Man sollte meinen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen Tageszeiten einerseits und ethischem Verhalten andererseits. Denkste! Tatsächlich verhalten wir uns morgens wesentlich moralischer als am Abend. Das Brisante daran: Schuld ist - laut Studien - vor allem unser Alltag...

Moral Guten Morgen Selbstkontrolle

Moral-Effekt: Ehrlich am Morgen, verlogen am Abend

Das Tagwerk ist nicht allzu förderlich für unser untadeliges Verhalten. So konnten zum Beispiel Maryam Kouchaki von der Harvard Universität und Isaac Smith von der Universität von Utah in einer Reihe von Studien nachweisen, wie sich die bloße Tageszeit auf die Moral der Probanden und deren Verhalten auswirkte.

Um es kurz zu machen: Morgens handelten sie allesamt ehrlicher und moralischer als am Abend. Die Forscher selbst nannten diese Phänomen morning morality effect.

Im konkreten Experiment ließen die Forscher ihr Studienteilnehmer verschiedene Aufgaben absolvieren, von denen einige lösbar, andere unlösbar waren. Am Ende sollten sie angeben, wie viele Aufgaben sie gelöst hatten, um dafür eine Belohnung zu erhalten. Angeblich prüften die Wissenschaftler die tatsächlichen Leistungen nicht nach. Das allerdings war ebenso gelogen, wie die Angaben der Teilnehmer am Nachmittag oder Abend.

In dieselbe Richtung weist auch eine andere Studie: Wie Forscher am Walter-Reed-Institut sowie Christopher Barnes von der Foster School of Business an der Universität von Washington zeigen konnten, entscheiden ausgeschlafene Menschen moralischer als müde.

Oder anders formuliert: So wie unsere Aufmerksamkeit und Kreativität über den Tag den sogenannten zirkadianen Rhythmen folgen, so ergeht es auch unserer Moral. Zeitaufwendige Meetings, Ärger mit Chef, Kunden und Kollegen, Stress und Deadlines - all das raubt kostbare Kraft. Fehlen dann noch die Pausen, um die Batterien wieder aufzuladen, fehlt bald auch die Energie für wichtige Werte.

Die simple Erklärung dafür: Wenn wir schlapper werden, sind wir anfälliger für Versuchungen, weil damit unsere Selbstkontrolle geschwächt wird. Und so kann es eben passieren, dass ein Mensch, der morgens hohe moralische Maßstäbe an sich und seine Umwelt legt, abends Vieles davon gleich wieder über Bord wirft und, nun ja, lockerer sieht...

Die Moral von dieser Geschichte: Wer wichtige (moralische) Entscheidungen treffen will, sollte dies vor allem in den Morgenstunden erledigen - und auch eher am Wochenanfang, wenn noch alle Kräfte zur Selbstkontrolle vorhanden sind.

Kreative betrügen häufiger

Kreative betrügen häufigerWer wäre nicht gern ein Kreativer? Immer neue Gedanken, immer originelle Lösungen, immer frische Ideen... ein tolles Image. Doch es hat auch seine Schattenseiten: Wessen Geist häufig blitzt, der neigt leider auch vermehrt zum Schummeln, wie Francesca Gino von der Harvard Universität zusammen mit dem renommierten Verhaltensökonomen Dan Ariely von der Duke Universität nachweisen konnte. Zur Überraschung der Wissenschaftler gab zwar keinen Zusammenhang zwischen Unehrlichkeit und Intelligenz – wohl aber eine starke Korrelation zwischen Kreativität und Unehrlichkeit: Je kreativer die Probanden waren, desto eher betrogen sie in den Tests. Vermutlich, weil sie es aufgrund ihrer Kreativität einfach auch besser konnten.

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