Bevor Sie sich über die Überschrift wundern: Ich halte nichts von Allegorien nach dem Schema Was Manager von (bitte fügen Sie ein: Dschingis Khan, Moses, Buddha, Hollywood, Jesus, Samurais, irgendein Fußballtrainer, Aristoteles, Darwin, Affen, Der Pate 1-3, Superman, …) lernen können. Genauso gut können Sie sich fragen: Was hätte Rambo in meiner Situation gemacht? Eben. Der andere Grund meiner Skepsis ist relativ simpel erklärt: Wer etwas wirklich Neues und Nützliches zu verkünden hat, muss sich nicht mit derlei Antik-Glam schmücken. Eher ist es so, dass in diesen sogenannten Managementratgebern lediglich Binsenweisheiten in schlecht sitzenden Sätzen mit historisch verbrämtem Blingbling aufgehübscht werden. Ein Riesenrokokokleid um den kneifenden Mikrobikini drunter besser aussehen zu lassen.
Gestern jedoch machte mich ein Leser auf diesen Artikel aufmerksam, den ich so amüsant fand, dass ich ihn einfach adaptieren und ergänzen musste. Wenn schon führen lernen, dann so. Erwarten Sie bitte nicht mehr als ein paar bewährte Binsen – die aber schmuck verpackt in einem figurbetonten schwarzen Einteiler zu hochglanzpolierter Kopfbedeckung und technisch ausgereifter Atemkontrolle in Dolby Digital und Stereo.
Liebe Padawans, wenn nach galaktischer Macht ihr strebt, seid gewarnt: leichtfüßig der Weg zur dunklen Seite ist. Entscheidungsarmut, Neid, Intrigen – zur dunklen Seite sie führen. Da ist es schon wesentlich weiser, auf ein paar kleine grüne Jedi-Meister zu hören und deren Tricks zu erlernen – erst recht, wenn einen der Dschingis-Khan-Buddha-Samurai-Darwin-Krempel bislang nicht sonderlich weitergebracht hat. Bevor Sie also Ihr Lichtschwert zücken oder Ihr Chef Sie nachher wieder einmal zu Bantha-Futter verarbeitet, lesen Sie vorher, wie Sie mit Imperatoren umgehen, wie Sie Klonarmeen umgehen und was man sonst noch alles von Star Wars, Robotern, Wookiees und Darth Vader lernen kann:
Ich schlage eine neue Strategie vor, R2: Lass den Wookiee gewinnen.
C-3PO
Szene aus Episode IV: C-3PO, R2-D2, Obi-Wan und Luke sind an Bord des Millenium Falken, auf dem Weg nach Alderan. Um sich während der Reise zu zerstreuen, spielen Chewbacca und R2 ein wenig Weltraumschach. Leider hat der Wookiee mehr Muskeln als Grips – oder wie Han Solo erklärt: “Wookies können (wenn sie verlieren) anderen vor Wut die Arme herausreißen”. Entsprechend schlägt C-3PO eine alternative Spielstrategie vor.
Was uns die Episode lehrt: Wenn du deinen Gegner nicht besiegen kannst, umarme ihn. Erst recht, wenn es sich dabei um einen 2,30 Meter großen cholerischen Bosstyp handelt. Wenn es um Macht geht, ist das schlimmste, Obrigkeiten in den Schatten zu stellen. Wer zu Rang und Namen gekommen ist, will sich sicher und überlegen fühlen. Aber kein Mensch kann das. Jedes noch so große Ego leidet gelegentlich unter Unsicherheit. Moderne Chefs ganz besonders. Wenn Sie also Ihre Talente heller strahlen lassen als seine, wecken Sie zwangsläufig seinen Neid und sein Misstrauen. Und das endet böse! Beobachten Sie nur was passiert, wenn jemand im nächsten Meeting die gerade gereifte Idee des Chefs durch eine eigene optimiert. Bitte nur beobachten, nicht selber ausprobieren!
Ihr habt mich das letzte Mal enttäuscht, Admiral.
Darth Vader
Szene aus Episode V: Wieder einmal ist es Admiral Ozzel nicht gelungen, die flüchtigen Rebellen zu schnappen. Sein törrichtes Vorgehen, den Hyperraum beim Angriff auf Hoth zu früh zu verlassen, hatte das Imperium bereits Verluste gekostet – vor allem den von Luke Skywalker. Nun aber reißt Vaders ohnehin hauchdünner Geduldsfaden und er lässt Admiral Ozzel per Videokonferenz und dunkler Gedanken ersticken. Admiral Piett, tritt im selben Moment die Nachfolge an.
Was uns die Episode lehrt: Wählen Sie Ihr Personal sorgfältig aus. Jeder darf Fehler machen, aber nicht immer wieder dieselben. Sobald Sie eine Fehlbesetzung erkennen, korrigieren Sie sie. Umgehend. Radikal. Ganz besonders die an der Spitze. Und warten Sie nicht zu lange mit der Nachfolgeregelung.
Ihr könnt nicht gewinnen, Vader. Wenn Ihr mich tötet, werde ich mächtiger werden als Ihr es Euch vorstellen könnt.
