Dem Mutterschutzgesetz ist es zu verdanken, dass es einen besseren Schutz für schwangere, entbundene und stillende Frauen gibt. Damit einher ging ein Kündigungsschutz und das Recht, sechs Wochen vor der Entbindung der Arbeit fernzubleiben. Seit seiner Einführung im Jahre 1927 hat sich einiges geändert, glücklicherweise auch finanziell. Mit dem Mutterschaftsgeld ist eine wichtige finanzielle Absicherung und Gehaltsleistung gewährleistet, die Frauen in der letzten Phase ihrer Schwangerschaft und darüber hinaus entlastet. Möglich machen dies die Krankenkassen und der Arbeitgeber, die unter bestimmten Voraussetzungen diese finanziellen Leistungen erbringen. Was Sie über das Mutterschaftsgeld wissen sollten...

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Mutterschaftsgeld: Wer hat Anspruch darauf?

Wer hat nun Anspruch auf Mutterschaftsgeld und in welcher Höhe? In Kürze: alle diejenigen berufstätigen Frauen, die freiwillig oder pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse sind und Anspruch auf Krankengeld haben.

Anspruch haben damit:

  • Voll- oder Teilzeitbeschäftigte
  • befristet Beschäftigte
  • kurzfristig Beschäftigte
  • Studentinnen mit Nebenjob
  • Minijobberinnen

Selbständig arbeitende Frauen fallen nicht unter das Mutterschutzgesetz und die dortigen Schutzregelungen, können aber Mutterschaftsgeld im Rahmen einer Zusatzversicherung erhalten.

Werdenden Müttern steht während der Schutzfristen, also sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung sowie am Entbindungstag Mutterschaftsgeld zu. Das Mutterschaftsgeld wird von acht auf zwölf Wochen ab dem Entbindungstag verlängert, wenn es eine Mehrlings- oder Frühgeburt gibt.

Kommt ein Kind mit Behinderung zur Welt, die in den ersten acht Wochen nach der Geburt ärztlich festgestellt wird, verlängert sich die Zahlung des Mutterschutzgeldes ebenfalls um vier Wochen. Frühgeburten haben keinen Einfluss auf das Mutterschaftsgeld, bei einer Geburt vor dem errechneten Termin wird es entsprechend länger gezahlt.

Mutterschaftsgeld berechnen: So viel erhalten Sie

Die Höhe des Mutterschaftsgeldes hängt vom durchschnittlichen Nettogehalt der letzten drei Monate vor Beginn der Schutzfrist ab. Pro Kalendertag erhalten Sie von der gesetzlichen Krankenkasse höchstens 13 Euro Mutterschaftsgeld. Sie bekommen zusätzlich vom Arbeitgeber einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, wenn das durchschnittliche Nettoarbeitsentgelt 13 Euro pro Kalendertag überschreitet, Sie also über 390 Euro netto im Monat verdienen.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den fehlenden Betrag zum bisherigen Nettogehalt auszugleichen. Manche Frauen erhalten somit Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss, andere nur eine der beiden Leistungen.

Liegt das durchschnittliche Nettogehalt einer Arbeitnehmerin unter den 390 Euro im Monat, beispielsweise bei einer Auszubildenden, so erhält sie exakt diesen Betrag ausschließlich von der gesetzlichen Krankenkasse.

Arbeitslose Mütter erhalten Mutterschaftsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes, gezahlt von der Krankenkasse.
Selbständig arbeitende Frauen erhalten kein Mutterschaftsgeld, können aber mit ihrer privaten Krankenkasse eine Krankentagegeldversicherung abschließen.

Wer einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, erhält seit Februar 2017 im Mutterschutz Krankentagegeld. Die Höhe ist in diesem Fall abhängig von dem individuellen Vertrag.

Kein Mutterschaftsgeld

Mutterschaftsgeld Bundesversicherungsamt Antrag beantragen und ElterngeldWer übrigens seine Mutterschutzfrist nicht in Anspruch nimmt, sondern normal weiterarbeitet, erhält kein Mutterschaftsgeld. Stattdessen wird Ihr reguläres Gehalt weitergezahlt (§ 24i Absatz 4 SGB V).

Ebenfalls ruht der Anspruch auf Mutterschutzgeld, wenn Sie lediglich stundenweise weiterarbeiten, so dass sich die Arbeit während der Mutterschutzfrist finanziell nicht lohnt.

Mutterschaftsgeld und Elterngeld: Lohnersatz wird angerechnet

Sowohl das Mutterschaftsgeld als auch der Arbeitgeberzuschuss werden gemäß § 3 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) vollständig auf das Elterngeld angerechnet.

Da das Elterngeld eine Lohnersatzleistung darstellt, werden andere Leistungen auf das Elterngeld angerechnet - gleiches gilt für Dienstbezüge von Beamtinnen, die ebenfalls als Ersatzleistung weitergezahlt werden.

Wer also beispielsweise bereits ein Mutterschaftsgeld von 1.600 Euro ausbezahlt bekommt und theoretisch einen Anspruch auf Elterngeld in Höhe von 1.100 Euro hätte, erhält während der Mutterschutzfrist kein weiteres Elterngeld.

