Händewaschen ist mehr als ein hygienischer Akt. Es seift auch unser Hirn ordentlich ein. Glaubt man den Untersuchungen der US-Psychologen Spike Lee and Norbert Schwarz von der Universität von Michigan, dann lassen sich auch Entscheidungszweifel mit etwas Seife einfach wegspülen. Neuste Forschungen von kanadischen Wissenschaftler zeigten jetzt zudem: Wer sich seine Hände mit Seife säubert, hat zugleich strengere Moralvorstellungen.

Klingt unglaublich? Stimmt. Dennoch ist es das Ergebnis der Untersuchungen von Chen-Bo Zhong, einem Organisationsforscher an der Rotman School of Management in Toronto. Für sein recht ungewöhnliches Experimente lud 58 Studenten in ein Labor ein, das er zuvor mit brandneuen Möbeln eingerichtet hatte. Die eine Hälfte der Versuchsteilnehmer bat er jedoch darum, sich zuvor die Hände zu desinfizieren, um das flammneue Labor nicht zu verschmutzen. Die andere Hälfte durfte es so betreten. Dann bat er seine Probanden über Themen wie Pornographie oder Umweltverschmutzung zu diskutieren. Und tatsächlich: Wer sich zuvor ihre Hände gewaschen hatten, urteilte jetzt deutlich strenger. Oder kurz: Die Moralvorstellungen waren so reinlich wie die Hände.

Das Resultat deckte sich übrigens auch mit weiteren Versuchen, bei denen die Teilnehmer lediglich mit der Vorstellungen von Reinlichkeit und Sauberkeit geprimt wurden. Eines davon ging zum Beispiel so: Diesmal rekrutierte Zhong 136 Teilnehmer, die ihre Meinung zu 16 Themen abgeben sollten. Zuvor allerdings sollten sie sich ein paar Texte durchlesen. Keine gewöhnlichen natürlich. Vielmehr begannen bei der einen Hälfte der Gruppe die Aufsätze mit Zeilen wie “Meine Haare fühlen sich sauber an, mein Atem riecht frisch”, während die andere Hälfte Sätze las wie: “Meine Haare sind fettig und dreckig, mein Atem stinkt.” Auch hier: Die Saubermänner (und -frauen) hatten wesentlich strengere Moralvorstellungen.

[Foto: Arlington, Creative Commons]