisten sind tückisch, mehr noch: Ganz oft richten sie mehr Schaden an, als dass sie den beabsichtigten Nutzen stiften...

Mitarbeiter des Monats?

Auszeichnungen demotivieren. Zu diesem Fazit kommt Iwan Barankay, ein Management-Professor an der Wharton School, in mehreren Studien. Kurz gesagt lässt sich das Ergebnis so zusammenfassen:

  • Relatives Mitarbeiter-Feedback (also im Vergleich zu anderen) motiviert allenfalls die Besten, sich auch künftig anzustrengen.
  • Überragen sie alle anderen aber deutlich, wirkt die Belobigung auch schon wieder demotivierend, Motto: "Warum strenge ich mich überhaupt so an? Mit 80 Prozent bin ich immer noch spitze."
  • Umgekehrt wirkt das Feedback auf deutlich schlechtere Mitarbeiter geradezu demoralisierend. Sobald sie spüren, dass sie kaum eine Chance haben, je in die Spitzengruppe aufzusteigen, schieben viele nur noch Dienst nach Vorschrift.

Mehr noch: Weil Mitarbeiter eine solche Wirkung offenbar antizipieren, scheuen sie Jobs mit Feedback instinktiv. In einem seiner Experimente schrieb Barankay zum Beispiel zwei identische Jobs aus - bei einem allerdings war explizit vermerkt, dass die Angestellten Feedback über ihre Leistungen bekommen würden. Und siehe da: Auf den Job ohne relative Leistungsbeurteilung bewarben sich 254 Teilnehmer, auf den anderen nur 76.

In einem zweiten Experiment wurden Projektarbeiter per Zufallsauswahl in zwei Gruppen eingeteilt.

  • Die erste erhielt per E-Mail eine Rückmeldung über die Qualität und Quantität der erbrachten Leistungen - auch im Vergleich zu den anderen.
  • Die zweite Hälfte diente als Kontrollgruppe.

Erstaunlich: In der Kontrollgruppe meldeten sich nach Abschluss des Projekts 66 Prozent freiwillig und fragten, ob sie sich für ein weiteres Projekt engagieren könnten. Im Feedback-Team taten das nur 42 Prozent. Jene, die aus dieser Gruppe tatsächlich ein zweites Projekt übernahmen, waren am Ende zu 22 Prozent weniger produktiv als ihre Kollegen der Kontrollgruppe.

Bitte nicht falsch verstehen: Feedback ist richtig und wichtig. Doch wie in der Medizin gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift.

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