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Im Vorstellungsgespräch konnten Sie überzeugen, der Personaler ist von Ihnen und Ihren Qualifikationen angetan und das gesamte Interview verläuft genau so, wie Sie es sich erhofft hatten. Am Ende dann die freudige Nachricht, auf die Sie während der gesamten Jobsuche hingearbeitet haben: Es scheint, als seien Sie der richtige Kandidat für unser Unternehmen. Sie kriegen die Stelle! Die Freude ist zunächst riesig, endlich hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Doch dann beginnt das große Warten, der zugesagte Arbeitsvertrag kommt nicht und bei Nachfragen vertröstet man Sie. Leider ist das kein Einzelfall, sondern kommt immer wieder vor. Schnell wird dann die Frage laut: Ist eine mündliche Jobzusage eigentlich bindend?

Mündliche Jobzusage: Ist das gültig?

Mit einer mündlichen Jobzusage in der Tasche verzichten Bewerber meist auf zusätzliche Bewerbungen, sagen manchmal sogar noch ausstehende Vorstellungsgespräche ab oder - schlimmer noch - kündigen eine aktuelle Stelle, um zum besprochenen Eintrittsdatum beim neuen Arbeitgeber anfangen zu können.

Umso größer der Schock, wenn der erwartete Arbeitsvertrag dann doch ausbleibt. Aber ist eine mündliche Jobzusage gar nichts wert? Doch, im Prinzip schon. Dahinter steht die in Deutschland gültige Vertragsfreiheit. Auch ein Arbeitsvertrag bedarf grundsätzlich nicht der Schriftform und kann auch mündlich geschlossen werden, wenn die wichtigsten Punkte im Gespräch klar vereinbart wurden. Dazu zählen die genaue Arbeitsleistung, die vom Arbeitnehmer erbracht werden muss, der Eintrittszeitpunkt und die Dauer des Arbeitsverhältnisses.

Wird vom Personaler eine Zusage für den Job ausgesprochen und der Bewerber erklärt sich damit einverstanden, entsteht also ein gültiger Vertrag, womit dem angehenden Beschäftigten die Stelle grundsätzlich zusteht. Leider gibt es bei dieser Regelung ein großes Aber.

Mündliche Jobzusage: Der Bewerber muss es beweisen

Ollyy/shutterstock.comZwar ist der mündlich geschlossene Arbeitsvertrag grundsätzlich gültig, die Beweislast liegt jedoch beim Bewerber. Theoretisch kann ein Kandidat seinen Anspruch auf einen zugesagten Arbeitsplatz also einklagen, steht dann aber vor dem großen Problem, vor Gericht nachweisen zu müssen, dass es wirklich zu einer mündlichen Zusage gekommen ist.

In der Praxis erweist sich genau das meist als schwierig, da im Zweifelsfall Aussage gegen Aussage steht. Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern entschied hierzu, dass bei einer mündlichen Zusage auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag die schriftliche Fixierung entscheidend ist. Soll heißen: Fehlt es an einem Beweis für die Zusage, ist der mündliche Arbeitsvertrag - obwohl rechtlich gültig - für den Bewerber nutzlos.

Die anfängliche Frage, ob eine mündliche Jobzusage bindend ist, lässt sich vor diesem Zusammenhang am besten so beantworten: Ja, sie ist bindend, allerdings nur, wenn es einen entsprechenden Beweis dafür gibt.

Mündliche Jobzusage: Wie lässt sie sich beweisen?

Um im Nachhinein nicht mit leeren Händen dazustehen, sollten Bewerber bei einer mündlichen Jobzusage lieber vorsichtig sein. Die Freude darüber ist verständlich, doch sollten Sie nicht zu überschwänglich werden und die Dinge überstürzen. Ein noch laufendes Arbeitsverhältnis sollten Sie daher niemals kündigen, bevor Sie nicht den schriftlichen Arbeitsvertrag für die Anschlussstelle unterschrieben vorliegen haben.

Ein mögliches Worst-Case-Szenario lässt sich verhindern, indem Sie sich nicht einzig auf die mündliche Jobzusage verlassen, sondern auf eine zusätzliche Absicherung abzielen, die Ihnen Gewissheit verschafft und im Zweifelsfall als Beweis bei späteren Streitigkeiten dient.

  1. Bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung

    Endet ein Vorstellungsgespräch oder ein Telefonat mit einer mündlichen Jobzusage, bitten Sie Ihren Gesprächspartner, dies schriftlich zu bestätigen. Dies kann entweder möglichst zeitnah per E-Mail geschehen oder gleich persönlich vor Ort, indem Sie die besprochenen Inhalte kurz schriftlich zusammenfassen und von Ihrem Gegenüber unterzeichnen lassen.

  2. Holen Sie einen Zeugen dazu

    Auch ein Zeuge, der bei dem Gespräch anwesend war, kann sich im Zweifelsfall zu Ihren Gunsten auswirken. So können Sie verhindern, dass Ihre Aussage gegen die des Personalers gestellt wird, der sicherlich beteuern wird, niemals eine solche Zusage gemacht zu haben.

  3. Nehmen Sie die Zusage auf

    Die mündliche Jobzusage als Aufnahme vorspielen zu können ist ein hervorragender Beweis, es kommt aber darauf an, wie die Aufnahme entstanden ist. Ein heimlicher Mitschnitt des Gesprächs, den Sie ohne das Wissen Ihres Gesprächspartners anfertigen, ist vor Gericht nicht zugelassen. Fragen Sie, ob Sie das Gespräch auf diese Weise festhalten dürfen.

Mit einem solchen Beweisstück in der Hand, stehen Ihren Chancen nicht schlecht, die Ihnen mündlich zugesagte Stelle doch noch zu erhalten. Es bleibt allerdings die Frage, ob Sie wirklich noch in diesem Unternehmen arbeiten wollen, da der Start denkbar schlecht und somit möglicherweise auch die Arbeitsatmosphäre alles andere als angenehm ausfallen wird.

Mündliche Jobzusage: Prüfen Sie Ihren Schadensersatzanspruch

Sollten Sie nach einer mündlichen Zusage andere Jobangebote abgelehnt haben, kann daraus ein Anspruch auf Schadensersatz entstehen. Durch die grundsätzlich bindende Zusage ist der Arbeitgeber verpflichtet, Sie zum besprochenen Zeitpunkt zu beschäftigen und dafür auch zu bezahlen.

Leider kommt es auch hier zum gleichen Problem der Beweislast, die erneut beim Arbeitnehmer liegt.

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