Warum machen Sie das jetzt? Diesen Artikel lesen zum Beispiel. Oder im Internet surfen. Sie könnten genauso gut einfach nur dasitzen, der Sonne beim strahlen und den Gedanken beim Verklären zuschauen. Tun Sie aber nicht. Sie lesen. Und zwar immer noch!

Wenn Psychologen sich fragen, warum Menschen die Dinge tun, die sie tun, dann suchen sie in der Regel nach einem starken Motiv, der Motivation eben. Das können Ziele sein, die sich einer selbst gesteckt hat; Belohnungen, die winken; Anerkennung, Zuneigung, Sex. So was.

Doch dabei gerät womöglich eine Sache aus dem Blickfeld, die keine minderwichtige Rolle spielt: überhaupt etwas zu machen.

Dolores Albarracin, eine Psychologin an der Universität von Illinois, hat das genauer untersucht, die verschiedenen Aktivitäten von Menschen in unterschiedlichen Ländern verglichen und analysiert und dazu einen Fachartikel in Psychological Science veröffentlicht, Tenor: Das Ziel, überhaupt etwas zu machen, hat womöglich den größeren Effekt darauf, wie wir unsere Zeit verbringen: “Wir alle wollen etwas machen, aber was dabei herauskommt, spielt kaum eine Rolle. Der eine zeigt dabei ein produktives Verhalten, arbeitet, engagiert sich – ein anderer nimmt Drogen”, sagt Albarracin. Hauptsache man muss sich nicht langweilen.

Wer aktiv bleibt, lebt glücklicher

Tatsächlich macht Müßiggang nicht glücklich, Aktivität aber schon. So ließe sich zum Beispiel auch die Studie von Christopher K. Hsee von der Universität von Chicago zusammenfassen. Zusammen mit seinem Kollegen Adelle X. Yang sowie Liangyan Wang von der Shanghai Jiaotong Universität untersuchte das Trio, warum Menschen in der modernen Gesellschaft ständig so beschäftigt sind und selbst in ihrer Freizeit noch aktiv bleiben oder gar weiterarbeiten wollen. Seine These: “Wir alle haben enorme Energie in uns und wollen Trägheit vermeiden.”

Also suchten sich die Wissenschaftler ein paar Probanden auf dem Campus und ließen diese Fragebögen ausfüllen. Zum Schein. Nachdem die die Listen bearbeitet hatten, konnten die Studenten 15 Minuten Pause machen, bevor sie den nächsten Fragebogen ausfüllen sollten. Dabei standen die Teilnehmer jedoch vor der Wahl: Entweder, sie würden ihre Bögen in einem nahegelegenen Büro abgeben und die restliche Zeit einfach faul rumstehen und abwarten – oder sie gingen zu einem entfernten Büro, wobei sie der Fußmarsch hin und zurück in etwa 15 Minuten beschäftigen würde. So oder so: In beiden Fällen erhielten die Probanden bei der Abgabe einen Schokoriegel.

Was glauben Sie passierte?

Genau! Tatsächlich untersuchten die Wissenschaftler mittels der Fragebögen den Zufriedenheitsgrad und die Glücksgefühle ihrer Probanden. Und siehe da: Wer aktiv blieb, war glücklicher als die faulen Rumsteher.

Aber noch etwas Interessantes stellten die Forscher nebenbei fest: Wenn den Teilnehmern in beiden Fällen die gleichen Schokoriegel angeboten wurden, entschieden sich mehr Studenten für das nahegelegene Büro. Bekamen sie aber unterschiedliche Süßigkeiten offeriert, schlenderten mehr von ihnen ins entfernte Büro – weil sie die Strecke so für sich besser rechtfertigen konnten, vermuten Hsee und seine Kollegen.

Die Forscher interpretieren ihr Ergebnis so: Wir wollen nicht nur aktiv sein – wir wollen uns auch entscheiden können, aktiv zu bleiben.

Und nebenbei: Es gibt scheinbar doch recht simple Methoden, um träge Mitarbeiter wieder zu reaktivieren. Und sei es nur die Aussicht auf einen entfernten Schokoriegel.