AbsturzDer Schuss muss sitzen. Der alte Lemberg überträgt seinem fähigsten Mitarbeiter die Aufgabe, eine wichtige strategische Entscheidung vorzubereiten. Binnen fünf Tagen braucht er eine anständige Marktforschung, Selbstanalyse per Stärken/Schwächen-Chancen/Risiko-Profil. Kerner hängt sich voll rein und ist nach drei Tagen fertig. Sein Konzept wird umgesetzt – und floppt. Natürlich ist Lemberg fest davon überzeugt, dass man das alles hätte vorhersehen können, ja sogar müssen. Kerner, dieser Galgenstrick, hat den Laden ganz allein in den Dung geritten. Daran, dass auch er den Flop nicht vorausgesehen hat, denkt Lemberg nicht mal im Traum.


Hindsight Bias nennen Wissenschaftler das Phänomen, dass wir viel weniger aus Fehlern lernen als wir meinen. Vielmehr glauben wir hinterher, das eingetroffene Ereignis schon lange geahnt zu haben. Lange Zeit haben Forscher geglaubt, der Mensch verhalte sich bei seinen Entscheidungen rational. Heute weiß man: Das ist Quatsch. Ob bei der Wahl des künftigen Berufs oder baldigen Bundeskanzlers – entscheidend sind unbewusste Routinen, die wir über Jahre antrainiert und die sich bewährt haben. Deswegen wählen manche Menschen seit Jahren CDU, kaufen grundsätzlich einen Mercedes, essen donnerstags Schnitzel-Pommes, und deswegen flirtet auch Dieter Bohlen seit Jahren mit dunkelhaarigen Schönheiten mit Schmollmund, schmalen Hüften und großen Augen.

Solche Stereotypen erfüllen allerdings auch einen guten Zweck. Vernünftige Entscheidungen funktionieren nur, wenn alle Informationen bekannt sind und genügend Zeit zum Abwägen bleibt. In der Realität kommt das so gut wie nie vor. Zeitdruck oder Halbwissen dagegen schon. Deshalb greifen wir dann auf bewährte Verhaltensmuster, auf Faustformeln zurück – und bleiben entscheidungs- wie handlungsfähig. Nur hat das mit Fortschritt eben herzlich wenig zu tun. Dazu kommt es erst, wenn wir uns darüber bewusst werden, dass wir Mustern und nicht unserem Verstand folgen.