Mutterschutzgeld Bundesversicherungsamt: Ausnahmen bei Privatversicherten

Mutterschaftsgeld Bundesversicherungsamt Antrag beantragen und ElterngeldWer nicht in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, wendet sich an die Mutterschaftsgeldstelle des Bundesversicherungsamtes. Das ist beispielsweise zuständig, wenn Sie privat versichert oder familienversichert sind. Sie erhalten eine einmalige Zahlung des Mutterschaftsgeldes über das Bundesversicherungsamt in Höhe von bis zu 210 Euro.

Weitere Voraussetzungen sind:

  • Die schwangere Arbeitnehmerin steht in einem Arbeitsverhältnis - das gilt auch für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse.
  • Das Arbeitsentgelt darf wegen der Inanspruchnahme der Schutzfristen nicht beziehungsweise nicht vollständig gezahlt worden sein.

Der Antrag auf Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt kann bequem als Online-Antrag gestellt werden, so geht es am schnellsten.

Die Beträge des Bundesversicherungsamtes werden nicht auf das Elterngeld angerechnet. Wer keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld hat, aber geringfügig beschäftigt ist, fällt dennoch unter die Regelungen des Mutterschutzgesetzes und hat somit Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss.

Mutterschaftsgeld Antrag: Wie Sie es beantragen

Um in den Genuss dieser Lohnersatzzahlung zu kommen, müssen Schwangere einen Antrag auf Mutterschutzgeld stellen. Damit alles reibungslos verläuft und Sie finanziell abgesichert sind, wenn Sie zuhause bleiben, sollten Sie sich frühzeitig um die notwendigen Unterlagen kümmern.

Frauen, die gesetzlich krankenversichert sind, beantragen das Mutterschaftsgeld bei ihrer Krankenkasse. Erforderlich ist dafür eine ärztliche Bescheinigung mit dem voraussichtlichen Geburtstermin. Die wird von der zuständigen Ärztin oder Hebamme in zweifacher Ausfertigung, je einer für Ihre Krankenkasse und Ihren Arbeitgeber, ausgestellt.

Der Durchschlag für die Krankenkasse gilt als Antrag auf Mutterschaftsgeld und muss mit Ihren persönlichen Daten wie Kontoverbindung versehen und unterschrieben an die Krankenkasse geschickt werden. Diese setzt sich mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung, um das Gehalt der vergangenen Monate in Erfahrung zu bringen.

Bis zu sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin können Sie den Antrag bei Ihrer Krankenkasse stellen, Ihr Ärztin stellt die notwendige Bescheinigung erst eine Woche vor Beginn der Schutzfrist aus. Idealerweise schicken Sie den Antrag noch vor dem Geburtstermin zu Ihrer Krankenkasse, damit Sie pünktlich das Mutterschaftsgeld überwiesen bekommen.

Die zweite Ausfertigung der ärztlichen Bescheinigung reichen Sie bei Ihre Arbeitgeber ein. Sie stellen damit sicher, dass Sie den Arbeitgeberzuschuss erhalten.

Mutterschaftslohn: Absicherung bei Beschäftigungsverbot

Ein besonderer Fall tritt ein, wenn Sie als Schwangere dem Beschäftigungsverbot unterliegen. Nicht jede Schwangerschaft verläuft völlig unproblematisch und manche Arbeitsplätze bedeuten eine starke Belastung für Schwangere, die einen besonderen Schutz benötigen.

So kann ein generelles Beschäftigungsverbot notwendig sein, wenn schwere, körperlich anstrengende und gesundheitsgefährdende Arbeiten erledigt werden müssten, die von werdenden und stillenden Müttern nicht verrichtet werden dürfen. Darunter fallen ebenfalls Tätigkeiten im Stehen und solche, bei denen Sie Strahlungen, Gasen, Staub, Kälte, Nässe oder Erschütterungen ausgesetzt wären.

Ein individuelles Beschäftigungsverbot kann erforderlich sein, wenn eine Gefahr für Mutter und Kind aufgrund persönlicher Einschränkungen bestünde. Für diese Fälle hat das Gesetz Schutzmechanismen eingerichtet, denn üblicherweise bedeutet der Arbeitsvertrag, dass eine Arbeitnehmerin Geld gegen geleistete Arbeit erhält.

Im Umkehrschluss würde sie kein Geld erhalten, wenn Sie nicht arbeitet. In diesen Fällen greift der Mutterschaftslohn. Er setzt sich zusammen aus dem durchschnittlichen Verdienst der letzten 13 Wochen oder drei Monate vor Beginn des Monats, in dem die Schwangerschaft eingetreten ist. Woran sich ein Arbeitgeber orientiert, bleibt ihm überlassen.

Zu unterscheiden ist das Beschäftigungsverbot von der Arbeitsunfähigkeit: Wird eine schwangere Arbeitnehmerin krank, ganz gleich ob ein Beschäftigungsverbot besteht oder nicht, erhält sie die übliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, keinen Mutterschaftslohn.

Auch wenn die Krankheit über sechs Wochen hinaus anhält, fällt der Arbeitgeber aus: Das Krankengeld wird wie üblich dann von der Krankenkasse gezahlt.

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