Obi-Wan Kenobi
Szene aus Episode IV: Obi-Wan Kenobi und Darth Vader duellieren sich final im Todesstern. Vader wähnt sich bereits als Sieger und verspottet seinen alten Lehrmeister: “Eure Kraft hat nachgelassen, alter Mann…”
Was uns die Episode lehrt: Für viele Menschen stellt die berufliche Demission eine fürchterliche Blamage dar. Ein Kainsmal, das man so schnell nicht loswird. Stimmt nicht. Denn das hängt nicht davon ab, ob man geht – sondern wie. Das Wichtigste: Bleiben Sie zu jedem Zeitpunkt Profi und treten Sie mit großer Geste ab. Egal, wie schäbig sich Ihr Arbeitgeber, Ihr Chef, Ihre Kollegen verhalten – Sie verhalten sich edel! Und bereiten Sie vorher noch alles für eine saubere Übergabe vor. Vielleicht gibt es schon einen Nachfolger? Dann helfen Sie ihm rechtzeitig: Mit Kontakten (zu Rebellen), Hinweisen zu Machtspielen, informellen Netzwerken und konkreten Ratschlägen. Denn das Klischee stimmt: Man begegnet sich immer zweimal im Leben.
Führt die Order 66 aus!
Darth Sidious (alias der Sith Lord, alias Kanzler Palpatine)
Szene aus Episode III: Die Armee der Klone kämpft an allen Fronten gegen die Separatisten, bisher Seite an Seite mit den Jedi. Doch nun weiß der Sith Lord seinen neuen Schüler Anakin Skywalker auf seiner Seite – und lässt alle Jedi durch die Klonarmee hinterrücks meucheln.
Was uns die Episode lehrt: Individualität und außergewöhnliches Talent nutzen einem nichts, wenn man einer Kompanie von Ja-Sagern und Klonen gegenübersteht, die jede noch so hohle Order ausführen. Selbst überaus begabte Chefs mögen keine größere Gruppe von Talenten um sich herum. Seien Sie also stets auf der Hut – besonders vor bewehrten Klonen.
Die Stärke eines Jedi fließt aus der Macht ihm zu. Aber hüte dich: Furcht, Zorn, aggressive Gefühle – die Dunkle Seite der Macht sind sie.
Yoda
Szene aus Episode V: Yoda trainiert seinen neuen Padawan Luke Skywalker auf dem Planeten Dagobah und weist ihn in die Geheimnisse der Macht ein. Eine weitere legendäre Lektion: “Tu es – oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.”
Was uns die Episode lehrt: Egal, wie begabt Sie sind – irgendwo findet jeder seinen Mentor und Meister – vor allem wenn dieser bereits seit rund 800 Jahren Schüler ausbildet. So einem sollten Sie aufmerksam zuhören und sich bereitwillig von ihm coachen lassen – und sich vor dunklen Machenschaften hüten. Denn “begibst du dich auf diesen Pfad einmal, für immer wird beherrscht davon dein Schicksal.”
Das ist nicht fair!
Han Solo
Szene aus Episode V: Han Solo, Chewbacca, Prinzessin Leia und C-3PO sind mit ihrem Millenium Falken auf der Flucht vor den Häschern des Imperiums. Doch Han ist zuversichtlich mit einem überraschenden Sprung in den Hyperraum zu entkommen – solange bis das blöde Ding versagt. Also muss er improvisieren – und fliegt direkt in ein Asteroidenfeld.
Was uns die Episode lehrt: Sich allein auf die Technik zu verlassen ist entweder besonders mutig oder besonders dumm. PCs stürzen ab, iPhone schalten sich aus, Tastaturen frieren ein. Escape unmöglich. Falls Sie also das nächste Mal von der Technik verlassen werden, merken Sie sich: In solchen Situationen hilft oft nur ein beherzter Schritt.
Du wirst schon bald lernen, mich zu mögen.
Jabba der Hutte
Szene aus Episode VI: Prinzessin Leia hat sich etwas zurecht gemacht, um sich in Jabba’s Palast als neue Lustsklavin an der Seite des Hutten zu tarnen.
Was uns die Episode lehrt: Selbst wenn Sie aussehen wie eine Prinzessin – es ist keine schlaue Idee, seinen neuen Boss durch einen Bikini (oder vergleichbar textilarme Bekleidung) zu beeindrucken. Es könnte schleimige Jabbas auf unheilige Gedanken bringen.
1. Kommentar
Benjamin Körner
06.11.09 um 13:12 Uhr
Szene aus Episode IV: Luke sitzt in seinem X-Fighter, und er ist die letzte Hoffnung für die Rebellion mit seinem letzten Torpedo den gigantischen Todesstern zu zerstören. Das hierfür vorgesehene Zielgerät schaltet er nach obigem Rat von Obi Wan Kenobi aus, um sich ganz seiner Intuition zu überlassen, wann der richtige Moment für den Schuss gekommen ist. Natürlich gelingt ihm der rettende Treffer.
Was uns diese Episode lehrt: Egal welche Statistiken, Zahlen und Überzeugungskünste einem vorgelegt und vorgeführt werden, sollte man seiner ersten und sehr sehr oft richtigen Intuition – dem Bauchgefühl – vertrauen. Denn sogar Wissenschaftler haben festgestellt, dass das erste Gefühl, die erste Eingebung, bei einem zu lösenden Problem meist die richtige Lösung ist.
2. Kommentar
birgit p.
06.11.09 um 14:41 Uhr
Sehr nett!
Übrigends hat auch Hilllary Clinton sich bereits dieser Metaphorik für einen gewissen Führungsstil bedient, indem sie Dick Cheney als Darth Vader bezeichnetet.
Hier der kurze You-tube-Clip dazu:
Und hier auch gleich die Reaktion des sichtlich geschmeichelten Dick Cheney “I am happy to accept…”:
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