Arbeitszeugnis-Beispiele-FormulierungenSobald das Beschäftigungsverhältnis endet – ob freiwillig oder nicht-, haben Arbeitnehmer Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Dieses muss vor allem inhaltlich wahr und wohlwollend sein. Doch gerade der letzte Punkt führt dazu, dass Ex-Chefs zu sogenannten Geheimcodes greifen und ihre Kritik in vermeintlich positive Floskeln packen. Ergebnis: jede Menge Prozesse vor dem Arbeitsgericht. Hierbei sind jedoch inzwischen einige recht interessante Urteile gesprochen worden, die Arbeitnehmer kennen sollten…

Über diese Urteile haben wir unter anderem immer wieder vereinzelt in unserer wöchentlichen Arbeitsrechts-Kolumne von Peter Groll berichtet. Schließlich sollte man auf keinen Fall selbst beim Zeugnis Hand anlegen, wenn es einem die Formulierungen und Codes nicht gefallen. Dabei handelt es sich nach der Unterschrift um eine Urkunde. Und wer die Beurteilung manipuliert oder frisiert, begeht Urkundenfälschung und die rechtfertigt später sogar eine fristlose Kündigung.

Damit Sie sich die wichtigsten Urteile dazu aber nicht raussuchen müssen, haben wir sie hier noch einmal für Sie zusammengefasst…

Urteile zum Arbeitszeugnis:

  • Arbeitszeugnisse müssen mindestens “gut” sein, schlechtere hat der Arbeitgeber zu begründen, so das Arbeitsgericht Berlin (Az.: 28 Ca 18230/11). Begründung: Mittlerweile seien 86,6 Prozent der erteilten Arbeitszeugnisse “gute” Zeugnisse (PDF). Deshalb könne dem Arbeitnehmer nicht länger der Nachweis dafür auferlegt werden, er sei zu unrecht in der Gruppe der schwächsten 13,4 Prozent aller Beschäftigten.
  • Selbstverständliches gehört nicht ins Arbeitszeugnis. Der Grund: Zeugnisse müssen stets wohlwollend sein. Das bedeutet zugleich: Wer Selbstverständlichkeiten betont – etwa der sichere Umgang mit Word im Sekretariat -, sorgt subtil für einen schlechten Eindruck, Motto: Mehr war eben nicht. Auch andere Formulierung kassierten die Richter des Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 9 Ta 325/10): “Die Zusammenarbeit mit Mandanten und Vorgesetzten war einwandfrei”. Die besonders positive Betonung des Umgangs mit Mandanten und Vorgesetzten erwecke daher den Eindruck mangelnder Teamfähigkeit.
  • Versteckte Hinweise sind in Zeugnissen unzulässig. Im konkreten Fall stand im Arbeitszeugnis: “Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von XY hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der für uns geleisteten Arbeit zur Verfügung.” Das aber sieht so aus, als sei der Arbeitnehmer tatsächlich schlechter gewesen als im Zeugnis steht. Das Arbeitsgericht Herford ließ die Formulierung streichen (2 Ca 1502/08).
  • Die Elternzeit darf im Arbeitszeugnis erwähnt werden, so das LAG Köln (Az.: 4 Sa 114/12). Darin liege keine Benachteiligung, da erhebliche Ausfallzeiten eines Arbeitnehmers im Zeugnis dokumentiert werden dürfen. Handelt es sich etwa um eine schnelle und dynamische Branche (zum Beispiel die IT-Branche), ist das Interesse eines potenziellen Arbeitgebers von bisherigen Fehlzeiten groß. Er muss wissen, ob die praktische Berufserfahrung und das Wissen des Bewerbers auf dem neuesten Stand sind.
  • Dank muss nicht sein. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden (Az.: 9 AZR 227/11), dass es auch ohne die Formel “Wir bedanken uns für die langjährige Zusammenarbeit und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute” geht. Das Arbeitszeugnis müsse nur zu Leistung und Verhalten etwas aussagen.

Welche formalen Ansprüche ein Zeugnis noch erfüllen muss, welche weiteren Ansprüche Sie als Arbeitnehmer haben sowie Beispielformulierungen finden Sie in unserem neuen Dossier dazu: HIER WEITERLESEN.